Herzen und zu meinem Vermögen: sie gebot mit Einem Winke, und beides mein Herz und meine kleinen Schätze thaten sich für sie auf --
"Und da sich die kleinen Schätze nicht mehr "aufthun konnten, jagte dich die englische "Akante zum Teufel?
Nie hätte ich geglaubt -- eine so unschuldige ungekünstelte Aufrichtigkeit, eine so naife Of- fenheit, muntre lebhafte Gefälligkeit, so lie- benswürdige Sitten, so ein zartes Gefühl, das jedes Lüftchen bewegte, zu jeder Empfin- dung gestimmt, so sanfte Minen, ein Ge- spräch mit den lieblichsten Wohlgerüchen des Witzes und moralischer Güte umduftet -- setze daraus ein Bild zusammen und denke --
"-- daß es eine Larve ist! Das hätte ich "dir zum voraus sagen wollen. Armer Bel- "phegor! -- Bist du mit deinem Gelde ganz "auf dem Boden?"
So geldarm als in Mutterleibe! Jch kaufte ihr Vergnügen über Vergnügen -- kleine unschuldige Vergnügen; daß sie ihr Genuß ergözte, war mein Dank. Jn den seligsten
Herzen und zu meinem Vermoͤgen: ſie gebot mit Einem Winke, und beides mein Herz und meine kleinen Schaͤtze thaten ſich fuͤr ſie auf —
„Und da ſich die kleinen Schaͤtze nicht mehr „aufthun konnten, jagte dich die engliſche „Akante zum Teufel?
Nie haͤtte ich geglaubt — eine ſo unſchuldige ungekuͤnſtelte Aufrichtigkeit, eine ſo naife Of- fenheit, muntre lebhafte Gefaͤlligkeit, ſo lie- benswuͤrdige Sitten, ſo ein zartes Gefuͤhl, das jedes Luͤftchen bewegte, zu jeder Empfin- dung geſtimmt, ſo ſanfte Minen, ein Ge- ſpraͤch mit den lieblichſten Wohlgeruͤchen des Witzes und moraliſcher Guͤte umduftet — ſetze daraus ein Bild zuſammen und denke —
„— daß es eine Larve iſt! Das haͤtte ich „dir zum voraus ſagen wollen. Armer Bel- „phegor! — Biſt du mit deinem Gelde ganz „auf dem Boden?‟
So geldarm als in Mutterleibe! Jch kaufte ihr Vergnuͤgen uͤber Vergnuͤgen — kleine unſchuldige Vergnuͤgen; daß ſie ihr Genuß ergoͤzte, war mein Dank. Jn den ſeligſten
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Herzen und zu meinem Vermoͤgen: ſie gebot
mit Einem Winke, und beides mein Herz und
meine kleinen Schaͤtze thaten ſich fuͤr ſie
auf —
„Und da ſich die kleinen Schaͤtze nicht mehr
„aufthun konnten, jagte dich die engliſche
„Akante zum Teufel?
Nie haͤtte ich geglaubt — eine ſo unſchuldige
ungekuͤnſtelte Aufrichtigkeit, eine ſo naife Of-
fenheit, muntre lebhafte Gefaͤlligkeit, ſo lie-
benswuͤrdige Sitten, ſo ein zartes Gefuͤhl,
das jedes Luͤftchen bewegte, zu jeder Empfin-
dung geſtimmt, ſo ſanfte Minen, ein Ge-
ſpraͤch mit den lieblichſten Wohlgeruͤchen des
Witzes und moraliſcher Guͤte umduftet —
ſetze daraus ein Bild zuſammen und denke —
„— daß es eine Larve iſt! Das haͤtte ich
„dir zum voraus ſagen wollen. Armer Bel-
„phegor! — Biſt du mit deinem Gelde ganz
„auf dem Boden?‟
So geldarm als in Mutterleibe! Jch kaufte
ihr Vergnuͤgen uͤber Vergnuͤgen — kleine
unſchuldige Vergnuͤgen; daß ſie ihr Genuß
ergoͤzte, war mein Dank. Jn den ſeligſten
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Wezel, Johann Carl: Belphegor, oder die wahrscheinlichste Geschichte unter der Sonne. Bd. 1. Leipzig, 1776, S. 10. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/wezel_belphegor01_1776/30>, abgerufen am 15.09.2024.
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