darüber sind sie böse geworden; und weil sie denken, sie könnens, so plagen sie mich so lange, bis ich fortgehe. Meine Kinder sind versorgt; mein Apfelwein ist diesen Abend alle; und morgen geht die Reise fort. Die Vorsicht ist überall. Meine Frau ist vor Kummer gestorben -- Hier hielt er schluch- zend inne: sogleich heiterte sich sein Gesicht wieder auf: aber die Vorsicht lebt noch, sezte er ruhig hinzu. -- Es war eine herzensgute Frau -- er weinte -- gar ein goldnes Weib- chen -- er weinte noch mehr. -- Da, Brü- derchen! fuhr er auf einmal auf, indem die Thränen noch über sein erheitertes Gesicht herabliefen -- da Brüderchen! Jhr Anden- ken! -- und brachte ihm den Krug zu. --
Ach Akante! du grausame Akante! rief Bel- phegor, indem er den Krug dem Munde näherte.
Brüderchen, ist das deine Frau? rief Me- dardus. --
Nein! aber -- kennst du das grausame Felsenherz? --
"O, Närrchen, mehr als zu wohl! Jch ha- "be als Jesuiterschüler dreyhundert wohlschme- "ckende Hiebe um ihrentwillen bekommen --
daruͤber ſind ſie boͤſe geworden; und weil ſie denken, ſie koͤnnens, ſo plagen ſie mich ſo lange, bis ich fortgehe. Meine Kinder ſind verſorgt; mein Apfelwein iſt dieſen Abend alle; und morgen geht die Reiſe fort. Die Vorſicht iſt uͤberall. Meine Frau iſt vor Kummer geſtorben — Hier hielt er ſchluch- zend inne: ſogleich heiterte ſich ſein Geſicht wieder auf: aber die Vorſicht lebt noch, ſezte er ruhig hinzu. — Es war eine herzensgute Frau — er weinte — gar ein goldnes Weib- chen — er weinte noch mehr. — Da, Bruͤ- derchen! fuhr er auf einmal auf, indem die Thraͤnen noch uͤber ſein erheitertes Geſicht herabliefen — da Bruͤderchen! Jhr Anden- ken! — und brachte ihm den Krug zu. —
Ach Akante! du grauſame Akante! rief Bel- phegor, indem er den Krug dem Munde naͤherte.
Bruͤderchen, iſt das deine Frau? rief Me- dardus. —
Nein! aber — kennſt du das grauſame Felſenherz? —
„O, Naͤrrchen, mehr als zu wohl! Jch ha- „be als Jeſuiterſchuͤler dreyhundert wohlſchme- „ckende Hiebe um ihrentwillen bekommen —
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daruͤber ſind ſie boͤſe geworden; und weil ſie
denken, ſie koͤnnens, ſo plagen ſie mich ſo
lange, bis ich fortgehe. Meine Kinder ſind
verſorgt; mein Apfelwein iſt dieſen Abend
alle; und morgen geht die Reiſe fort. Die
Vorſicht iſt uͤberall. Meine Frau iſt vor
Kummer geſtorben — Hier hielt er ſchluch-
zend inne: ſogleich heiterte ſich ſein Geſicht
wieder auf: aber die Vorſicht lebt noch, ſezte
er ruhig hinzu. — Es war eine herzensgute
Frau — er weinte — gar ein goldnes Weib-
chen — er weinte noch mehr. — Da, Bruͤ-
derchen! fuhr er auf einmal auf, indem die
Thraͤnen noch uͤber ſein erheitertes Geſicht
herabliefen — da Bruͤderchen! Jhr Anden-
ken! — und brachte ihm den Krug zu. —
Ach Akante! du grauſame Akante! rief Bel-
phegor, indem er den Krug dem Munde naͤherte.
Bruͤderchen, iſt das deine Frau? rief Me-
dardus. —
Nein! aber — kennſt du das grauſame
Felſenherz? —
„O, Naͤrrchen, mehr als zu wohl! Jch ha-
„be als Jeſuiterſchuͤler dreyhundert wohlſchme-
„ckende Hiebe um ihrentwillen bekommen —
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Wezel, Johann Carl: Belphegor, oder die wahrscheinlichste Geschichte unter der Sonne. Bd. 1. Leipzig, 1776, S. 59. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/wezel_belphegor01_1776/79>, abgerufen am 15.09.2024.
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