Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Wülfer, Daniel: Das vertheidigte Gottes-geschick/ und vernichtete Heyden-Glück. Nürnberg, 1656.

Bild:
<< vorherige Seite
Das Neunte Capitel.
Erklärung.
Est Deus, est Justus. 2. Rationis murmu-
ra poenam (tace!
sollicitant. 3. Oculos comprime, crede.
DJe Sonne war zu Bett. Jch saß in meinem
Zimmer:
ein Liecht das muste mir an statt der Sonne seyn;
Die Nacht war mir nit Nacht beym hellen
Kertzen-Sche in. (jmmer
Doch war es Nacht in mir: Es quälte mich noch
der bösen Leute Glück. Jch dachte: Jener Bub/
der selten denkt an Gott/ ist herrlich und erhaben;
Gott gönnt ihm/ die er nur mißbrauchet/ seine
Gaben; (grub'.
und wär er arm/ er führ nit in die Höllen-
Ein andrer/ der sich stäts mit Arbeit und mit Beten
abmartert Nacht und Tag/ der fromm und Christ-
lich lebt: (begräbt/
es hilft ihn nichts/ die Noht ihn vor dem Tod
Gott läßt ihn/ wie er steckt/ in Kummer/ Sorg/
und Nöten. (seyn.
Jch sag/ es muß kein Gott/ kein Welt-Regierer
Was nutzet Frömmigkeit/ wann da ist kein Belohnen?
Was schadet/ Böses-thun/ bey Nachsehn und
verschonen? (ein.
I. Jst Gott/ ist Er gerecht/ stell' Er diß Unrecht
II. Als ich so dacht und saß/ da hört' ich etwas
schnurren. (verbrennt/
Jch sucht'; es war ein Schnak/ der sich am Liecht
dieweil er flog darein in dem es ihn geblendt.
Straks
Das Neunte Capitel.
Erklaͤrung.
Est Deus, est Juſtus. 2. Rationis murmu-
ra pœnam (tace!
ſollicitant. 3. Oculos comprime, crede.
DJe Sonne war zu Bett. Jch ſaß in meinem
Zimmer:
ein Liecht das muſte mir an ſtatt der Soñe ſeyn;
Die Nacht war mir nit Nacht beym hellen
Kertzen-Sche in. (jm̃er
Doch war es Nacht in mir: Es quaͤlte mich noch
der boͤſen Leute Gluͤck. Jch dachte: Jener Bub/
der ſelten denkt an Gott/ iſt herꝛlich und erhaben;
Gott goͤnnt ihm/ die er nur mißbrauchet/ ſeine
Gaben; (grub’.
und waͤr er arm/ er führ nit in die Hoͤllen-
Ein andrer/ der ſich ſtaͤts mit Arbeit und mit Betẽ
abmartert Nacht und Tag/ der from̃ und Chriſt-
lich lebt: (begraͤbt/
es hilft ihn nichts/ die Noht ihn vor dem Tod
Gott laͤßt ihn/ wie er ſteckt/ in Kummer/ Sorg/
und Noͤten. (ſeyn.
Jch ſag/ es muß kein Gott/ kein Welt-Regierer
Was nutzet Froͤm̃igkeit/ wann da iſt kein Belohnẽ?
Was ſchadet/ Boͤſes-thun/ bey Nachſehn und
verſchonen? (ein.
I. Jſt Gott/ iſt Er gerecht/ ſtell’ Er diß Unrecht
II. Als ich ſo dacht und ſaß/ da hoͤrt’ ich etwas
ſchnurꝛen. (verbrennt/
Jch ſucht’; es war ein Schnak/ der ſich am Liecht
dieweil er flog darein in dem es ihn geblendt.
Straks
<TEI>
  <text>
    <body>
      <pb facs="#f0305" n="231"/>
      <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#b">Das Neunte Capitel.</hi> </fw><lb/>
      <div n="1">
        <head> <hi rendition="#fr">Erkla&#x0364;rung.</hi><lb/> <hi rendition="#aq"> <hi rendition="#i">Est Deus, est Ju&#x017F;tus. 2. Rationis murmu-<lb/>
ra p&#x0153;nam (tace!<lb/>
&#x017F;ollicitant. 3. Oculos comprime, crede.</hi> </hi> </head><lb/>
        <lg type="poem">
          <l><hi rendition="#k"><hi rendition="#in">D</hi>Je</hi> Sonne war zu Bett. Jch &#x017F;aß in meinem</l><lb/>
          <l> <hi rendition="#et">Zimmer:</hi> </l><lb/>
          <l> <hi rendition="#et">ein Liecht das mu&#x017F;te mir an &#x017F;tatt der Son&#x0303;e &#x017F;eyn;</hi> </l><lb/>
          <l> <hi rendition="#et">Die Nacht war mir nit Nacht beym hellen</hi> </l><lb/>
          <l> <hi rendition="#et">Kertzen-Sche in. (jm&#x0303;er</hi> </l><lb/>
          <l>Doch war es Nacht in mir: Es qua&#x0364;lte mich noch</l><lb/>
          <l> <hi rendition="#et">der bo&#x0364;&#x017F;en Leute Glu&#x0364;ck. Jch dachte: Jener Bub/</hi> </l><lb/>
          <l>der &#x017F;elten denkt an Gott/ i&#x017F;t her&#xA75B;lich und erhaben;</l><lb/>
          <l>Gott go&#x0364;nnt ihm/ die er nur mißbrauchet/ &#x017F;eine</l><lb/>
          <l> <hi rendition="#et">Gaben; (grub&#x2019;.</hi> </l><lb/>
          <l> <hi rendition="#et">und wa&#x0364;r er arm/ er führ nit in die Ho&#x0364;llen-</hi> </l><lb/>
          <l>Ein andrer/ der &#x017F;ich &#x017F;ta&#x0364;ts mit Arbeit und mit Bete&#x0303;</l><lb/>
          <l> <hi rendition="#et">abmartert Nacht und Tag/ der from&#x0303; und Chri&#x017F;t-</hi> </l><lb/>
          <l> <hi rendition="#et">lich lebt: (begra&#x0364;bt/</hi> </l><lb/>
          <l> <hi rendition="#et">es hilft ihn nichts/ die Noht ihn vor dem Tod</hi> </l><lb/>
          <l>Gott la&#x0364;ßt ihn/ wie er &#x017F;teckt/ in Kummer/ Sorg/</l><lb/>
          <l> <hi rendition="#et">und No&#x0364;ten. (&#x017F;eyn.</hi> </l><lb/>
          <l> <hi rendition="#et">Jch &#x017F;ag/ es muß kein Gott/ kein Welt-Regierer</hi> </l><lb/>
          <l>Was nutzet Fro&#x0364;m&#x0303;igkeit/ wann da i&#x017F;t kein Belohne&#x0303;?</l><lb/>
          <l>Was &#x017F;chadet/ Bo&#x0364;&#x017F;es-thun/ bey Nach&#x017F;ehn und</l><lb/>
          <l> <hi rendition="#et">ver&#x017F;chonen? (ein.</hi> </l><lb/>
          <l> <hi rendition="#et"><hi rendition="#aq">I.</hi> J&#x017F;t Gott/ i&#x017F;t Er gerecht/ &#x017F;tell&#x2019; Er diß Unrecht</hi> </l><lb/>
          <l><hi rendition="#aq">II.</hi> Als ich &#x017F;o dacht und &#x017F;aß/ da ho&#x0364;rt&#x2019; ich etwas</l><lb/>
          <l> <hi rendition="#et">&#x017F;chnur&#xA75B;en. (verbrennt/</hi> </l><lb/>
          <l> <hi rendition="#et">Jch &#x017F;ucht&#x2019;; es war ein Schnak/ der &#x017F;ich am Liecht</hi> </l><lb/>
          <l> <hi rendition="#et">dieweil er flog darein in dem es ihn geblendt.</hi> </l><lb/>
          <fw place="bottom" type="catch">Straks</fw><lb/>
        </lg>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[231/0305] Das Neunte Capitel. Erklaͤrung. Est Deus, est Juſtus. 2. Rationis murmu- ra pœnam (tace! ſollicitant. 3. Oculos comprime, crede. DJe Sonne war zu Bett. Jch ſaß in meinem Zimmer: ein Liecht das muſte mir an ſtatt der Soñe ſeyn; Die Nacht war mir nit Nacht beym hellen Kertzen-Sche in. (jm̃er Doch war es Nacht in mir: Es quaͤlte mich noch der boͤſen Leute Gluͤck. Jch dachte: Jener Bub/ der ſelten denkt an Gott/ iſt herꝛlich und erhaben; Gott goͤnnt ihm/ die er nur mißbrauchet/ ſeine Gaben; (grub’. und waͤr er arm/ er führ nit in die Hoͤllen- Ein andrer/ der ſich ſtaͤts mit Arbeit und mit Betẽ abmartert Nacht und Tag/ der from̃ und Chriſt- lich lebt: (begraͤbt/ es hilft ihn nichts/ die Noht ihn vor dem Tod Gott laͤßt ihn/ wie er ſteckt/ in Kummer/ Sorg/ und Noͤten. (ſeyn. Jch ſag/ es muß kein Gott/ kein Welt-Regierer Was nutzet Froͤm̃igkeit/ wann da iſt kein Belohnẽ? Was ſchadet/ Boͤſes-thun/ bey Nachſehn und verſchonen? (ein. I. Jſt Gott/ iſt Er gerecht/ ſtell’ Er diß Unrecht II. Als ich ſo dacht und ſaß/ da hoͤrt’ ich etwas ſchnurꝛen. (verbrennt/ Jch ſucht’; es war ein Schnak/ der ſich am Liecht dieweil er flog darein in dem es ihn geblendt. Straks

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/wuelffer_gottesgeschick_1656
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/wuelffer_gottesgeschick_1656/305
Zitationshilfe: Wülfer, Daniel: Das vertheidigte Gottes-geschick/ und vernichtete Heyden-Glück. Nürnberg, 1656, S. 231. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/wuelffer_gottesgeschick_1656/305>, abgerufen am 11.04.2021.