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Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672.

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chen/ gantz auf unverantwortliche Weise vor-
gezogen worden/ also daß andere Leute an mei-
ner Erudition zu zweiffeln anfangen/ da es
doch denen/ so mich examinirt, am besten wird
bekant seyn/ daß ich nicht in einer Frage die
geringste Satisfaction bin schuldig blieben.
Und dieses hab ich etliche mahl so hefftig ad a-
nimum revocirt,
daß ich gäntzlich beschlossen/
nicht einmahl anzuhalten; weil sie doch meine
Qualitäten wüsten: und bey vorfallenden Be-
dürfftniß mich leicht erlangen könten. Je-
dennoch solches hätte bey etlichen passionirten
Gemüthern/ dergleichen ich mehr als zu viel
wider mich habe/ vor eine Verachtung mö-
gen außgeleget werden/ gleich als hielte ich E.
F. Durchl. nicht so würdig/ daß sie ein unter-
thänigstes Supplicat von mir sehen solten. U-
ber diß hätte sich E. F. Durchl. einmahl ent-
schuldigen mögen/ als hätte ich mich nicht zu
rechter Zeit angegeben/ daß sie also bey dero
hochwichtigen Angelegenheiten meiner ver-
gessen. Drumb wil ich mein letztes Bitten
hier in optima forma ablegen. E. F. Durchl.
wolle gnädigst geruhen/ mir das verledigte
Pfarrdienst zu N N. vor andern zu gönnen/
und in gnädigster Versicherung zu leben/ daß
ich keine Stücke von meiner Erudition werde

un-


chen/ gantz auf unverantwortliche Weiſe vor-
gezogen worden/ alſo daß andere Leute an mei-
ner Erudition zu zweiffeln anfangen/ da es
doch denen/ ſo mich examinirt, am beſten wird
bekant ſeyn/ daß ich nicht in einer Frage die
geringſte Satisfaction bin ſchuldig blieben.
Und dieſes hab ich etliche mahl ſo hefftig ad a-
nimum revocirt,
daß ich gaͤntzlich beſchloſſen/
nicht einmahl anzuhalten; weil ſie doch meine
Qualitaͤten wuͤſten: und bey vorfallenden Be-
duͤrfftniß mich leicht erlangen koͤnten. Je-
dennoch ſolches haͤtte bey etlichen paſſionirten
Gemuͤthern/ dergleichen ich mehr als zu viel
wider mich habe/ vor eine Verachtung moͤ-
gen außgeleget werden/ gleich als hielte ich E.
F. Durchl. nicht ſo wuͤrdig/ daß ſie ein unter-
thaͤnigſtes Supplicat von mir ſehen ſolten. U-
ber diß haͤtte ſich E. F. Durchl. einmahl ent-
ſchuldigen moͤgen/ als haͤtte ich mich nicht zu
rechter Zeit angegeben/ daß ſie alſo bey dero
hochwichtigen Angelegenheiten meiner ver-
geſſen. Drumb wil ich mein letztes Bitten
hier in optimâ formâ ablegen. E. F. Durchl.
wolle gnaͤdigſt geruhen/ mir das verledigte
Pfarrdienſt zu N N. vor andern zu goͤnnen/
und in gnaͤdigſter Verſicherung zu leben/ daß
ich keine Stuͤcke von meiner Erudition werde

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[329/0335] chen/ gantz auf unverantwortliche Weiſe vor- gezogen worden/ alſo daß andere Leute an mei- ner Erudition zu zweiffeln anfangen/ da es doch denen/ ſo mich examinirt, am beſten wird bekant ſeyn/ daß ich nicht in einer Frage die geringſte Satisfaction bin ſchuldig blieben. Und dieſes hab ich etliche mahl ſo hefftig ad a- nimum revocirt, daß ich gaͤntzlich beſchloſſen/ nicht einmahl anzuhalten; weil ſie doch meine Qualitaͤten wuͤſten: und bey vorfallenden Be- duͤrfftniß mich leicht erlangen koͤnten. Je- dennoch ſolches haͤtte bey etlichen paſſionirten Gemuͤthern/ dergleichen ich mehr als zu viel wider mich habe/ vor eine Verachtung moͤ- gen außgeleget werden/ gleich als hielte ich E. F. Durchl. nicht ſo wuͤrdig/ daß ſie ein unter- thaͤnigſtes Supplicat von mir ſehen ſolten. U- ber diß haͤtte ſich E. F. Durchl. einmahl ent- ſchuldigen moͤgen/ als haͤtte ich mich nicht zu rechter Zeit angegeben/ daß ſie alſo bey dero hochwichtigen Angelegenheiten meiner ver- geſſen. Drumb wil ich mein letztes Bitten hier in optimâ formâ ablegen. E. F. Durchl. wolle gnaͤdigſt geruhen/ mir das verledigte Pfarrdienſt zu N N. vor andern zu goͤnnen/ und in gnaͤdigſter Verſicherung zu leben/ daß ich keine Stuͤcke von meiner Erudition werde un-

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Zitationshilfe: Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672, S. 329. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/335>, abgerufen am 12.04.2021.