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Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672.

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Wie sie denn von einem Dorffe zu dem an-
dern/ von einem Flecken und Städgen zu
dem andern zu reisen pflegten/ und sich bald
im Gebürge bald auff der Ebene eine neue
Lustigkeit erweckten. Einsmahls kehrten
sie in ein Wirthshaus ein/ da Gelanor o-
ben auff dem Gange die Melancholischen
Grillen vertreiben und außspatziren wolte/ un-
terdessen hatten die Diener mit dem Mahler
unten im Hofe ein Gespräch/ warumb mit
der Heim-Reise so lang verzogen würde. Ei-
ner meinte diß/ der ander was anders. End-
lich als der Mahler vorgab/ es wanre umb die
drey grösten Narren zu thun/ da fieng ein
Diener an: Das sind Händel/ hätten
sie mich gefraget/ ich wolte ihnen längst auß
dem Traume geholffen haben. Der Mah-
ler wolte gern was neues hören/ und bat
den Diener/ er möchte ihm doch die sonderli-
chen Sachen vertrauen/ dieser wolte nicht
mit herauß/ endlich ließ er sich überbitten/
und sagte/ es sind drey grosse Narren in der
Welt. Der Thürmer oder der Haußmann
bläst den Tag ab/ und er kömmt von sich sel-
ber. Der Stundenrüffer bläst in ein kalt
Loch/ und er könte wohl in ein warmes bla-
sen. Hier ließ er sein Messer fallen/ und stellte

sich/


Wie ſie denn von einem Dorffe zu dem an-
dern/ von einem Flecken und Staͤdgen zu
dem andern zu reiſen pflegten/ und ſich bald
im Gebuͤrge bald auff der Ebene eine neue
Luſtigkeit erweckten. Einsmahls kehrten
ſie in ein Wirthshaus ein/ da Gelanor o-
ben auff dem Gange die Melancholiſchen
Grillen vertreiben und außſpatziꝛen wolte/ un-
terdeſſen hatten die Diener mit dem Mahler
unten im Hofe ein Geſpraͤch/ warumb mit
der Heim-Reiſe ſo lang verzogen wuͤrde. Ei-
ner meinte diß/ der ander was anders. End-
lich als der Mahler vorgab/ es wāre umb die
drey groͤſten Narren zu thun/ da fieng ein
Diener an: Das ſind Haͤndel/ haͤtten
ſie mich gefraget/ ich wolte ihnen laͤngſt auß
dem Traume geholffen haben. Der Mah-
ler wolte gern was neues hoͤren/ und bat
den Diener/ er moͤchte ihm doch die ſonderli-
chen Sachen vertrauen/ dieſer wolte nicht
mit herauß/ endlich ließ er ſich uͤberbitten/
und ſagte/ es ſind drey groſſe Narren in der
Welt. Der Thuͤrmer oder der Haußmann
blaͤſt den Tag ab/ und er koͤmmt von ſich ſel-
ber. Der Stundenruͤffer blaͤſt in ein kalt
Loch/ und er koͤnte wohl in ein warmes bla-
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[386/0392] Wie ſie denn von einem Dorffe zu dem an- dern/ von einem Flecken und Staͤdgen zu dem andern zu reiſen pflegten/ und ſich bald im Gebuͤrge bald auff der Ebene eine neue Luſtigkeit erweckten. Einsmahls kehrten ſie in ein Wirthshaus ein/ da Gelanor o- ben auff dem Gange die Melancholiſchen Grillen vertreiben und außſpatziꝛen wolte/ un- terdeſſen hatten die Diener mit dem Mahler unten im Hofe ein Geſpraͤch/ warumb mit der Heim-Reiſe ſo lang verzogen wuͤrde. Ei- ner meinte diß/ der ander was anders. End- lich als der Mahler vorgab/ es wāre umb die drey groͤſten Narren zu thun/ da fieng ein Diener an: Das ſind Haͤndel/ haͤtten ſie mich gefraget/ ich wolte ihnen laͤngſt auß dem Traume geholffen haben. Der Mah- ler wolte gern was neues hoͤren/ und bat den Diener/ er moͤchte ihm doch die ſonderli- chen Sachen vertrauen/ dieſer wolte nicht mit herauß/ endlich ließ er ſich uͤberbitten/ und ſagte/ es ſind drey groſſe Narren in der Welt. Der Thuͤrmer oder der Haußmann blaͤſt den Tag ab/ und er koͤmmt von ſich ſel- ber. Der Stundenruͤffer blaͤſt in ein kalt Loch/ und er koͤnte wohl in ein warmes bla- ſen. Hier ließ er ſein Meſſer fallen/ und ſtellte ſich/

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Zitationshilfe: Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672, S. 386. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/392>, abgerufen am 08.05.2021.