Brüderchen, iß und trink heute noch! Morgen ists vorbey; morgen muß ich fort, sprach er. --
Morgen fort! warum das? --
Die Leute sind böse darauf, daß mir mein Apfelwein so gut schmeckt. Du weißt, Brü- derchen, daß Bauernkrieg ist --
Ja, leider weis ichs! unterbrach ihn sein Gast mit einem tiefen Seufzer. Ja, Freund, der unglückliche Belphegor --
Was? Bist du Belphegor, Brüderchen? der Belphegor, der dem Richter die weiße Knotenperücke schüttelte? -- Du bist ein braves Kerlchen! Der brave Belphegor soll leben! -- und dabey that er eineu herzhaf- ten Schluck. -- Siehst du, Brüderchen? die Bauern haben Unrecht behalten, das weißt du! Jch bin einer von ihren Pfarrern; mor- gen muß ich fort. --
Aber was hat denn der Pfarrer mit dem Baurenkriege zu schaffen? --
Je, Närrchen, ich habe ein Wörtchen fallen lassen -- nicht viel! gar nicht viel!
Bruͤderchen, iß und trink heute noch! Morgen iſts vorbey; morgen muß ich fort, ſprach er. —
Morgen fort! warum das? —
Die Leute ſind boͤſe darauf, daß mir mein Apfelwein ſo gut ſchmeckt. Du weißt, Bruͤ- derchen, daß Bauernkrieg iſt —
Ja, leider weis ichs! unterbrach ihn ſein Gaſt mit einem tiefen Seufzer. Ja, Freund, der ungluͤckliche Belphegor —
Was? Biſt du Belphegor, Bruͤderchen? der Belphegor, der dem Richter die weiße Knotenperuͤcke ſchuͤttelte? — Du biſt ein braves Kerlchen! Der brave Belphegor ſoll leben! — und dabey that er eineu herzhaf- ten Schluck. — Siehſt du, Bruͤderchen? die Bauern haben Unrecht behalten, das weißt du! Jch bin einer von ihren Pfarrern; mor- gen muß ich fort. —
Aber was hat denn der Pfarrer mit dem Baurenkriege zu ſchaffen? —
Je, Naͤrrchen, ich habe ein Woͤrtchen fallen laſſen — nicht viel! gar nicht viel!
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Bruͤderchen, iß und trink heute noch!
Morgen iſts vorbey; morgen muß ich fort,
ſprach er. —
Morgen fort! warum das? —
Die Leute ſind boͤſe darauf, daß mir mein
Apfelwein ſo gut ſchmeckt. Du weißt, Bruͤ-
derchen, daß Bauernkrieg iſt —
Ja, leider weis ichs! unterbrach ihn ſein
Gaſt mit einem tiefen Seufzer. Ja, Freund,
der ungluͤckliche Belphegor —
Was? Biſt du Belphegor, Bruͤderchen?
der Belphegor, der dem Richter die weiße
Knotenperuͤcke ſchuͤttelte? — Du biſt ein
braves Kerlchen! Der brave Belphegor ſoll
leben! — und dabey that er eineu herzhaf-
ten Schluck. — Siehſt du, Bruͤderchen? die
Bauern haben Unrecht behalten, das weißt
du! Jch bin einer von ihren Pfarrern; mor-
gen muß ich fort. —
Aber was hat denn der Pfarrer mit dem
Baurenkriege zu ſchaffen? —
Je, Naͤrrchen, ich habe ein Woͤrtchen
fallen laſſen — nicht viel! gar nicht viel!
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Wezel, Johann Carl: Belphegor, oder die wahrscheinlichste Geschichte unter der Sonne. Bd. 1. Leipzig, 1776, S. 58. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/wezel_belphegor01_1776/78>, abgerufen am 15.09.2024.
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