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Wolff, Caspar Friedrich: Theorie von der Generation. Berlin, 1764.

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6. Kap. Von der Conception.
(§. 83.) folglich würde keine Conception nöthig
und auch nicht möglich gewesen seyn; oder viel-
mehr wir würden die alsdann auf die gewöhnliche
Weise fortgesetzte Vegetation keine Conception ge-
nennt haben. Also unterscheidet sich die Conception
von der gewöhnlichen Nutrition darin, daß das
Nutriment nicht durch die gewöhnliche Wege,
durch den ganzen Körper, und also von inwendig
zu dem Orte der Nutrition, und den Theilen, die
nutrirt werden sollen, sondern von außen, an die-
selbe unmittelbar gebracht wird. Wir können also
die Conception definiren, sie sey eine von außen
geschehene Nutrition,
wobey nemlich das Nu-
triment unmittelbar an die Theile, die nutrirt wer-
den sollen, gebracht wird. Dieses enthält zugleich
auch schon jene besondere Eigenschaft des Nutri-
mentes, daß es im höchsten Grade vollkommen
seyn müsse, denn wenn dieses nicht ist, so kann
dadurch keine solche unmittelbare Nutrition von
außen bewerkstelliget werden.

§. 94.

Eine Erinnerung wird man mir meiner Theo-
rie von der Conception wegen zu machen erlau-
ben. Buffon sagt, der männliche Saame sey
der überflüßige Theil der Nahrungssäfte, die
zur Nutrition aller Theile des Körpers bestimmt
gewesen wären; sie seyen aus allen diesen Thei-
len, als überflüßig, wiederum zurückgenom-
men, ins Blut gebracht, und von neuem in die
Saamenbläschen, oder in die Antheren der Pflan-
zen niedergelegt; sie haben aber nunmehro eben

da-

6. Kap. Von der Conception.
(§. 83.) folglich wuͤrde keine Conception noͤthig
und auch nicht moͤglich geweſen ſeyn; oder viel-
mehr wir wuͤrden die alsdann auf die gewoͤhnliche
Weiſe fortgeſetzte Vegetation keine Conception ge-
nennt haben. Alſo unterſcheidet ſich die Conception
von der gewoͤhnlichen Nutrition darin, daß das
Nutriment nicht durch die gewoͤhnliche Wege,
durch den ganzen Koͤrper, und alſo von inwendig
zu dem Orte der Nutrition, und den Theilen, die
nutrirt werden ſollen, ſondern von außen, an die-
ſelbe unmittelbar gebracht wird. Wir koͤnnen alſo
die Conception definiren, ſie ſey eine von außen
geſchehene Nutrition,
wobey nemlich das Nu-
triment unmittelbar an die Theile, die nutrirt wer-
den ſollen, gebracht wird. Dieſes enthaͤlt zugleich
auch ſchon jene beſondere Eigenſchaft des Nutri-
mentes, daß es im hoͤchſten Grade vollkommen
ſeyn muͤſſe, denn wenn dieſes nicht iſt, ſo kann
dadurch keine ſolche unmittelbare Nutrition von
außen bewerkſtelliget werden.

§. 94.

Eine Erinnerung wird man mir meiner Theo-
rie von der Conception wegen zu machen erlau-
ben. Buffon ſagt, der maͤnnliche Saame ſey
der uͤberfluͤßige Theil der Nahrungsſaͤfte, die
zur Nutrition aller Theile des Koͤrpers beſtimmt
geweſen waͤren; ſie ſeyen aus allen dieſen Thei-
len, als uͤberfluͤßig, wiederum zuruͤckgenom-
men, ins Blut gebracht, und von neuem in die
Saamenblaͤschen, oder in die Antheren der Pflan-
zen niedergelegt; ſie haben aber nunmehro eben

da-
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[250/0272] 6. Kap. Von der Conception. (§. 83.) folglich wuͤrde keine Conception noͤthig und auch nicht moͤglich geweſen ſeyn; oder viel- mehr wir wuͤrden die alsdann auf die gewoͤhnliche Weiſe fortgeſetzte Vegetation keine Conception ge- nennt haben. Alſo unterſcheidet ſich die Conception von der gewoͤhnlichen Nutrition darin, daß das Nutriment nicht durch die gewoͤhnliche Wege, durch den ganzen Koͤrper, und alſo von inwendig zu dem Orte der Nutrition, und den Theilen, die nutrirt werden ſollen, ſondern von außen, an die- ſelbe unmittelbar gebracht wird. Wir koͤnnen alſo die Conception definiren, ſie ſey eine von außen geſchehene Nutrition, wobey nemlich das Nu- triment unmittelbar an die Theile, die nutrirt wer- den ſollen, gebracht wird. Dieſes enthaͤlt zugleich auch ſchon jene beſondere Eigenſchaft des Nutri- mentes, daß es im hoͤchſten Grade vollkommen ſeyn muͤſſe, denn wenn dieſes nicht iſt, ſo kann dadurch keine ſolche unmittelbare Nutrition von außen bewerkſtelliget werden. §. 94. Eine Erinnerung wird man mir meiner Theo- rie von der Conception wegen zu machen erlau- ben. Buffon ſagt, der maͤnnliche Saame ſey der uͤberfluͤßige Theil der Nahrungsſaͤfte, die zur Nutrition aller Theile des Koͤrpers beſtimmt geweſen waͤren; ſie ſeyen aus allen dieſen Thei- len, als uͤberfluͤßig, wiederum zuruͤckgenom- men, ins Blut gebracht, und von neuem in die Saamenblaͤschen, oder in die Antheren der Pflan- zen niedergelegt; ſie haben aber nunmehro eben da-

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Zitationshilfe: Wolff, Caspar Friedrich: Theorie von der Generation. Berlin, 1764, S. 250. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/wolff_theorie_1764/272>, abgerufen am 21.04.2021.