Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672.

Bild:
<< vorherige Seite


len/ der hatte den Brauch/ daß er allzeit eine
Schreib-Tafel bey sich führte/ und also bald
eine Artzney glücklich angeschlagen/ solches mit
sonderbahrem Fleisse einzeichnete. Nun solte
er einen Schmiedt am viertägichtem Fieber
curiren/ dieser wolte ohne des Henckers
Danck/ Speck und Kohl fressen/ der gute Me-
dicus
hatte seine Bücher alle auffgeschlagen/
doch fand er kein gut votun vor den Kohl/ dar-
um bat er die Frau/ so lieb sie ihres Mannes
Leben hätte/ so fleißig solte sie sich vorsehen/ daß
er keinen Speck mit Kohl zu essen kriegte.
Was geschicht da die Frau nicht wolte/ bat
der Meister seinen Schmiedknecht/ er möch-
te ihm was bey dem Nachbar zu wege brin-
gen. Der ist nicht faul und trägt ihm un-
ter dem Schurtzfell eine Schüssel zu/ daran
sich drey Meißnische Zeisigmagen hätten zu
tode gessen/ die nimmt der arme Krancke/ schwa-
che Mann auff das Hertze/ den Tag hernach/
als der Medicus in seiner Erbarkeit daher ge-
treten kömmt/ und mit grosser Bekümmernüß
der gefährlichen Kranckheit nach denckt/ siehe
da/ so stehet der Schmied wieder in der Werck-
stadt/ und schmeist auff das Amboß zu/
gleich als hätte er die Zeit seines Lebens kein
Fieber gehabt/ der Doctor verwundert sich

über
O v


len/ der hatte den Brauch/ daß er allzeit eine
Schreib-Tafel bey ſich fuͤhrte/ und alſo bald
eine Artzney gluͤcklich angeſchlagen/ ſolches mit
ſonderbahrem Fleiſſe einzeichnete. Nun ſolte
er einen Schmiedt am viertaͤgichtem Fieber
curiren/ dieſer wolte ohne des Henckers
Danck/ Speck und Kohl freſſen/ der gute Me-
dicus
hatte ſeine Buͤcher alle auffgeſchlagen/
doch fand er kein gut votũ vor den Kohl/ dar-
um bat er die Frau/ ſo lieb ſie ihres Mannes
Leben haͤtte/ ſo fleißig ſolte ſie ſich voꝛſehen/ daß
er keinen Speck mit Kohl zu eſſen kriegte.
Was geſchicht da die Frau nicht wolte/ bat
der Meiſter ſeinen Schmiedknecht/ er moͤch-
te ihm was bey dem Nachbar zu wege brin-
gen. Der iſt nicht faul und traͤgt ihm un-
ter dem Schurtzfell eine Schuͤſſel zu/ daꝛan
ſich drey Meißniſche Zeiſigmagen haͤtten zu
tode geſſen/ die nim̃t der arme Krancke/ ſchwa-
che Mann auff das Hertze/ den Tag hernach/
als der Medicus in ſeiner Erbarkeit daher ge-
treten koͤmmt/ und mit groſſer Bekuͤmmernuͤß
der gefaͤhrlichen Kranckheit nach denckt/ ſiehe
da/ ſo ſtehet deꝛ Schmied wiedeꝛ in der Werck-
ſtadt/ und ſchmeiſt auff das Amboß zu/
gleich als haͤtte er die Zeit ſeines Lebens kein
Fieber gehabt/ der Doctor verwundert ſich

uͤber
O v
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <p><pb facs="#f0327" n="321"/><lb/>
len/ der hatte den Brauch/ daß er allzeit eine<lb/>
Schreib-Tafel bey &#x017F;ich fu&#x0364;hrte/ und al&#x017F;o bald<lb/>
eine Artzney glu&#x0364;cklich ange&#x017F;chlagen/ &#x017F;olches mit<lb/>
&#x017F;onderbahrem Flei&#x017F;&#x017F;e einzeichnete. Nun &#x017F;olte<lb/>
er einen Schmiedt am vierta&#x0364;gichtem Fieber<lb/>
curiren/ die&#x017F;er wolte ohne des Henckers<lb/>
Danck/ Speck und Kohl fre&#x017F;&#x017F;en/ der gute <hi rendition="#aq">Me-<lb/>
dicus</hi> hatte &#x017F;eine Bu&#x0364;cher alle auffge&#x017F;chlagen/<lb/>
doch fand er kein gut <hi rendition="#aq">votu&#x0303;</hi> vor den Kohl/ dar-<lb/>
um bat er die Frau/ &#x017F;o lieb &#x017F;ie ihres Mannes<lb/>
Leben ha&#x0364;tte/ &#x017F;o fleißig &#x017F;olte &#x017F;ie &#x017F;ich vo&#xA75B;&#x017F;ehen/ daß<lb/>
er keinen Speck mit Kohl zu e&#x017F;&#x017F;en kriegte.<lb/>
Was ge&#x017F;chicht da die Frau nicht wolte/ bat<lb/>
der Mei&#x017F;ter &#x017F;einen Schmiedknecht/ er mo&#x0364;ch-<lb/>
te ihm was bey dem Nachbar zu wege brin-<lb/>
gen. Der i&#x017F;t nicht faul und tra&#x0364;gt ihm un-<lb/>
ter dem Schurtzfell eine Schu&#x0364;&#x017F;&#x017F;el zu/ da&#xA75B;an<lb/>
&#x017F;ich drey Meißni&#x017F;che Zei&#x017F;igmagen ha&#x0364;tten zu<lb/>
tode ge&#x017F;&#x017F;en/ die nim&#x0303;t der arme Krancke/ &#x017F;chwa-<lb/>
che Mann auff das Hertze/ den Tag hernach/<lb/>
als der <hi rendition="#aq">Medicus</hi> in &#x017F;einer Erbarkeit daher ge-<lb/>
treten ko&#x0364;mmt/ und mit gro&#x017F;&#x017F;er Beku&#x0364;mmernu&#x0364;ß<lb/>
der gefa&#x0364;hrlichen Kranckheit nach denckt/ &#x017F;iehe<lb/>
da/ &#x017F;o &#x017F;tehet de&#xA75B; Schmied wiede&#xA75B; in der Werck-<lb/>
&#x017F;tadt/ und &#x017F;chmei&#x017F;t auff das Amboß zu/<lb/>
gleich als ha&#x0364;tte er die Zeit &#x017F;eines Lebens kein<lb/>
Fieber gehabt/ der <hi rendition="#aq">Doctor</hi> verwundert &#x017F;ich<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">O v</fw><fw place="bottom" type="catch">u&#x0364;ber</fw><lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[321/0327] len/ der hatte den Brauch/ daß er allzeit eine Schreib-Tafel bey ſich fuͤhrte/ und alſo bald eine Artzney gluͤcklich angeſchlagen/ ſolches mit ſonderbahrem Fleiſſe einzeichnete. Nun ſolte er einen Schmiedt am viertaͤgichtem Fieber curiren/ dieſer wolte ohne des Henckers Danck/ Speck und Kohl freſſen/ der gute Me- dicus hatte ſeine Buͤcher alle auffgeſchlagen/ doch fand er kein gut votũ vor den Kohl/ dar- um bat er die Frau/ ſo lieb ſie ihres Mannes Leben haͤtte/ ſo fleißig ſolte ſie ſich voꝛſehen/ daß er keinen Speck mit Kohl zu eſſen kriegte. Was geſchicht da die Frau nicht wolte/ bat der Meiſter ſeinen Schmiedknecht/ er moͤch- te ihm was bey dem Nachbar zu wege brin- gen. Der iſt nicht faul und traͤgt ihm un- ter dem Schurtzfell eine Schuͤſſel zu/ daꝛan ſich drey Meißniſche Zeiſigmagen haͤtten zu tode geſſen/ die nim̃t der arme Krancke/ ſchwa- che Mann auff das Hertze/ den Tag hernach/ als der Medicus in ſeiner Erbarkeit daher ge- treten koͤmmt/ und mit groſſer Bekuͤmmernuͤß der gefaͤhrlichen Kranckheit nach denckt/ ſiehe da/ ſo ſtehet deꝛ Schmied wiedeꝛ in der Werck- ſtadt/ und ſchmeiſt auff das Amboß zu/ gleich als haͤtte er die Zeit ſeines Lebens kein Fieber gehabt/ der Doctor verwundert ſich uͤber O v

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Bei der Ausgabe handelt es sich um die 2. Auflage… [mehr]

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/327
Zitationshilfe: Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672, S. 321. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/327>, abgerufen am 11.04.2021.