Unzer, Johann August: Erste Gründe einer Physiologie der eigentlichen thierischen Natur thierischer Körper. Leipzig, 1771.I Th. Th. Seel. 3 Kap. Jhr Einfl. in den Mechan. gungen bestehen, wozu sie vermögend sind. §. 193. Somachet eine schmerzhafte Empfindung von einer Entzün- dung des Zwerchfells, ein unnatürliches Athemholen, durch die convulsivische Bewegung, die sie in ihm erreget. Die- jenigen Häute des thierischen Körpers, welche von einem nicht eigentlich fleischigten Gewebe, und nicht sowohl aus länglichten Fäserchen, als vielmehr aus kleinen Drüsen, Wärzchen, zelligten Geflechten, Adern und andern Saft- röhren zusammengewebet sind, müssen, was ihre Empfind- lichkeit, und die daraus herzuleitenden Seelenwirkungen be- trifft, auf ganz verschiedene Weise beurtheilet werden. Ei- nige dieser Häute haben viele Nerven und sind sehr em- pfindlich, wie die äußere Haut, und die Schleimhaut, welche die Nase, den Rachen und andre Theile bekleidet. Es scheinen sich auch die Nerven diesen Häuten einzuverlei- ben, §. 160. weil sie in allen Punkten, die eine Nadel- spitze berühren kann, empfindlich, und die letzten Verthei- lungen der Nerven in ihnen dem Auge unerforschlich sind, und sich unmerklich verlieren. Allein da die Strucktur dieser Häute von der in den Muskeln und fleischigten Häu- ten gänzlich abweicht, und an statt daß diese sich, vermö- ge ihres faserigten Gewebes, an jeder Stelle, wo sie em- pfindlich berühret werden, zusammenziehen können, jene zu einer sichtbaren Bewegung an den berührten, obgleich em- pfindlichen Stellen ganz ungeschickt sind, so kann man auch von ihren äußern Empfindungen keine solche Seelenwir- kungen an den gereizten Stellen, wie in den Muskeln und Fleischhäuten erwarten. Nichts destoweniger können die äußern sinnlichen Eindrücke in ihre Nerven, ohne eine sicht- bare thierische Bewegung in den berührten Punkten zu er- regen, zum Gehirn aufsteigen, daselbst empfunden werden, durch den innern sinnlichen Eindruck dieser äußern Empfin- dung in den Hauptnerven und durch andre Zweige dessel- ben zurückgehen, und wenn keine Hindernisse da sind, die- jenigen mechanischen Maschinen, die diese regieren, in thie- rische Bewegung setzen, mithin Seelenwirkungen dieser äußern
I Th. Th. Seel. 3 Kap. Jhr Einfl. in den Mechan. gungen beſtehen, wozu ſie vermoͤgend ſind. §. 193. Somachet eine ſchmerzhafte Empfindung von einer Entzuͤn- dung des Zwerchfells, ein unnatuͤrliches Athemholen, durch die convulſiviſche Bewegung, die ſie in ihm erreget. Die- jenigen Haͤute des thieriſchen Koͤrpers, welche von einem nicht eigentlich fleiſchigten Gewebe, und nicht ſowohl aus laͤnglichten Faͤſerchen, als vielmehr aus kleinen Druͤſen, Waͤrzchen, zelligten Geflechten, Adern und andern Saft- roͤhren zuſammengewebet ſind, muͤſſen, was ihre Empfind- lichkeit, und die daraus herzuleitenden Seelenwirkungen be- trifft, auf ganz verſchiedene Weiſe beurtheilet werden. Ei- nige dieſer Haͤute haben viele Nerven und ſind ſehr em- pfindlich, wie die aͤußere Haut, und die Schleimhaut, welche die Naſe, den Rachen und andre Theile bekleidet. Es ſcheinen ſich auch die Nerven dieſen Haͤuten einzuverlei- ben, §. 160. weil ſie in allen Punkten, die eine Nadel- ſpitze beruͤhren kann, empfindlich, und die letzten Verthei- lungen der Nerven in ihnen dem Auge unerforſchlich ſind, und ſich unmerklich verlieren. Allein da die Strucktur dieſer Haͤute von der in den Muskeln und fleiſchigten Haͤu- ten gaͤnzlich abweicht, und an ſtatt daß dieſe ſich, vermoͤ- ge ihres faſerigten Gewebes, an jeder Stelle, wo ſie em- pfindlich beruͤhret werden, zuſammenziehen koͤnnen, jene zu einer ſichtbaren Bewegung an den beruͤhrten, obgleich em- pfindlichen Stellen ganz ungeſchickt ſind, ſo kann man auch von ihren aͤußern Empfindungen keine ſolche Seelenwir- kungen an den gereizten Stellen, wie in den Muskeln und Fleiſchhaͤuten erwarten. Nichts deſtoweniger koͤnnen die aͤußern ſinnlichen Eindruͤcke in ihre Nerven, ohne eine ſicht- bare thieriſche Bewegung in den beruͤhrten Punkten zu er- regen, zum Gehirn aufſteigen, daſelbſt empfunden werden, durch den innern ſinnlichen Eindruck dieſer aͤußern Empfin- dung in den Hauptnerven und durch andre Zweige deſſel- ben zuruͤckgehen, und wenn keine Hinderniſſe da ſind, die- jenigen mechaniſchen Maſchinen, die dieſe regieren, in thie- riſche Bewegung ſetzen, mithin Seelenwirkungen dieſer aͤußern
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I Th. Th. Seel. 3 Kap. Jhr Einfl. in den Mechan.
gungen beſtehen, wozu ſie vermoͤgend ſind. §. 193. So
machet eine ſchmerzhafte Empfindung von einer Entzuͤn-
dung des Zwerchfells, ein unnatuͤrliches Athemholen, durch
die convulſiviſche Bewegung, die ſie in ihm erreget. Die-
jenigen Haͤute des thieriſchen Koͤrpers, welche von einem
nicht eigentlich fleiſchigten Gewebe, und nicht ſowohl aus
laͤnglichten Faͤſerchen, als vielmehr aus kleinen Druͤſen,
Waͤrzchen, zelligten Geflechten, Adern und andern Saft-
roͤhren zuſammengewebet ſind, muͤſſen, was ihre Empfind-
lichkeit, und die daraus herzuleitenden Seelenwirkungen be-
trifft, auf ganz verſchiedene Weiſe beurtheilet werden. Ei-
nige dieſer Haͤute haben viele Nerven und ſind ſehr em-
pfindlich, wie die aͤußere Haut, und die Schleimhaut,
welche die Naſe, den Rachen und andre Theile bekleidet.
Es ſcheinen ſich auch die Nerven dieſen Haͤuten einzuverlei-
ben, §. 160. weil ſie in allen Punkten, die eine Nadel-
ſpitze beruͤhren kann, empfindlich, und die letzten Verthei-
lungen der Nerven in ihnen dem Auge unerforſchlich ſind,
und ſich unmerklich verlieren. Allein da die Strucktur
dieſer Haͤute von der in den Muskeln und fleiſchigten Haͤu-
ten gaͤnzlich abweicht, und an ſtatt daß dieſe ſich, vermoͤ-
ge ihres faſerigten Gewebes, an jeder Stelle, wo ſie em-
pfindlich beruͤhret werden, zuſammenziehen koͤnnen, jene zu
einer ſichtbaren Bewegung an den beruͤhrten, obgleich em-
pfindlichen Stellen ganz ungeſchickt ſind, ſo kann man auch
von ihren aͤußern Empfindungen keine ſolche Seelenwir-
kungen an den gereizten Stellen, wie in den Muskeln und
Fleiſchhaͤuten erwarten. Nichts deſtoweniger koͤnnen die
aͤußern ſinnlichen Eindruͤcke in ihre Nerven, ohne eine ſicht-
bare thieriſche Bewegung in den beruͤhrten Punkten zu er-
regen, zum Gehirn aufſteigen, daſelbſt empfunden werden,
durch den innern ſinnlichen Eindruck dieſer aͤußern Empfin-
dung in den Hauptnerven und durch andre Zweige deſſel-
ben zuruͤckgehen, und wenn keine Hinderniſſe da ſind, die-
jenigen mechaniſchen Maſchinen, die dieſe regieren, in thie-
riſche Bewegung ſetzen, mithin Seelenwirkungen dieſer
aͤußern
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| Zitationshilfe: | Unzer, Johann August: Erste Gründe einer Physiologie der eigentlichen thierischen Natur thierischer Körper. Leipzig, 1771, S. 196. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/unzer_erstegruende_1771/220>, abgerufen am 11.09.2024. |


