Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Homerus: Odüssee übersezt von Johann Heinrich Voß. Hamburg, 1781.

Bild:
<< vorherige Seite
Odüßee.
Einundzwanzigster Gesang.


Aber Ikarios Tochter, der klugen Pänelopeia,
Gab Athänä, die Göttin mit blauen Augen, den Rath ein,
Daß sie den Freiern den Bogen und blinkende Eisen zum Wettkampf
In dem Palast vorlegte, und zum Beginne des Mordens.
Und schon stieg sie empor die hohen Stufen der Wohnung, V. 5. 5
Faßte mit zarter Hand den schöngebogenen Schlüßel,
Zierlich von Erz gegoßen, mit elfenbeinernem Griffe,
Eilete dann, und ging, von ihren Mägden begleitet,
Zu dem innern Gemach, wo die Schäze des Königes lagen,
Erzes und Goldes die Meng', und künstlichgeschmiedetes Eisens. 10
Unter den Schäzen war der krumme Bogen Odüßeus,
Und sein Köcher, gefüllt mit jammerbringenden Pfeilen. V. 12.

Beide schenkt' ihm vordem in Lakedaimon ein Gastfreund, V. 13.
Ifitos, Eurütos Sohn, den unsterblichen Göttern vergleichbar.

V. 5. Sie holte von ihrem Söller die Schlüßel zu dem Vorrathsgewölbe.
Der Schlüßel war ein Dietrich, womit man den inwendigen Riegel zurückschob.
V. 12. Die Pfeile waren vergiftet, Ges. 1 V. 260.
V. 13. Lakedaimon ist hier der Name des Landes, wozu auch Meßänä, oder
das Gebiet der Meßänier, gehörte. Orsilochos wohnte in der meßänischen Stadt
Färai.
Oduͤßee.
Einundzwanzigſter Geſang.


Aber Ikarios Tochter, der klugen Paͤnelopeia,
Gab Athaͤnaͤ, die Goͤttin mit blauen Augen, den Rath ein,
Daß ſie den Freiern den Bogen und blinkende Eiſen zum Wettkampf
In dem Palaſt vorlegte, und zum Beginne des Mordens.
Und ſchon ſtieg ſie empor die hohen Stufen der Wohnung, V. 5. 5
Faßte mit zarter Hand den ſchoͤngebogenen Schluͤßel,
Zierlich von Erz gegoßen, mit elfenbeinernem Griffe,
Eilete dann, und ging, von ihren Maͤgden begleitet,
Zu dem innern Gemach, wo die Schaͤze des Koͤniges lagen,
Erzes und Goldes die Meng', und kuͤnſtlichgeſchmiedetes Eiſens. 10
Unter den Schaͤzen war der krumme Bogen Oduͤßeus,
Und ſein Koͤcher, gefuͤllt mit jammerbringenden Pfeilen. V. 12.

Beide ſchenkt' ihm vordem in Lakedaimon ein Gaſtfreund, V. 13.
Ifitos, Euruͤtos Sohn, den unſterblichen Goͤttern vergleichbar.

V. 5. Sie holte von ihrem Soͤller die Schluͤßel zu dem Vorrathsgewoͤlbe.
Der Schluͤßel war ein Dietrich, womit man den inwendigen Riegel zuruͤckſchob.
V. 12. Die Pfeile waren vergiftet, Geſ. 1 V. 260.
V. 13. Lakedaimon iſt hier der Name des Landes, wozu auch Meßaͤnaͤ, oder
das Gebiet der Meßaͤnier, gehoͤrte. Orſilochos wohnte in der meßaͤniſchen Stadt
Faͤrai.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <pb facs="#f0405" n="399"/>
      <div n="1">
        <head><hi rendition="#b"><hi rendition="#g">Odu&#x0364;ßee</hi>.</hi><lb/><hi rendition="#g">Einundzwanzig&#x017F;ter Ge&#x017F;ang</hi>.</head><lb/>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
        <p><hi rendition="#in">A</hi>ber Ikarios Tochter, der klugen Pa&#x0364;nelopeia,<lb/><hi rendition="#et">Gab Atha&#x0364;na&#x0364;, die Go&#x0364;ttin mit blauen Augen, den Rath ein,</hi><lb/>
Daß &#x017F;ie den Freiern den Bogen und blinkende Ei&#x017F;en zum Wettkampf<lb/>
In dem Pala&#x017F;t vorlegte, und zum Beginne des Mordens.<lb/>
Und &#x017F;chon &#x017F;tieg &#x017F;ie empor die hohen Stufen der Wohnung, <note place="foot" n="V. 5.">Sie holte von ihrem So&#x0364;ller die Schlu&#x0364;ßel zu dem Vorrathsgewo&#x0364;lbe.<lb/>
Der Schlu&#x0364;ßel war ein Dietrich, womit man den inwendigen Riegel zuru&#x0364;ck&#x017F;chob.</note> <note place="right">5</note><lb/>
Faßte mit zarter Hand den &#x017F;cho&#x0364;ngebogenen Schlu&#x0364;ßel,<lb/>
Zierlich von Erz gegoßen, mit elfenbeinernem Griffe,<lb/>
Eilete dann, und ging, von ihren Ma&#x0364;gden begleitet,<lb/>
Zu dem innern Gemach, wo die Scha&#x0364;ze des Ko&#x0364;niges lagen,<lb/>
Erzes und Goldes die Meng', und ku&#x0364;n&#x017F;tlichge&#x017F;chmiedetes Ei&#x017F;ens. <note place="right">10</note><lb/>
Unter den Scha&#x0364;zen war der krumme Bogen Odu&#x0364;ßeus,<lb/>
Und &#x017F;ein Ko&#x0364;cher, gefu&#x0364;llt mit jammerbringenden Pfeilen. <note place="foot" n="V. 12.">Die Pfeile waren vergiftet, Ge&#x017F;. 1 V. 260.</note></p><lb/>
        <p>Beide &#x017F;chenkt' ihm vordem in Lakedaimon ein Ga&#x017F;tfreund, <note place="foot" n="V. 13.">Lakedaimon i&#x017F;t hier der Name des Landes, wozu auch Meßa&#x0364;na&#x0364;, oder<lb/>
das Gebiet der Meßa&#x0364;nier, geho&#x0364;rte. Or&#x017F;ilochos wohnte in der meßa&#x0364;ni&#x017F;chen Stadt<lb/>
Fa&#x0364;rai.</note><lb/>
Ifitos, Euru&#x0364;tos Sohn, den un&#x017F;terblichen Go&#x0364;ttern vergleichbar.<lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[399/0405] Oduͤßee. Einundzwanzigſter Geſang. Aber Ikarios Tochter, der klugen Paͤnelopeia, Gab Athaͤnaͤ, die Goͤttin mit blauen Augen, den Rath ein, Daß ſie den Freiern den Bogen und blinkende Eiſen zum Wettkampf In dem Palaſt vorlegte, und zum Beginne des Mordens. Und ſchon ſtieg ſie empor die hohen Stufen der Wohnung, V. 5. Faßte mit zarter Hand den ſchoͤngebogenen Schluͤßel, Zierlich von Erz gegoßen, mit elfenbeinernem Griffe, Eilete dann, und ging, von ihren Maͤgden begleitet, Zu dem innern Gemach, wo die Schaͤze des Koͤniges lagen, Erzes und Goldes die Meng', und kuͤnſtlichgeſchmiedetes Eiſens. Unter den Schaͤzen war der krumme Bogen Oduͤßeus, Und ſein Koͤcher, gefuͤllt mit jammerbringenden Pfeilen. V. 12. 5 10 Beide ſchenkt' ihm vordem in Lakedaimon ein Gaſtfreund, V. 13. Ifitos, Euruͤtos Sohn, den unſterblichen Goͤttern vergleichbar. V. 5. Sie holte von ihrem Soͤller die Schluͤßel zu dem Vorrathsgewoͤlbe. Der Schluͤßel war ein Dietrich, womit man den inwendigen Riegel zuruͤckſchob. V. 12. Die Pfeile waren vergiftet, Geſ. 1 V. 260. V. 13. Lakedaimon iſt hier der Name des Landes, wozu auch Meßaͤnaͤ, oder das Gebiet der Meßaͤnier, gehoͤrte. Orſilochos wohnte in der meßaͤniſchen Stadt Faͤrai.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/voss_oduessee_1781
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/voss_oduessee_1781/405
Zitationshilfe: Homerus: Odüssee übersezt von Johann Heinrich Voß. Hamburg, 1781, S. 399. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/voss_oduessee_1781/405>, abgerufen am 11.04.2021.