Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Woyt, Johann Jacob: Gazophylacium Medico-Physicum, Oder Schatz-Kammer Medicinisch- und Natürlicher Dinge. 9. Aufl. Leipzig, 1737.

Bild:
<< vorherige Seite

MA
Hand voll, wird von Blättern und Blumen gesaget; (2) heist es misce,
mische oder vermische alles unter einander, was verschrieben worden.

Maceratio, die Beitzung, Einweichung, siehe Digestio und In-
fusio.

Machina, heist iedes grosses Chirurgisches Instrument, sonderlich
diejenigen, welche man zur Einrichtung der verrenckten Glieder gebrau-
chet. Jetzo wird von denen neuen Medicis der menschliche Leib nicht nur
einer Machin verglichen, sondern auch zur Machin gemacht, und also
genannt, deßwegen findet man offt in ihren Schrifften Machina humana
für den menschlichen Leib genommen.

Macis, Muscaten-Blüt, ist eigentlich keine Blüte, sondern die
mittlere Schale, welche die Muscaten wie ein Netz umgiebet; sollen An-
fangs gantz roth, nachmalen aber gold-gelbe werden, sind am Geschmack
viel schärffer und aromatischer als die Nüsse: die beste oder feine Macis
muß schön hoch an der Farbe seyn, und aus groß- und gantzen Blumen
bestehen: die kleinen sind zu meiden, sonderlich, wenn sie bleich sind, wel-
ches ein Zeichen, daß sie schon alt und ohne Kräffte sind. Hiervon hat
man das Oleum expressum, weil aber solches rar, muß man sich mit dem
guten Muscaten-Oel vergnügen lassen.

Macies, siehe Tabes.

Macrocephalus, Lateinisch Capito, einer, der einen übernatürlich
grossen Kopff hat, ein Groß-Kopff. Gewisse Völcker in Asicn sollen
meist durchgehends damit beladen, und daher auch Macrocephali genennet
worden seyn, wie Hippocrates hat angemercket.

Macrocosmus, die grosse Welt, oder das gantze Welt-Gebäude;
wird von allen andern, was nur in der Welt ist, und dieselbe machet,
ausser dem Menschen, gesaget und verstanden. Der Mensch aber wird
mit der Welt verglichen, und die kleine Welt, oder Microcosmus ge-
nennet, dahero einige zwischen beyden einen sonderlichen Consensum zu
seyn, statuiren.

Macula, ein Flecke, bedeutet eine Efflorescenz auf der Haut, welche
die Farbe des Häutleins verändert; solcher sind vor andern folgende in
Praxi merckwürdig, als:

Maculae hepaticae, Leber-Flecken, sind breite dunckel-braune Fle-
cken, sitzen ordinair auf dem Rücken, Brust, sehr selten, und zwar nur
bey einigen Schwangern, auf der Stirn. Die Ursach ist eine inspissirte
Zähigkeit des Bluts, welche von dem Schweiß auf die Haut getrieben

wird.

MA
Hand voll, wird von Blaͤttern und Blumen geſaget; (2) heiſt es miſce,
miſche oder vermiſche alles unter einander, was verſchrieben worden.

Maceratio, die Beitzung, Einweichung, ſiehe Digeſtio und In-
fuſio.

Machina, heiſt iedes groſſes Chirurgiſches Inſtrument, ſonderlich
diejenigen, welche man zur Einrichtung der verrenckten Glieder gebrau-
chet. Jetzo wird von denen neuen Medicis der menſchliche Leib nicht nur
einer Machin verglichen, ſondern auch zur Machin gemacht, und alſo
genannt, deßwegen findet man offt in ihren Schrifften Machina humana
fuͤr den menſchlichen Leib genommen.

Macis, Muſcaten-Bluͤt, iſt eigentlich keine Bluͤte, ſondern die
mittlere Schale, welche die Muſcaten wie ein Netz umgiebet; ſollen An-
fangs gantz roth, nachmalen aber gold-gelbe werden, ſind am Geſchmack
viel ſchaͤrffer und aromatiſcher als die Nuͤſſe: die beſte oder feine Macis
muß ſchoͤn hoch an der Farbe ſeyn, und aus groß- und gantzen Blumen
beſtehen: die kleinen ſind zu meiden, ſonderlich, wenn ſie bleich ſind, wel-
ches ein Zeichen, daß ſie ſchon alt und ohne Kraͤffte ſind. Hiervon hat
man das Oleum expreſſum, weil aber ſolches rar, muß man ſich mit dem
guten Muſcaten-Oel vergnuͤgen laſſen.

Macies, ſiehe Tabes.

Macrocephalus, Lateiniſch Capito, einer, der einen uͤbernatuͤrlich
groſſen Kopff hat, ein Groß-Kopff. Gewiſſe Voͤlcker in Aſicn ſollen
meiſt durchgehends damit beladen, und daher auch Macrocephali genennet
worden ſeyn, wie Hippocrates hat angemercket.

Macrocoſmus, die groſſe Welt, oder das gantze Welt-Gebaͤude;
wird von allen andern, was nur in der Welt iſt, und dieſelbe machet,
auſſer dem Menſchen, geſaget und verſtanden. Der Menſch aber wird
mit der Welt verglichen, und die kleine Welt, oder Microcoſmus ge-
nennet, dahero einige zwiſchen beyden einen ſonderlichen Conſenſum zu
ſeyn, ſtatuiren.

Macula, ein Flecke, bedeutet eine Effloreſcenz auf der Haut, welche
die Farbe des Haͤutleins veraͤndert; ſolcher ſind vor andern folgende in
Praxi merckwuͤrdig, als:

Maculæ hepaticæ, Leber-Flecken, ſind breite dunckel-braune Fle-
cken, ſitzen ordinair auf dem Ruͤcken, Bruſt, ſehr ſelten, und zwar nur
bey einigen Schwangern, auf der Stirn. Die Urſach iſt eine inſpiſſirte
Zaͤhigkeit des Bluts, welche von dem Schweiß auf die Haut getrieben

wird.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0542" n="530"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#aq"><hi rendition="#b"><hi rendition="#g">MA</hi></hi></hi></fw><lb/>
Hand voll, wird von Bla&#x0364;ttern und Blumen ge&#x017F;aget; (2) hei&#x017F;t es <hi rendition="#aq">mi&#x017F;ce,</hi><lb/>
mi&#x017F;che oder vermi&#x017F;che alles unter einander, was ver&#x017F;chrieben worden.</p><lb/>
          <p><hi rendition="#aq">Maceratio,</hi> die <hi rendition="#fr">Beitzung, Einweichung,</hi> &#x017F;iehe <hi rendition="#aq">Dige&#x017F;tio</hi> und <hi rendition="#aq">In-<lb/>
fu&#x017F;io.</hi></p><lb/>
          <p><hi rendition="#aq">Machina,</hi> hei&#x017F;t iedes gro&#x017F;&#x017F;es <hi rendition="#aq">Chirurgi</hi>&#x017F;ches <hi rendition="#aq">In&#x017F;trument,</hi> &#x017F;onderlich<lb/>
diejenigen, welche man zur Einrichtung der verrenckten Glieder gebrau-<lb/>
chet. Jetzo wird von denen neuen <hi rendition="#aq">Medicis</hi> der men&#x017F;chliche Leib nicht nur<lb/>
einer <hi rendition="#aq">Machin</hi> verglichen, &#x017F;ondern auch zur <hi rendition="#aq">Machin</hi> gemacht, und al&#x017F;o<lb/>
genannt, deßwegen findet man offt in ihren Schrifften <hi rendition="#aq">Machina humana</hi><lb/>
fu&#x0364;r den men&#x017F;chlichen Leib genommen.</p><lb/>
          <p><hi rendition="#aq">Macis,</hi><hi rendition="#fr">Mu&#x017F;caten-Blu&#x0364;t,</hi> i&#x017F;t eigentlich keine Blu&#x0364;te, &#x017F;ondern die<lb/>
mittlere Schale, welche die Mu&#x017F;caten wie ein Netz umgiebet; &#x017F;ollen An-<lb/>
fangs gantz roth, nachmalen aber gold-gelbe werden, &#x017F;ind am Ge&#x017F;chmack<lb/>
viel &#x017F;cha&#x0364;rffer und <hi rendition="#aq">aromati</hi>&#x017F;cher als die Nu&#x0364;&#x017F;&#x017F;e: die be&#x017F;te oder feine <hi rendition="#aq">Macis</hi><lb/>
muß &#x017F;cho&#x0364;n hoch an der Farbe &#x017F;eyn, und aus groß- und gantzen Blumen<lb/>
be&#x017F;tehen: die kleinen &#x017F;ind zu meiden, &#x017F;onderlich, wenn &#x017F;ie bleich &#x017F;ind, wel-<lb/>
ches ein Zeichen, daß &#x017F;ie &#x017F;chon alt und ohne Kra&#x0364;ffte &#x017F;ind. Hiervon hat<lb/>
man das <hi rendition="#aq">Oleum expre&#x017F;&#x017F;um,</hi> weil aber &#x017F;olches rar, muß man &#x017F;ich mit dem<lb/>
guten Mu&#x017F;caten-Oel vergnu&#x0364;gen la&#x017F;&#x017F;en.</p><lb/>
          <p><hi rendition="#aq">Macies,</hi> &#x017F;iehe <hi rendition="#aq">Tabes.</hi></p><lb/>
          <p><hi rendition="#aq">Macrocephalus,</hi> Lateini&#x017F;ch <hi rendition="#aq">Capito,</hi> einer, der einen u&#x0364;bernatu&#x0364;rlich<lb/>
gro&#x017F;&#x017F;en Kopff hat, ein <hi rendition="#fr">Groß-Kopff.</hi> Gewi&#x017F;&#x017F;e Vo&#x0364;lcker in A&#x017F;icn &#x017F;ollen<lb/>
mei&#x017F;t durchgehends damit beladen, und daher auch <hi rendition="#aq">Macrocephali</hi> genennet<lb/>
worden &#x017F;eyn, wie <hi rendition="#aq">Hippocrates</hi> hat angemercket.</p><lb/>
          <p><hi rendition="#aq">Macroco&#x017F;mus,</hi> die <hi rendition="#fr">gro&#x017F;&#x017F;e Welt,</hi> oder das gantze Welt-Geba&#x0364;ude;<lb/>
wird von allen andern, was nur in der Welt i&#x017F;t, und die&#x017F;elbe machet,<lb/>
au&#x017F;&#x017F;er dem Men&#x017F;chen, ge&#x017F;aget und ver&#x017F;tanden. Der Men&#x017F;ch aber wird<lb/>
mit der Welt verglichen, und die <hi rendition="#fr">kleine Welt,</hi> oder <hi rendition="#aq">Microco&#x017F;mus</hi> ge-<lb/>
nennet, dahero einige zwi&#x017F;chen beyden einen &#x017F;onderlichen <hi rendition="#aq">Con&#x017F;en&#x017F;um</hi> zu<lb/>
&#x017F;eyn, <hi rendition="#aq">&#x017F;tatui</hi>ren.</p><lb/>
          <p><hi rendition="#aq">Macula,</hi> ein <hi rendition="#fr">Flecke,</hi> bedeutet eine <hi rendition="#aq">Efflore&#x017F;cenz</hi> auf der Haut, welche<lb/>
die Farbe des Ha&#x0364;utleins vera&#x0364;ndert; &#x017F;olcher &#x017F;ind vor andern folgende in<lb/><hi rendition="#aq">Praxi</hi> merckwu&#x0364;rdig, als:</p><lb/>
          <p><hi rendition="#aq">Maculæ hepaticæ,</hi><hi rendition="#fr">Leber-Flecken,</hi> &#x017F;ind breite dunckel-braune Fle-<lb/>
cken, &#x017F;itzen <hi rendition="#aq">ordinair</hi> auf dem Ru&#x0364;cken, Bru&#x017F;t, &#x017F;ehr &#x017F;elten, und zwar nur<lb/>
bey einigen Schwangern, auf der Stirn. Die Ur&#x017F;ach i&#x017F;t eine <hi rendition="#aq">in&#x017F;pi&#x017F;&#x017F;i</hi>rte<lb/>
Za&#x0364;higkeit des Bluts, welche von dem Schweiß auf die Haut getrieben<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">wird.</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[530/0542] MA Hand voll, wird von Blaͤttern und Blumen geſaget; (2) heiſt es miſce, miſche oder vermiſche alles unter einander, was verſchrieben worden. Maceratio, die Beitzung, Einweichung, ſiehe Digeſtio und In- fuſio. Machina, heiſt iedes groſſes Chirurgiſches Inſtrument, ſonderlich diejenigen, welche man zur Einrichtung der verrenckten Glieder gebrau- chet. Jetzo wird von denen neuen Medicis der menſchliche Leib nicht nur einer Machin verglichen, ſondern auch zur Machin gemacht, und alſo genannt, deßwegen findet man offt in ihren Schrifften Machina humana fuͤr den menſchlichen Leib genommen. Macis, Muſcaten-Bluͤt, iſt eigentlich keine Bluͤte, ſondern die mittlere Schale, welche die Muſcaten wie ein Netz umgiebet; ſollen An- fangs gantz roth, nachmalen aber gold-gelbe werden, ſind am Geſchmack viel ſchaͤrffer und aromatiſcher als die Nuͤſſe: die beſte oder feine Macis muß ſchoͤn hoch an der Farbe ſeyn, und aus groß- und gantzen Blumen beſtehen: die kleinen ſind zu meiden, ſonderlich, wenn ſie bleich ſind, wel- ches ein Zeichen, daß ſie ſchon alt und ohne Kraͤffte ſind. Hiervon hat man das Oleum expreſſum, weil aber ſolches rar, muß man ſich mit dem guten Muſcaten-Oel vergnuͤgen laſſen. Macies, ſiehe Tabes. Macrocephalus, Lateiniſch Capito, einer, der einen uͤbernatuͤrlich groſſen Kopff hat, ein Groß-Kopff. Gewiſſe Voͤlcker in Aſicn ſollen meiſt durchgehends damit beladen, und daher auch Macrocephali genennet worden ſeyn, wie Hippocrates hat angemercket. Macrocoſmus, die groſſe Welt, oder das gantze Welt-Gebaͤude; wird von allen andern, was nur in der Welt iſt, und dieſelbe machet, auſſer dem Menſchen, geſaget und verſtanden. Der Menſch aber wird mit der Welt verglichen, und die kleine Welt, oder Microcoſmus ge- nennet, dahero einige zwiſchen beyden einen ſonderlichen Conſenſum zu ſeyn, ſtatuiren. Macula, ein Flecke, bedeutet eine Effloreſcenz auf der Haut, welche die Farbe des Haͤutleins veraͤndert; ſolcher ſind vor andern folgende in Praxi merckwuͤrdig, als: Maculæ hepaticæ, Leber-Flecken, ſind breite dunckel-braune Fle- cken, ſitzen ordinair auf dem Ruͤcken, Bruſt, ſehr ſelten, und zwar nur bey einigen Schwangern, auf der Stirn. Die Urſach iſt eine inſpiſſirte Zaͤhigkeit des Bluts, welche von dem Schweiß auf die Haut getrieben wird.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/woyt_gazophylacium_1737
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/woyt_gazophylacium_1737/542
Zitationshilfe: Woyt, Johann Jacob: Gazophylacium Medico-Physicum, Oder Schatz-Kammer Medicinisch- und Natürlicher Dinge. 9. Aufl. Leipzig, 1737, S. 530. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/woyt_gazophylacium_1737/542>, abgerufen am 13.07.2024.