sich eine zur Gesundheit dienliche Bewe- gung machet (§. 394). Den übrigen Nu- tzen der Spiele in Beurtheilung der Wahrscheinlichkeit und im Nachdencken hat die Academie der Wissenschafft zu be- sorgen und davon zum gemeinenGebrauche nöthigen Unterricht zu ertheilen (§. 300). Man siehet aber leicht, daß zu dem Ende für allen Dingen ausführliche Beschrei- bungen der Spiele erfordert werden, wozu ein Vermögen nöthig ist eine Sache deut- lich zu begreiffen und, nachdem man es be- griffen, andern zu erklären. Ja die Aca- demie der Wissenschafften könte auch sel- ber entweder Spiele erfinden, oder die be- reits erfundenen dahin einrichten, daß sie zu gewissen nöthigen Fällen im menschli- chen Leben diejenigen zubereiteten, welche sie treiben. Zu diesen Erfindungen ist nicht allein nöthig, daß man die bey einer gewissen Lebens-Art sich ereignenden Fäl- le vollständig begreiffet, und also scharffsin- nigist (§. 850. Met.), sondern auch zugleich viel Witz hat (§. 366. Met.).
§. 396.
Armuth ist nicht allein höchst-be-Wie Ar- muth ab- zuwen- den. schwerlich für diejenigen, welche sie drü- cket, sondern auch denen eine grosse Last, welche sie sollen übertragen helffen: wel- ches alles aus der Erfahrung so bekand ist, daß ich es für unnöthig achte hier umb- ständlich auszuführen. Da man nun im
ge-
B b 5
des gemeinen Weſens.
ſich eine zur Geſundheit dienliche Bewe- gung machet (§. 394). Den uͤbrigen Nu- tzen der Spiele in Beurtheilung der Wahrſcheinlichkeit und im Nachdencken hat die Academie der Wiſſenſchafft zu be- ſorgen und davon zum gemeinen⃒Gebrauche noͤthigen Unterricht zu ertheilen (§. 300). Man ſiehet aber leicht, daß zu dem Ende fuͤr allen Dingen ausfuͤhrliche Beſchrei- bungen der Spiele erfordert werden, wozu ein Vermoͤgen noͤthig iſt eine Sache deut- lich zu begreiffen und, nachdem man es be- griffen, andern zu erklaͤren. Ja die Aca- demie der Wiſſenſchafften koͤnte auch ſel- ber entweder Spiele erfinden, oder die be- reits erfundenen dahin einrichten, daß ſie zu gewiſſen noͤthigen Faͤllen im menſchli- chen Leben diejenigen zubereiteten, welche ſie treiben. Zu dieſen Erfindungen iſt nicht allein noͤthig, daß man die bey einer gewiſſen Lebens-Art ſich ereignenden Faͤl- le vollſtaͤndig begreiffet, und alſo ſcharffſin- nigiſt (§. 850. Met.), ſondern auch zugleich viel Witz hat (§. 366. Met.).
§. 396.
Armuth iſt nicht allein hoͤchſt-be-Wie Ar- muth ab- zuwen- den. ſchwerlich fuͤr diejenigen, welche ſie druͤ- cket, ſondern auch denen eine groſſe Laſt, welche ſie ſollen uͤbertragen helffen: wel- ches alles aus der Erfahrung ſo bekand iſt, daß ich es fuͤr unnoͤthig achte hier umb- ſtaͤndlich auszufuͤhren. Da man nun im
ge-
B b 5
<TEI><text><body><divn="1"><divn="2"><divn="3"><divn="4"><p><pbfacs="#f0411"n="393"/><fwplace="top"type="header"><hirendition="#b">des gemeinen Weſens.</hi></fw><lb/>ſich eine zur Geſundheit dienliche Bewe-<lb/>
gung machet (§. 394). Den uͤbrigen Nu-<lb/>
tzen der Spiele in Beurtheilung der<lb/>
Wahrſcheinlichkeit und im Nachdencken<lb/>
hat die Academie der Wiſſenſchafft zu be-<lb/>ſorgen und davon zum gemeinen⃒Gebrauche<lb/>
noͤthigen Unterricht zu ertheilen (§. 300).<lb/>
Man ſiehet aber leicht, daß zu dem Ende<lb/>
fuͤr allen Dingen ausfuͤhrliche Beſchrei-<lb/>
bungen der Spiele erfordert werden, wozu<lb/>
ein Vermoͤgen noͤthig iſt eine Sache deut-<lb/>
lich zu begreiffen und, nachdem man es be-<lb/>
griffen, andern zu erklaͤren. Ja die Aca-<lb/>
demie der Wiſſenſchafften koͤnte auch ſel-<lb/>
ber entweder Spiele erfinden, oder die be-<lb/>
reits erfundenen dahin einrichten, daß ſie<lb/>
zu gewiſſen noͤthigen Faͤllen im menſchli-<lb/>
chen Leben diejenigen zubereiteten, welche<lb/>ſie treiben. Zu dieſen Erfindungen iſt<lb/>
nicht allein noͤthig, daß man die bey einer<lb/>
gewiſſen Lebens-Art ſich ereignenden Faͤl-<lb/>
le vollſtaͤndig begreiffet, und alſo ſcharffſin-<lb/>
nigiſt (§. 850. <hirendition="#aq">Met.</hi>), ſondern auch zugleich<lb/>
viel Witz hat (§. 366. <hirendition="#aq">Met.</hi>).</p></div><lb/><divn="4"><head>§. 396.</head><p>Armuth iſt nicht allein hoͤchſt-be-<noteplace="right">Wie Ar-<lb/>
muth ab-<lb/>
zuwen-<lb/>
den.</note><lb/>ſchwerlich fuͤr diejenigen, welche ſie druͤ-<lb/>
cket, ſondern auch denen eine groſſe Laſt,<lb/>
welche ſie ſollen uͤbertragen helffen: wel-<lb/>
ches alles aus der Erfahrung ſo bekand iſt,<lb/>
daß ich es fuͤr unnoͤthig achte hier umb-<lb/>ſtaͤndlich auszufuͤhren. Da man nun im<lb/><fwplace="bottom"type="sig">B b 5</fw><fwplace="bottom"type="catch">ge-</fw><lb/></p></div></div></div></div></body></text></TEI>
[393/0411]
des gemeinen Weſens.
ſich eine zur Geſundheit dienliche Bewe-
gung machet (§. 394). Den uͤbrigen Nu-
tzen der Spiele in Beurtheilung der
Wahrſcheinlichkeit und im Nachdencken
hat die Academie der Wiſſenſchafft zu be-
ſorgen und davon zum gemeinen⃒Gebrauche
noͤthigen Unterricht zu ertheilen (§. 300).
Man ſiehet aber leicht, daß zu dem Ende
fuͤr allen Dingen ausfuͤhrliche Beſchrei-
bungen der Spiele erfordert werden, wozu
ein Vermoͤgen noͤthig iſt eine Sache deut-
lich zu begreiffen und, nachdem man es be-
griffen, andern zu erklaͤren. Ja die Aca-
demie der Wiſſenſchafften koͤnte auch ſel-
ber entweder Spiele erfinden, oder die be-
reits erfundenen dahin einrichten, daß ſie
zu gewiſſen noͤthigen Faͤllen im menſchli-
chen Leben diejenigen zubereiteten, welche
ſie treiben. Zu dieſen Erfindungen iſt
nicht allein noͤthig, daß man die bey einer
gewiſſen Lebens-Art ſich ereignenden Faͤl-
le vollſtaͤndig begreiffet, und alſo ſcharffſin-
nigiſt (§. 850. Met.), ſondern auch zugleich
viel Witz hat (§. 366. Met.).
§. 396.Armuth iſt nicht allein hoͤchſt-be-
ſchwerlich fuͤr diejenigen, welche ſie druͤ-
cket, ſondern auch denen eine groſſe Laſt,
welche ſie ſollen uͤbertragen helffen: wel-
ches alles aus der Erfahrung ſo bekand iſt,
daß ich es fuͤr unnoͤthig achte hier umb-
ſtaͤndlich auszufuͤhren. Da man nun im
ge-
Wie Ar-
muth ab-
zuwen-
den.
B b 5
Informationen zur CAB-Ansicht
Diese Ansicht bietet Ihnen die Darstellung des Textes in normalisierter Orthographie.
Diese Textvariante wird vollautomatisch erstellt und kann aufgrund dessen auch Fehler enthalten.
Alle veränderten Wortformen sind grau hinterlegt. Als fremdsprachliches Material erkannte
Textteile sind ausgegraut dargestellt.
Wolff, Christian von: Vernünfftige Gedancken von dem Gesellschaftlichen Leben der Menschen. Halle (Saale), 1721, S. 393. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/wolff_gesellschaftlichesleben_1721/411>, abgerufen am 26.09.2024.
Alle Inhalte dieser Seite unterstehen, soweit nicht anders gekennzeichnet, einer
Creative-Commons-Lizenz.
Die Rechte an den angezeigten Bilddigitalisaten, soweit nicht anders gekennzeichnet, liegen bei den besitzenden Bibliotheken.
Weitere Informationen finden Sie in den DTA-Nutzungsbedingungen.
Insbesondere im Hinblick auf die §§ 86a StGB und 130 StGB wird festgestellt, dass die auf
diesen Seiten abgebildeten Inhalte weder in irgendeiner Form propagandistischen Zwecken
dienen, oder Werbung für verbotene Organisationen oder Vereinigungen darstellen, oder
nationalsozialistische Verbrechen leugnen oder verharmlosen, noch zum Zwecke der
Herabwürdigung der Menschenwürde gezeigt werden.
Die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte (in Wort und Bild) dienen im Sinne des
§ 86 StGB Abs. 3 ausschließlich historischen, sozial- oder kulturwissenschaftlichen
Forschungszwecken. Ihre Veröffentlichung erfolgt in der Absicht, Wissen zur Anregung
der intellektuellen Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Staatsbürgers zu
vermitteln und damit der Förderung seiner Mündigkeit zu dienen.
Zitierempfehlung: Deutsches Textarchiv. Grundlage für ein Referenzkorpus der neuhochdeutschen Sprache. Herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 2024. URL: https://www.deutschestextarchiv.de/.