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Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 5. Leipzig, 1880.

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[Spaltenumbruch] 642 Wer viel Wein trinckt, der samblet viel [???] im Leib. - Lehmann, 759, 49.

643 Wer vom Wein zu Thränen gerührt wird, weint das trunkene Elend. - Geiler.

644 Wer Wein in den Keller trägt, hat's Geld gut angelegt.

Frz.: Bien met l'argent, qui en bon vin l'emploie. (Cahier, 1833.)

645 Wer Wein säuft, muss nicht den Schnaps schelten.

646 Wer Wein trinkt, hat die Gicht, und wer keinen trinkt, dem fehlt sie nicht.

Engl.: Drink wine and have the gout; drink no wine and have the gout too. (Bohn II, 29.)

647 Wer Wein trinkt, muss Wein bezahlen. - Körte, 6621.

Bei Tunnicius (1044): De wyn drinket, de mot ok wyn betalen. (Vina bibens vini pretium persolvere debet.)

Holl.: Wijn drinct, wijn ghelt. (Prov. comm., 763.)

Lat.: Debita vir reddat, qui vina bibens bibit et dat. (Prov. Rust., 206, in Haupt, Zeitschrift, XI.) - Solve libens vina vel non dic vina propina. (Fallersleben, 763.)

648 Wer Wein vnd Oel liebt, der wird nicht reich. - Petri, II, 777.

649 Wer wein wil trinken vnd gelds entbehrt, der wirt mit armuth oft entehrt.

Lat.: Bursa carens uere, uetat inter uina sedere. (Loci comm., 115.)

650 Wer Wein will examiniren, darf nicht Durst auf der Zunge spüren.

651 Wer wein zu vil trinckt, wird zu einer Sawe, einem Lewen und zu einem Affen. (S. 520.) - Friesen, Spiegel, XXIIII.

652 Wer will trinken guten Wein, soll ihn auch bezahlen fein.

653 Wer zu Wein will gahn, muss Batzen han.

654 Wer zu Wein will gehn zu Posen, muss han zwey schock in Hosen. - Wehlt's Tageb.

655 Wessen Wein ich trinke, dessen Lied ich singe (pfeife).

656 Wie der Wein, so das Latein.

Ein Pfarrer setzte einem Studenten leichten Wein vor. Auf die Frage, wie er ihn finde, erwiderte er: Bonus vinum. Als er ihm dann bessern bot, antwortete er auf dieselbe Frage: Bonum vinum. Da sich der Pfarrer jetzt über den frühern Sprachschnitzer wunderte, erwiderte der Student: Tale vinum, tal latinum.

657 Wilden Wein schlage mit der Wasserstange und wilde Mönche mit dem Steuerrodel. - Klosterspiegel, 20, 21.

658 Will der wein im fass zu wild sein, so schlag jhn mit der wasserstangen (damit er dich nicht schlägt). - Franck, I, 148a; Lehmann, II, 855, 415; Körte, 6632; Simrock, 11468; Sailer, 295.

Holl.: Als de wijn in het vat te wild is, moet men ze met de water-roede geselen. (Harrebomee, II, 461a.)

659 Will man guten Wein trincken, so müssen die Trauben gekeltert werden. - Lehmann, 306, 27.

660 Wiltu einfassen guten Wein, so muss dein fass vor sauber sein. - Petri, II, 794.

661 Wiltu gern trincken külen wein, solt jhn auch gern bezalen fein.

662 Wiltu haben guten Wein, so geuss nicht oben Wasser drein. - Oec. rur., 286.

663 Wiltu wissen dess Weines Frommen, so lass Majum ehe zur Erde kommen. - Oec. rur., 58.

664 Wein op Melk dat is för ölk, Melk op Wein dat is Venein. (Holst.) - Schütze, III, 93; Schambach, II, 589; Simrock, 11443.

In Süderdithmarschen hört man als Schlusssatz auch: Dat is för Swein. - Wein auf Milch, wird Oel, Milch auf Wein wird Gift. Einige können Wein auf Milch trinken (vertragen), Milch auf Wein aber getrunken, schadet. Das Wort "ölk" ist, wie Schambach bemerkt, eine falsche Umbildung aus elk, wol daher entstanden, um einen Gegensatz zu dem Gift in der andern Hälfte des Sprichworts zu erhalten. Das niederdeutsche venin, aus lateinisch veninum = Gift, sagt Schambach wörtlich, "ist in unserer Mundart so gut wie erloschen, das davon gebildete althochdeutsche vünsch (aus veninisch) = giftig dagegen noch allgemein üblich. Ebenso ist das in [Spaltenumbruch] andern nieder deutschen Mundarten, namentlich im Holländischen noch vorkommende elk = jedermann, in der unserigen ganz untergegangen und infolge dessen als unverständlich geworden in Oelk corrumpirt und dies als Nebenform zu öy = Oel gedeutet."

Frz.: Vin sur laict c'est souhait, laict sur vin c'est venin.

665 Wein op Melk is vör elk (auch: dat dent elk), Melk up Wein, dat lat sein. (Holst.) - Schütze, III, 93; IV, 300; Diermissen, 67; Deecke, 15; K. Stein, Der praktische Landwirth, V, 245; Körte, 6615.

666 Wein up Melk is forr elk1, Melk up Wein is forr nein2. (Oldenburg.) - Goldschmidt, II, 157.

1) Jeden.

2) Keinen, niemand.

667 Winket dir der Wein im Becher, greife zu und trinke frisch; aber nicht mit jedem Zecher setze dich an Einen Tisch. - Haussprüche, 38.

668 Wo der best Wein wechst, da trinckt man den schlimbsten. - Lehmann, 416, 8; Simrock, 11456; Eiselein, 637; Körte, 6622; Masson, 309.

"So sind oft diejenigen Oerter und Personen, davon man alle Tugend und christlichen Wandel lernen sollte, in ihrem Thun und Leben ärgerlich."

Schwed.: Der bästa wijnet wäxer, dricker man altijd det sämsta. (Grubb, 153.)

669 Wo man Wein füllt, ertrinkt die Ehrlichkeit.

670 Wo man Wein und Weiber trifft, beide sind nicht ohne Gift.

Frz.: Femme et vin ont leur venin. (Leroux, I, 145.)

671 Wo wein eingeht, da geht die scham aus. - Franck, II, 152a; Egenolff, 209b; Gruter, I, 86; Petri, II, 817; Blum, 579; Sailer, 152; Gaal, 1698; Eiselein, 636; Simrock, 11467; Körte, 6642; Körte2, 8330; Ramann, I. Pred., III, 2; Ramann, Unterr., V, 2.

Frz.: Entre les verres et les pots moins de sages que de sots. - Ou le vin entre, la pudeur en sorte. (Gaal, 1698.)

It.: Dove entra il vino, esce la vergogna. (Pazzaglia, 410, 5.) - Vino dentro, senno fuora.

Lat.: Lexis truncatur cereuisia dum dominatur. (Reuterdahl, 481.) - Nihil similius est insano, quam ebrius. (Philippi, II, 24.)

Schwed.: Naar ölit gaar in tha gaar vethith wth. (Reuterdahl, 481.) - När winet är inne, är wettet ate. (Marin, 22.)

672 Wo wein eingeht, da geht witz (Verstand, Weisheit) auss. - Franck, I, 83a; II, 152b; Henisch, 1430, 65; Petri, II, 817; Mathesy, 213b; Egenolff, 342a; Simrock, 11466; Körte, 6641.

Engl.: When wine is in, wit is out. (Gaal, 1697.)

It.: Dov' entra il bere, sorte il sapere. (Pazzaglia, 32, 2.)

Lat.: Insa nire facit sanos quo que copia vini. (Seybold, 349.) - Sapientiam vino obumbrare. (Plinius.) (Eiselein, 636; Binder I, 1582; II, 3022; Faselius, 229; Wiegand, 240; Philippi, II, 166; Seybold, 587; Fischer, 205, 19.) - Vino intrante, foras subito sapientia vadit. (Binder I, 1851; II, 3546; Seybold, 633.)

Span.: Do entra bever, sale saber. (Zeiller, 244.)

673 Wo Wein gebricht, da laut die Sackpfeiff nicht. - Henisch, 1366, 23; Petri, III, 16.

674 Wo Wein ist, da sind auch Hefen. - Petri, II, 817.

675 Wo Wein seufft ein junges Blut, ists, als ob man Oel ins Fewer thut. - Petri, II, 817.

676 Wohlfeiler Wein ist leicht verdaut.

Engl.: Wine that costs nothing is digested ere it be drunk. (Bohn II, 23.)

677 Wozu wächst der gute Wein, wenn man den schlechten wollt' trinken hinein.

678 Wz bei dem wein gschiht, sol nit gedacht werden. - Hauer, Lij.

Lat.: Odi memorem compotorem.

679 Zäpt em en Weinj vun Angden, esi bekit e eiwe Wangden. (Siebenbürg.-sächs.) - Schuster, 61.

Ueber die siebenbürgischen Traubengattungen und Weinsorten vgl. J. Fabinis, Mediascher Gymnasialprogramm für das Jahr 1860.

680 Zieht der Wein ein, zieht das Geheimniss aus.

Da im Hebräischen die Buchstaben Zahlenwerth haben, so liegt in dem hebräischen Ausdruck dieses Gedankens zugleich ein Spiel des Witzes. Nichnas Jajin jozo Saud. Wein (Jajin) und söd, Geheimniss, haben siebzig in der Zahl, und der Ausspruch kann also auch gelesen werden: Wo siebzig einziehn, ziehn siebzig aus.

681 Zu gutem Wein darff man kein zeichen ausstecken. - Lehmann, 490, 38.

[Spaltenumbruch] 642 Wer viel Wein trinckt, der samblet viel [???] im Leib.Lehmann, 759, 49.

643 Wer vom Wein zu Thränen gerührt wird, weint das trunkene Elend.Geiler.

644 Wer Wein in den Keller trägt, hat's Geld gut angelegt.

Frz.: Bien met l'argent, qui en bon vin l'emploie. (Cahier, 1833.)

645 Wer Wein säuft, muss nicht den Schnaps schelten.

646 Wer Wein trinkt, hat die Gicht, und wer keinen trinkt, dem fehlt sie nicht.

Engl.: Drink wine and have the gout; drink no wine and have the gout too. (Bohn II, 29.)

647 Wer Wein trinkt, muss Wein bezahlen.Körte, 6621.

Bei Tunnicius (1044): De wyn drinket, de mot ôk wyn betalen. (Vina bibens vini pretium persolvere debet.)

Holl.: Wijn drinct, wijn ghelt. (Prov. comm., 763.)

Lat.: Debita vir reddat, qui vina bibens bibit et dat. (Prov. Rust., 206, in Haupt, Zeitschrift, XI.) – Solve libens vina vel non dic vina propina. (Fallersleben, 763.)

648 Wer Wein vnd Oel liebt, der wird nicht reich.Petri, II, 777.

649 Wer wein wil trinken vnd gelds entbehrt, der wirt mit armuth oft entehrt.

Lat.: Bursa carens uere, uetat inter uina sedere. (Loci comm., 115.)

650 Wer Wein will examiniren, darf nicht Durst auf der Zunge spüren.

651 Wer wein zu vil trinckt, wird zu einer Sawe, einem Lewen und zu einem Affen. (S. 520.)Friesen, Spiegel, XXIIII.

652 Wer will trinken guten Wein, soll ihn auch bezahlen fein.

653 Wer zu Wein will gahn, muss Batzen han.

654 Wer zu Wein will gehn zu Posen, muss han zwey schock in Hosen.Wehlt's Tageb.

655 Wessen Wein ich trinke, dessen Lied ich singe (pfeife).

656 Wie der Wein, so das Latein.

Ein Pfarrer setzte einem Studenten leichten Wein vor. Auf die Frage, wie er ihn finde, erwiderte er: Bonus vinum. Als er ihm dann bessern bot, antwortete er auf dieselbe Frage: Bonum vinum. Da sich der Pfarrer jetzt über den frühern Sprachschnitzer wunderte, erwiderte der Student: Tale vinum, tal latinum.

657 Wilden Wein schlage mit der Wasserstange und wilde Mönche mit dem Steuerrodel.Klosterspiegel, 20, 21.

658 Will der wein im fass zu wild sein, so schlag jhn mit der wasserstangen (damit er dich nicht schlägt).Franck, I, 148a; Lehmann, II, 855, 415; Körte, 6632; Simrock, 11468; Sailer, 295.

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659 Will man guten Wein trincken, so müssen die Trauben gekeltert werden.Lehmann, 306, 27.

660 Wiltu einfassen guten Wein, so muss dein fass vor sauber sein.Petri, II, 794.

661 Wiltu gern trincken külen wein, solt jhn auch gern bezalen fein.

662 Wiltu haben guten Wein, so geuss nicht oben Wasser drein.Oec. rur., 286.

663 Wiltu wissen dess Weines Frommen, so lass Majum ehe zur Erde kommen.Oec. rur., 58.

664 Wîn op Melk dat is för ölk, Melk op Wîn dat is Venîn. (Holst.) – Schütze, III, 93; Schambach, II, 589; Simrock, 11443.

In Süderdithmarschen hört man als Schlusssatz auch: Dat is för Swîn. – Wein auf Milch, wird Oel, Milch auf Wein wird Gift. Einige können Wein auf Milch trinken (vertragen), Milch auf Wein aber getrunken, schadet. Das Wort „ölk“ ist, wie Schambach bemerkt, eine falsche Umbildung aus elk, wol daher entstanden, um einen Gegensatz zu dem Gift in der andern Hälfte des Sprichworts zu erhalten. Das niederdeutsche venin, aus lateinisch veninum = Gift, sagt Schambach wörtlich, „ist in unserer Mundart so gut wie erloschen, das davon gebildete althochdeutsche vünsch (aus veninisch) = giftig dagegen noch allgemein üblich. Ebenso ist das in [Spaltenumbruch] andern nieder deutschen Mundarten, namentlich im Holländischen noch vorkommende elk = jedermann, in der unserigen ganz untergegangen und infolge dessen als unverständlich geworden in Oelk corrumpirt und dies als Nebenform zu öy = Oel gedeutet.“

Frz.: Vin sur laict c'est souhait, laict sur vin c'est venin.

665 Wîn op Melk is vör elk (auch: dat dênt elk), Melk up Wîn, dat lât sîn. (Holst.) – Schütze, III, 93; IV, 300; Diermissen, 67; Deecke, 15; K. Stein, Der praktische Landwirth, V, 245; Körte, 6615.

666 Wîn up Melk is forr elk1, Melk up Wîn is forr nîn2. (Oldenburg.) – Goldschmidt, II, 157.

1) Jeden.

2) Keinen, niemand.

667 Winket dir der Wein im Becher, greife zu und trinke frisch; aber nicht mit jedem Zecher setze dich an Einen Tisch.Haussprüche, 38.

668 Wo der best Wein wechst, da trinckt man den schlimbsten.Lehmann, 416, 8; Simrock, 11456; Eiselein, 637; Körte, 6622; Masson, 309.

„So sind oft diejenigen Oerter und Personen, davon man alle Tugend und christlichen Wandel lernen sollte, in ihrem Thun und Leben ärgerlich.“

Schwed.: Der bästa wijnet wäxer, dricker man altijd det sämsta. (Grubb, 153.)

669 Wo man Wein füllt, ertrinkt die Ehrlichkeit.

670 Wo man Wein und Weiber trifft, beide sind nicht ohne Gift.

Frz.: Femme et vin ont leur venin. (Leroux, I, 145.)

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Frz.: Entre les verres et les pots moins de sages que de sots. – Où le vin entre, la pudeur en sorte. (Gaal, 1698.)

It.: Dove entra il vino, esce la vergogna. (Pazzaglia, 410, 5.) – Vino dentro, senno fuora.

Lat.: Lexis truncatur cereuisia dum dominatur. (Reuterdahl, 481.) – Nihil similius est insano, quam ebrius. (Philippi, II, 24.)

Schwed.: Naar ölit gaar in tha gaar vethith wth. (Reuterdahl, 481.) – När winet är inne, är wettet ate. (Marin, 22.)

672 Wo wein eingeht, da geht witz (Verstand, Weisheit) auss.Franck, I, 83a; II, 152b; Henisch, 1430, 65; Petri, II, 817; Mathesy, 213b; Egenolff, 342a; Simrock, 11466; Körte, 6641.

Engl.: When wine is in, wit is out. (Gaal, 1697.)

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673 Wo Wein gebricht, da laut die Sackpfeiff nicht.Henisch, 1366, 23; Petri, III, 16.

674 Wo Wein ist, da sind auch Hefen.Petri, II, 817.

675 Wo Wein seufft ein junges Blut, ists, als ob man Oel ins Fewer thut.Petri, II, 817.

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677 Wozu wächst der gute Wein, wenn man den schlechten wollt' trinken hinein.

678 Wz bei dem wein gschiht, sol nit gedacht werden.Hauer, Lij.

Lat.: Odi memorem compotorem.

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Ueber die siebenbürgischen Traubengattungen und Weinsorten vgl. J. Fabinis, Mediascher Gymnasialprogramm für das Jahr 1860.

680 Zieht der Wein ein, zieht das Geheimniss aus.

Da im Hebräischen die Buchstaben Zahlenwerth haben, so liegt in dem hebräischen Ausdruck dieses Gedankens zugleich ein Spiel des Witzes. Nichnas Jajin jozo Saud. Wein (Jajin) und söd, Geheimniss, haben siebzig in der Zahl, und der Ausspruch kann also auch gelesen werden: Wo siebzig einziehn, ziehn siebzig aus.

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[[57]/0069] 642 Wer viel Wein trinckt, der samblet viel [???] im Leib. – Lehmann, 759, 49. 643 Wer vom Wein zu Thränen gerührt wird, weint das trunkene Elend. – Geiler. 644 Wer Wein in den Keller trägt, hat's Geld gut angelegt. Frz.: Bien met l'argent, qui en bon vin l'emploie. (Cahier, 1833.) 645 Wer Wein säuft, muss nicht den Schnaps schelten. 646 Wer Wein trinkt, hat die Gicht, und wer keinen trinkt, dem fehlt sie nicht. Engl.: Drink wine and have the gout; drink no wine and have the gout too. (Bohn II, 29.) 647 Wer Wein trinkt, muss Wein bezahlen. – Körte, 6621. Bei Tunnicius (1044): De wyn drinket, de mot ôk wyn betalen. (Vina bibens vini pretium persolvere debet.) Holl.: Wijn drinct, wijn ghelt. (Prov. comm., 763.) Lat.: Debita vir reddat, qui vina bibens bibit et dat. (Prov. Rust., 206, in Haupt, Zeitschrift, XI.) – Solve libens vina vel non dic vina propina. (Fallersleben, 763.) 648 Wer Wein vnd Oel liebt, der wird nicht reich. – Petri, II, 777. 649 Wer wein wil trinken vnd gelds entbehrt, der wirt mit armuth oft entehrt. Lat.: Bursa carens uere, uetat inter uina sedere. (Loci comm., 115.) 650 Wer Wein will examiniren, darf nicht Durst auf der Zunge spüren. 651 Wer wein zu vil trinckt, wird zu einer Sawe, einem Lewen und zu einem Affen. (S. 520.) – Friesen, Spiegel, XXIIII. 652 Wer will trinken guten Wein, soll ihn auch bezahlen fein. 653 Wer zu Wein will gahn, muss Batzen han. 654 Wer zu Wein will gehn zu Posen, muss han zwey schock in Hosen. – Wehlt's Tageb. 655 Wessen Wein ich trinke, dessen Lied ich singe (pfeife). 656 Wie der Wein, so das Latein. Ein Pfarrer setzte einem Studenten leichten Wein vor. Auf die Frage, wie er ihn finde, erwiderte er: Bonus vinum. Als er ihm dann bessern bot, antwortete er auf dieselbe Frage: Bonum vinum. Da sich der Pfarrer jetzt über den frühern Sprachschnitzer wunderte, erwiderte der Student: Tale vinum, tal latinum. 657 Wilden Wein schlage mit der Wasserstange und wilde Mönche mit dem Steuerrodel. – Klosterspiegel, 20, 21. 658 Will der wein im fass zu wild sein, so schlag jhn mit der wasserstangen (damit er dich nicht schlägt). – Franck, I, 148a; Lehmann, II, 855, 415; Körte, 6632; Simrock, 11468; Sailer, 295. Holl.: Als de wijn in het vat te wild is, moet men ze met de water-roede geselen. (Harrebomée, II, 461a.) 659 Will man guten Wein trincken, so müssen die Trauben gekeltert werden. – Lehmann, 306, 27. 660 Wiltu einfassen guten Wein, so muss dein fass vor sauber sein. – Petri, II, 794. 661 Wiltu gern trincken külen wein, solt jhn auch gern bezalen fein. 662 Wiltu haben guten Wein, so geuss nicht oben Wasser drein. – Oec. rur., 286. 663 Wiltu wissen dess Weines Frommen, so lass Majum ehe zur Erde kommen. – Oec. rur., 58. 664 Wîn op Melk dat is för ölk, Melk op Wîn dat is Venîn. (Holst.) – Schütze, III, 93; Schambach, II, 589; Simrock, 11443. In Süderdithmarschen hört man als Schlusssatz auch: Dat is för Swîn. – Wein auf Milch, wird Oel, Milch auf Wein wird Gift. Einige können Wein auf Milch trinken (vertragen), Milch auf Wein aber getrunken, schadet. Das Wort „ölk“ ist, wie Schambach bemerkt, eine falsche Umbildung aus elk, wol daher entstanden, um einen Gegensatz zu dem Gift in der andern Hälfte des Sprichworts zu erhalten. Das niederdeutsche venin, aus lateinisch veninum = Gift, sagt Schambach wörtlich, „ist in unserer Mundart so gut wie erloschen, das davon gebildete althochdeutsche vünsch (aus veninisch) = giftig dagegen noch allgemein üblich. Ebenso ist das in andern nieder deutschen Mundarten, namentlich im Holländischen noch vorkommende elk = jedermann, in der unserigen ganz untergegangen und infolge dessen als unverständlich geworden in Oelk corrumpirt und dies als Nebenform zu öy = Oel gedeutet.“ Frz.: Vin sur laict c'est souhait, laict sur vin c'est venin. 665 Wîn op Melk is vör elk (auch: dat dênt elk), Melk up Wîn, dat lât sîn. (Holst.) – Schütze, III, 93; IV, 300; Diermissen, 67; Deecke, 15; K. Stein, Der praktische Landwirth, V, 245; Körte, 6615. 666 Wîn up Melk is forr elk1, Melk up Wîn is forr nîn2. (Oldenburg.) – Goldschmidt, II, 157. 1) Jeden. 2) Keinen, niemand. 667 Winket dir der Wein im Becher, greife zu und trinke frisch; aber nicht mit jedem Zecher setze dich an Einen Tisch. – Haussprüche, 38. 668 Wo der best Wein wechst, da trinckt man den schlimbsten. – Lehmann, 416, 8; Simrock, 11456; Eiselein, 637; Körte, 6622; Masson, 309. „So sind oft diejenigen Oerter und Personen, davon man alle Tugend und christlichen Wandel lernen sollte, in ihrem Thun und Leben ärgerlich.“ Schwed.: Der bästa wijnet wäxer, dricker man altijd det sämsta. (Grubb, 153.) 669 Wo man Wein füllt, ertrinkt die Ehrlichkeit. 670 Wo man Wein und Weiber trifft, beide sind nicht ohne Gift. Frz.: Femme et vin ont leur venin. (Leroux, I, 145.) 671 Wo wein eingeht, da geht die scham aus. – Franck, II, 152a; Egenolff, 209b; Gruter, I, 86; Petri, II, 817; Blum, 579; Sailer, 152; Gaal, 1698; Eiselein, 636; Simrock, 11467; Körte, 6642; Körte2, 8330; Ramann, I. Pred., III, 2; Ramann, Unterr., V, 2. Frz.: Entre les verres et les pots moins de sages que de sots. – Où le vin entre, la pudeur en sorte. (Gaal, 1698.) It.: Dove entra il vino, esce la vergogna. (Pazzaglia, 410, 5.) – Vino dentro, senno fuora. Lat.: Lexis truncatur cereuisia dum dominatur. (Reuterdahl, 481.) – Nihil similius est insano, quam ebrius. (Philippi, II, 24.) Schwed.: Naar ölit gaar in tha gaar vethith wth. (Reuterdahl, 481.) – När winet är inne, är wettet ate. (Marin, 22.) 672 Wo wein eingeht, da geht witz (Verstand, Weisheit) auss. – Franck, I, 83a; II, 152b; Henisch, 1430, 65; Petri, II, 817; Mathesy, 213b; Egenolff, 342a; Simrock, 11466; Körte, 6641. Engl.: When wine is in, wit is out. (Gaal, 1697.) It.: Dov' entra il bere, sorte il sapere. (Pazzaglia, 32, 2.) Lat.: Insa nire facit sanos quo que copia vini. (Seybold, 349.) – Sapientiam vino obumbrare. (Plinius.) (Eiselein, 636; Binder I, 1582; II, 3022; Faselius, 229; Wiegand, 240; Philippi, II, 166; Seybold, 587; Fischer, 205, 19.) – Vino intrante, foras subito sapientia vadit. (Binder I, 1851; II, 3546; Seybold, 633.) Span.: Do entra bever, sale saber. (Zeiller, 244.) 673 Wo Wein gebricht, da laut die Sackpfeiff nicht. – Henisch, 1366, 23; Petri, III, 16. 674 Wo Wein ist, da sind auch Hefen. – Petri, II, 817. 675 Wo Wein seufft ein junges Blut, ists, als ob man Oel ins Fewer thut. – Petri, II, 817. 676 Wohlfeiler Wein ist leicht verdaut. Engl.: Wine that costs nothing is digested ere it be drunk. (Bohn II, 23.) 677 Wozu wächst der gute Wein, wenn man den schlechten wollt' trinken hinein. 678 Wz bei dem wein gschiht, sol nit gedacht werden. – Hauer, Lij. Lat.: Odi memorem compotorem. 679 Zäpt em en Weinj vun Angden, esi bekit e îwe Wangden. (Siebenbürg.-sächs.) – Schuster, 61. Ueber die siebenbürgischen Traubengattungen und Weinsorten vgl. J. Fabinis, Mediascher Gymnasialprogramm für das Jahr 1860. 680 Zieht der Wein ein, zieht das Geheimniss aus. Da im Hebräischen die Buchstaben Zahlenwerth haben, so liegt in dem hebräischen Ausdruck dieses Gedankens zugleich ein Spiel des Witzes. Nichnas Jajin jozo Saud. Wein (Jajin) und söd, Geheimniss, haben siebzig in der Zahl, und der Ausspruch kann also auch gelesen werden: Wo siebzig einziehn, ziehn siebzig aus. 681 Zu gutem Wein darff man kein zeichen ausstecken. – Lehmann, 490, 38.

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Zitationshilfe: Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 5. Leipzig, 1880, S. [57]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon05_1880/69>, abgerufen am 26.01.2021.