Landes hatte einen Einfall in dasselbe gethan und viertausend Stück Schafe, die es mehr ernährte als das seinige, aufspeisen lassen: bey der Gelegenheit hatte man statt des Freu- denfeuers über erlangten Sieg ein Dutzend Dörfer angezündet.
Belphegor fand einen von den Kriegsmän- nern, die bey diesem Treffen sich Heldenlor- bern erfochten hatten, an einem kleinen Ba- che, wo er sich seine Wunden wusch. Er sezte sich zu ihm und machte ihm ein sehr red- nerisches Bild von der Verwüstung und dem Elende, das er unterwegs angetroffen hatte, das der andre mit einem stolzen Lächeln an- hörte. -- Ja, heute sind wir brav gewesen, sprach er und strich den Bart. -- Aber um des Himmels willen, rief Belphegor vor Hitze zitternd, wer gab Euch denn das Recht, so viele Leute unglücklich zu machen? --
Der Krieg! brüllte der Soldat.
"Und wer gab Euch denn das Recht zum "Kriege? --
Die Leute leben hier zu Lande, wie im Pa- radiese, schwelgen und schmausen. Wir ha-
C 3
Landes hatte einen Einfall in daſſelbe gethan und viertauſend Stuͤck Schafe, die es mehr ernaͤhrte als das ſeinige, aufſpeiſen laſſen: bey der Gelegenheit hatte man ſtatt des Freu- denfeuers uͤber erlangten Sieg ein Dutzend Doͤrfer angezuͤndet.
Belphegor fand einen von den Kriegsmaͤn- nern, die bey dieſem Treffen ſich Heldenlor- bern erfochten hatten, an einem kleinen Ba- che, wo er ſich ſeine Wunden wuſch. Er ſezte ſich zu ihm und machte ihm ein ſehr red- neriſches Bild von der Verwuͤſtung und dem Elende, das er unterwegs angetroffen hatte, das der andre mit einem ſtolzen Laͤcheln an- hoͤrte. — Ja, heute ſind wir brav geweſen, ſprach er und ſtrich den Bart. — Aber um des Himmels willen, rief Belphegor vor Hitze zitternd, wer gab Euch denn das Recht, ſo viele Leute ungluͤcklich zu machen? —
Der Krieg! bruͤllte der Soldat.
„Und wer gab Euch denn das Recht zum „Kriege? —
Die Leute leben hier zu Lande, wie im Pa- radieſe, ſchwelgen und ſchmauſen. Wir ha-
C 3
<TEI><text><body><divn="1"><p><pbfacs="#f0057"n="37"/>
Landes hatte einen Einfall in daſſelbe gethan<lb/>
und viertauſend Stuͤck Schafe, die es mehr<lb/>
ernaͤhrte als das ſeinige, aufſpeiſen laſſen:<lb/>
bey der Gelegenheit hatte man ſtatt des Freu-<lb/>
denfeuers uͤber erlangten Sieg ein Dutzend<lb/>
Doͤrfer angezuͤndet.</p><lb/><p>Belphegor fand einen von den Kriegsmaͤn-<lb/>
nern, die bey dieſem Treffen ſich Heldenlor-<lb/>
bern erfochten hatten, an einem kleinen Ba-<lb/>
che, wo er ſich ſeine Wunden wuſch. Er<lb/>ſezte ſich zu ihm und machte ihm ein ſehr red-<lb/>
neriſches Bild von der Verwuͤſtung und dem<lb/>
Elende, das er unterwegs angetroffen hatte,<lb/>
das der andre mit einem ſtolzen Laͤcheln an-<lb/>
hoͤrte. — Ja, heute ſind wir brav geweſen,<lb/>ſprach er und ſtrich den Bart. — Aber um<lb/>
des Himmels willen, rief Belphegor vor Hitze<lb/>
zitternd, wer gab Euch denn das Recht, ſo<lb/>
viele Leute ungluͤcklich zu machen? —</p><lb/><p>Der Krieg! bruͤllte der Soldat.</p><lb/><p>„Und wer gab Euch denn das Recht zum<lb/>„Kriege? —</p><lb/><p>Die Leute leben hier zu Lande, wie im Pa-<lb/>
radieſe, ſchwelgen und ſchmauſen. Wir ha-<lb/><fwplace="bottom"type="sig">C 3</fw><lb/></p></div></body></text></TEI>
[37/0057]
Landes hatte einen Einfall in daſſelbe gethan
und viertauſend Stuͤck Schafe, die es mehr
ernaͤhrte als das ſeinige, aufſpeiſen laſſen:
bey der Gelegenheit hatte man ſtatt des Freu-
denfeuers uͤber erlangten Sieg ein Dutzend
Doͤrfer angezuͤndet.
Belphegor fand einen von den Kriegsmaͤn-
nern, die bey dieſem Treffen ſich Heldenlor-
bern erfochten hatten, an einem kleinen Ba-
che, wo er ſich ſeine Wunden wuſch. Er
ſezte ſich zu ihm und machte ihm ein ſehr red-
neriſches Bild von der Verwuͤſtung und dem
Elende, das er unterwegs angetroffen hatte,
das der andre mit einem ſtolzen Laͤcheln an-
hoͤrte. — Ja, heute ſind wir brav geweſen,
ſprach er und ſtrich den Bart. — Aber um
des Himmels willen, rief Belphegor vor Hitze
zitternd, wer gab Euch denn das Recht, ſo
viele Leute ungluͤcklich zu machen? —
Der Krieg! bruͤllte der Soldat.
„Und wer gab Euch denn das Recht zum
„Kriege? —
Die Leute leben hier zu Lande, wie im Pa-
radieſe, ſchwelgen und ſchmauſen. Wir ha-
C 3
Informationen zur CAB-Ansicht
Diese Ansicht bietet Ihnen die Darstellung des Textes in normalisierter Orthographie.
Diese Textvariante wird vollautomatisch erstellt und kann aufgrund dessen auch Fehler enthalten.
Alle veränderten Wortformen sind grau hinterlegt. Als fremdsprachliches Material erkannte
Textteile sind ausgegraut dargestellt.
Wezel, Johann Carl: Belphegor, oder die wahrscheinlichste Geschichte unter der Sonne. Bd. 1. Leipzig, 1776, S. 37. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/wezel_belphegor01_1776/57>, abgerufen am 15.09.2024.
Alle Inhalte dieser Seite unterstehen, soweit nicht anders gekennzeichnet, einer
Creative-Commons-Lizenz.
Die Rechte an den angezeigten Bilddigitalisaten, soweit nicht anders gekennzeichnet, liegen bei den besitzenden Bibliotheken.
Weitere Informationen finden Sie in den DTA-Nutzungsbedingungen.
Insbesondere im Hinblick auf die §§ 86a StGB und 130 StGB wird festgestellt, dass die auf
diesen Seiten abgebildeten Inhalte weder in irgendeiner Form propagandistischen Zwecken
dienen, oder Werbung für verbotene Organisationen oder Vereinigungen darstellen, oder
nationalsozialistische Verbrechen leugnen oder verharmlosen, noch zum Zwecke der
Herabwürdigung der Menschenwürde gezeigt werden.
Die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte (in Wort und Bild) dienen im Sinne des
§ 86 StGB Abs. 3 ausschließlich historischen, sozial- oder kulturwissenschaftlichen
Forschungszwecken. Ihre Veröffentlichung erfolgt in der Absicht, Wissen zur Anregung
der intellektuellen Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Staatsbürgers zu
vermitteln und damit der Förderung seiner Mündigkeit zu dienen.
Zitierempfehlung: Deutsches Textarchiv. Grundlage für ein Referenzkorpus der neuhochdeutschen Sprache. Herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 2024. URL: https://www.deutschestextarchiv.de/.