Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Vogt, Carl: Zoologische Briefe. Bd. 2. Frankfurt (Main), 1851.

Bild:
<< vorherige Seite
Zwölfter Brief.
Kreis der Wirbelthiere. (Vertebrata.)


Wir gelangen endlich zu demjenigen Kreise, welcher uns selbst als
oberstes Glied in sich einschließt und durch diese Näherung für uns
eine ganz besondere Bedeutung hat. Die übrigen, nach so abweichen-
den Planen gebauten Kreise stehen uns immer als etwas Fremdartiges
gegenüber, während wir uns hier gewissermaßen heimisch fühlen, Aehn-
liche unter Aehnlichen, und so für die Auffassung der uns näher liegen-
den Typen auch geeigneter erscheinen.

Wie bei allen übrigen Kreisen des Thierreiches, so sehen wir auch
bei diesem einen gemeinsamen Grundplan für die Organisation aller
Wesen, welche ihm angehören; einen Grundplan, der in seinen ersten
Anfängen zwar nur einfache, wenig complicirte Formen erscheinen
läßt, welche sich aber nach und nach immer höher gestalten, bis sie
in dem Menschen ihren letzten endlichen Ausgangspunkt erreichen. Aber
auch hier läßt sich in der Entwickelung der Formen durchaus dieselbe
Erscheinung gewahren, welche wir schon in anderen Kreisen zu beob-
achten Gelegenheit hatten, nämlich die, daß der Embryo der höheren
Formen successiv Entwickelungsmomente durchläuft, welche den blei-
benden Gestaltungen der niederen Typen analog erscheinen. So wahr
dieses ist und so sehr man durch eine Menge von Einzelheiten die
Durchführung dieser Norm nachweisen kann, so sehr muß man sich
auf der anderen Seite gegen die allzuweit getriebene Ausdehnung

Vogt. Zoologische Briefe. II. 1*
Zwölfter Brief.
Kreis der Wirbelthiere. (Vertebrata.)


Wir gelangen endlich zu demjenigen Kreiſe, welcher uns ſelbſt als
oberſtes Glied in ſich einſchließt und durch dieſe Näherung für uns
eine ganz beſondere Bedeutung hat. Die übrigen, nach ſo abweichen-
den Planen gebauten Kreiſe ſtehen uns immer als etwas Fremdartiges
gegenüber, während wir uns hier gewiſſermaßen heimiſch fühlen, Aehn-
liche unter Aehnlichen, und ſo für die Auffaſſung der uns näher liegen-
den Typen auch geeigneter erſcheinen.

Wie bei allen übrigen Kreiſen des Thierreiches, ſo ſehen wir auch
bei dieſem einen gemeinſamen Grundplan für die Organiſation aller
Weſen, welche ihm angehören; einen Grundplan, der in ſeinen erſten
Anfängen zwar nur einfache, wenig complicirte Formen erſcheinen
läßt, welche ſich aber nach und nach immer höher geſtalten, bis ſie
in dem Menſchen ihren letzten endlichen Ausgangspunkt erreichen. Aber
auch hier läßt ſich in der Entwickelung der Formen durchaus dieſelbe
Erſcheinung gewahren, welche wir ſchon in anderen Kreiſen zu beob-
achten Gelegenheit hatten, nämlich die, daß der Embryo der höheren
Formen ſucceſſiv Entwickelungsmomente durchläuft, welche den blei-
benden Geſtaltungen der niederen Typen analog erſcheinen. So wahr
dieſes iſt und ſo ſehr man durch eine Menge von Einzelheiten die
Durchführung dieſer Norm nachweiſen kann, ſo ſehr muß man ſich
auf der anderen Seite gegen die allzuweit getriebene Ausdehnung

Vogt. Zoologiſche Briefe. II. 1*
<TEI>
  <text>
    <body>
      <pb facs="#f0009" n="[3]"/>
      <div n="1">
        <head><hi rendition="#b">Zwölfter Brief.</hi><lb/>
Kreis der Wirbelthiere. <hi rendition="#aq">(Vertebrata.)</hi></head><lb/>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
        <p><hi rendition="#in">W</hi>ir gelangen endlich zu demjenigen Krei&#x017F;e, welcher uns &#x017F;elb&#x017F;t als<lb/>
ober&#x017F;tes Glied in &#x017F;ich ein&#x017F;chließt und durch die&#x017F;e Näherung für uns<lb/>
eine ganz be&#x017F;ondere Bedeutung hat. Die übrigen, nach &#x017F;o abweichen-<lb/>
den Planen gebauten Krei&#x017F;e &#x017F;tehen uns immer als etwas Fremdartiges<lb/>
gegenüber, während wir uns hier gewi&#x017F;&#x017F;ermaßen heimi&#x017F;ch fühlen, Aehn-<lb/>
liche unter Aehnlichen, und &#x017F;o für die Auffa&#x017F;&#x017F;ung der uns näher liegen-<lb/>
den Typen auch geeigneter er&#x017F;cheinen.</p><lb/>
        <p>Wie bei allen übrigen Krei&#x017F;en des Thierreiches, &#x017F;o &#x017F;ehen wir auch<lb/>
bei die&#x017F;em einen gemein&#x017F;amen Grundplan für die Organi&#x017F;ation aller<lb/>
We&#x017F;en, welche ihm angehören; einen Grundplan, der in &#x017F;einen er&#x017F;ten<lb/>
Anfängen zwar nur einfache, wenig complicirte Formen er&#x017F;cheinen<lb/>
läßt, welche &#x017F;ich aber nach und nach immer höher ge&#x017F;talten, bis &#x017F;ie<lb/>
in dem Men&#x017F;chen ihren letzten endlichen Ausgangspunkt erreichen. Aber<lb/>
auch hier läßt &#x017F;ich in der Entwickelung der Formen durchaus die&#x017F;elbe<lb/>
Er&#x017F;cheinung gewahren, welche wir &#x017F;chon in anderen Krei&#x017F;en zu beob-<lb/>
achten Gelegenheit hatten, nämlich die, daß der Embryo der höheren<lb/>
Formen &#x017F;ucce&#x017F;&#x017F;iv Entwickelungsmomente durchläuft, welche den blei-<lb/>
benden Ge&#x017F;taltungen der niederen Typen analog er&#x017F;cheinen. So wahr<lb/>
die&#x017F;es i&#x017F;t und &#x017F;o &#x017F;ehr man durch eine Menge von Einzelheiten die<lb/>
Durchführung die&#x017F;er Norm nachwei&#x017F;en kann, &#x017F;o &#x017F;ehr muß man &#x017F;ich<lb/>
auf der anderen Seite gegen die allzuweit getriebene Ausdehnung<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">Vogt. Zoologi&#x017F;che Briefe. <hi rendition="#aq">II.</hi> 1*</fw><lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[3]/0009] Zwölfter Brief. Kreis der Wirbelthiere. (Vertebrata.) Wir gelangen endlich zu demjenigen Kreiſe, welcher uns ſelbſt als oberſtes Glied in ſich einſchließt und durch dieſe Näherung für uns eine ganz beſondere Bedeutung hat. Die übrigen, nach ſo abweichen- den Planen gebauten Kreiſe ſtehen uns immer als etwas Fremdartiges gegenüber, während wir uns hier gewiſſermaßen heimiſch fühlen, Aehn- liche unter Aehnlichen, und ſo für die Auffaſſung der uns näher liegen- den Typen auch geeigneter erſcheinen. Wie bei allen übrigen Kreiſen des Thierreiches, ſo ſehen wir auch bei dieſem einen gemeinſamen Grundplan für die Organiſation aller Weſen, welche ihm angehören; einen Grundplan, der in ſeinen erſten Anfängen zwar nur einfache, wenig complicirte Formen erſcheinen läßt, welche ſich aber nach und nach immer höher geſtalten, bis ſie in dem Menſchen ihren letzten endlichen Ausgangspunkt erreichen. Aber auch hier läßt ſich in der Entwickelung der Formen durchaus dieſelbe Erſcheinung gewahren, welche wir ſchon in anderen Kreiſen zu beob- achten Gelegenheit hatten, nämlich die, daß der Embryo der höheren Formen ſucceſſiv Entwickelungsmomente durchläuft, welche den blei- benden Geſtaltungen der niederen Typen analog erſcheinen. So wahr dieſes iſt und ſo ſehr man durch eine Menge von Einzelheiten die Durchführung dieſer Norm nachweiſen kann, ſo ſehr muß man ſich auf der anderen Seite gegen die allzuweit getriebene Ausdehnung Vogt. Zoologiſche Briefe. II. 1*

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/vogt_briefe02_1851
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/vogt_briefe02_1851/9
Zitationshilfe: Vogt, Carl: Zoologische Briefe. Bd. 2. Frankfurt (Main), 1851, S. [3]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/vogt_briefe02_1851/9>, abgerufen am 30.06.2022.