Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Zeiller, Martin: Centuria Variarum Quæstionum. Bd. 1. Ulm, 1658.

Bild:
<< vorherige Seite

Die XLV. Frag.
solt nicht hinauff ziehen/ sondern komm von hinden
zu ihnen/ daß du an sie kommest gegen den Maul-
beerbäumen. Allein muß man zusehen/ daß nicht
unter solchem Schein/ Trew und Glaub/ so son-
derbar und auffrecht/ beederseits auffgerichtet wor-
den/ gebrochen werde/ und eine Verrähterey vorge-
he. Sihe Lipsium lib. 5. polit. c. 17. Joan. Ger-
hard. dec. 7. quaest. polit. 5. Sagittar. exerc. Eth.
exot. 15. p. 378. Joh. Crügerum in Horto Vir-
tut. quaest.
41. und die sie daselbst anziehen. Die
bekante Königin Fredegund in Franckreich/ damit
sie gar nahe an das feindliche Lager gelangen möch-
te/ und doch nicht in Acht genommen wurde/ hat sie
alle Pferde ihres Kriegsvolcks/ mit grünen Aesten
von Bäumen biß an die Köpff bekleidet/ etc. Anno
1634. als die Moscowiter in dem Krieg/ so sie mit
den Polen fuhrten/ die Stadt Smolenscum belä-
gerten/ war ein Außspeher/ welcher eines Botten
Ampt vertrat/ und von den Polen zu seinen Mo-
scowitern/ und von diesen zu jenen/ ab und zugienge/
und zwar allwegen ohne Schaden/ also/ daß man es
im Polnischen Lager (welches endlich die besagte
Stadt entsetzte) nicht vermerckte. Dann er mit
Zweigen von Bäumen/ so allezeit grünwaren/ sei-
nen gantzen Leib zu oberst/ vom Haupt an/ biß gar zu
unterst der Füsse herumb bedeckt/ auch die Aerme
an die Lenden fleissig angebunden; umb die Achsel
und Schulterblat aber/ rings herumb/ wie es die
Natur der Bäume gibt/ hat er etwas breiter die

Aeste

Die XLV. Frag.
ſolt nicht hinauff ziehen/ ſondern komm von hinden
zu ihnen/ daß du an ſie kommeſt gegen den Maul-
beerbaͤumen. Allein muß man zuſehen/ daß nicht
unter ſolchem Schein/ Trew und Glaub/ ſo ſon-
derbar und auffrecht/ beederſeits auffgerichtet wor-
den/ gebrochen werde/ und eine Verraͤhterey vorge-
he. Sihe Lipſium lib. 5. polit. c. 17. Joan. Ger-
hard. dec. 7. quæſt. polit. 5. Sagittar. exerc. Eth.
exot. 15. p. 378. Joh. Crügerum in Horto Vir-
tut. quæſt.
41. und die ſie daſelbſt anziehen. Die
bekante Koͤnigin Fredegund in Franckreich/ damit
ſie gar nahe an das feindliche Lager gelangen moͤch-
te/ und doch nicht in Acht genommen wurde/ hat ſie
alle Pferde ihres Kriegsvolcks/ mit gruͤnen Aeſten
von Baͤumen biß an die Koͤpff bekleidet/ ꝛc. Anno
1634. als die Moſcowiter in dem Krieg/ ſo ſie mit
den Polen fůhrten/ die Stadt Smolenscum belaͤ-
gerten/ war ein Außſpeher/ welcher eines Botten
Ampt vertrat/ und von den Polen zu ſeinen Mo-
ſcowitern/ und von dieſen zu jenen/ ab und zugienge/
und zwar allwegen ohne Schaden/ alſo/ daß man es
im Polniſchen Lager (welches endlich die beſagte
Stadt entſetzte) nicht vermerckte. Dann er mit
Zweigen von Baͤumen/ ſo allezeit gruͤnwaren/ ſei-
nen gantzen Leib zu oberſt/ vom Haupt an/ biß gar zu
unterſt der Fuͤſſe herumb bedeckt/ auch die Aerme
an die Lenden fleiſſig angebunden; umb die Achſel
und Schulterblat aber/ rings herumb/ wie es die
Natur der Baͤume gibt/ hat er etwas breiter die

Aeſte
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <p><pb facs="#f0171" n="155"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Die <hi rendition="#aq"><hi rendition="#g">XLV.</hi></hi> Frag.</hi></fw><lb/>
&#x017F;olt nicht hinauff ziehen/ &#x017F;ondern komm von hinden<lb/>
zu ihnen/ daß du an &#x017F;ie komme&#x017F;t gegen den Maul-<lb/>
beerba&#x0364;umen. Allein muß man zu&#x017F;ehen/ daß nicht<lb/>
unter &#x017F;olchem Schein/ Trew und Glaub/ &#x017F;o &#x017F;on-<lb/>
derbar und auffrecht/ beeder&#x017F;eits auffgerichtet wor-<lb/>
den/ gebrochen werde/ und eine Verra&#x0364;hterey vorge-<lb/>
he. Sihe <hi rendition="#aq">Lip&#x017F;ium lib. 5. polit. c. 17. Joan. Ger-<lb/>
hard. dec. 7. quæ&#x017F;t. polit. 5. Sagittar. exerc. Eth.<lb/>
exot. 15. p. 378. Joh. Crügerum in Horto Vir-<lb/>
tut. quæ&#x017F;t.</hi> 41. und die &#x017F;ie da&#x017F;elb&#x017F;t anziehen. Die<lb/>
bekante Ko&#x0364;nigin Fredegund in Franckreich/ damit<lb/>
&#x017F;ie gar nahe an das feindliche Lager gelangen mo&#x0364;ch-<lb/>
te/ und doch nicht in Acht genommen wurde/ hat &#x017F;ie<lb/>
alle Pferde ihres Kriegsvolcks/ mit gru&#x0364;nen Ae&#x017F;ten<lb/>
von Ba&#x0364;umen biß an die Ko&#x0364;pff bekleidet/ &#xA75B;c. Anno<lb/>
1634. als die Mo&#x017F;cowiter in dem Krieg/ &#x017F;o &#x017F;ie mit<lb/>
den Polen f&#x016F;hrten/ die Stadt <hi rendition="#aq">Smolenscum</hi> bela&#x0364;-<lb/>
gerten/ war ein Auß&#x017F;peher/ welcher eines Botten<lb/>
Ampt vertrat/ und von den Polen zu &#x017F;einen Mo-<lb/>
&#x017F;cowitern/ und von die&#x017F;en zu jenen/ ab und zugienge/<lb/>
und zwar allwegen ohne Schaden/ al&#x017F;o/ daß man es<lb/>
im Polni&#x017F;chen Lager (welches endlich die be&#x017F;agte<lb/>
Stadt ent&#x017F;etzte) nicht vermerckte. Dann er mit<lb/>
Zweigen von Ba&#x0364;umen/ &#x017F;o allezeit gru&#x0364;nwaren/ &#x017F;ei-<lb/>
nen gantzen Leib zu ober&#x017F;t/ vom Haupt an/ biß gar zu<lb/>
unter&#x017F;t der Fu&#x0364;&#x017F;&#x017F;e herumb bedeckt/ auch die Aerme<lb/>
an die Lenden flei&#x017F;&#x017F;ig angebunden; umb die Ach&#x017F;el<lb/>
und Schulterblat aber/ rings herumb/ wie es die<lb/>
Natur der Ba&#x0364;ume gibt/ hat er etwas breiter die<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">Ae&#x017F;te</fw><lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[155/0171] Die XLV. Frag. ſolt nicht hinauff ziehen/ ſondern komm von hinden zu ihnen/ daß du an ſie kommeſt gegen den Maul- beerbaͤumen. Allein muß man zuſehen/ daß nicht unter ſolchem Schein/ Trew und Glaub/ ſo ſon- derbar und auffrecht/ beederſeits auffgerichtet wor- den/ gebrochen werde/ und eine Verraͤhterey vorge- he. Sihe Lipſium lib. 5. polit. c. 17. Joan. Ger- hard. dec. 7. quæſt. polit. 5. Sagittar. exerc. Eth. exot. 15. p. 378. Joh. Crügerum in Horto Vir- tut. quæſt. 41. und die ſie daſelbſt anziehen. Die bekante Koͤnigin Fredegund in Franckreich/ damit ſie gar nahe an das feindliche Lager gelangen moͤch- te/ und doch nicht in Acht genommen wurde/ hat ſie alle Pferde ihres Kriegsvolcks/ mit gruͤnen Aeſten von Baͤumen biß an die Koͤpff bekleidet/ ꝛc. Anno 1634. als die Moſcowiter in dem Krieg/ ſo ſie mit den Polen fůhrten/ die Stadt Smolenscum belaͤ- gerten/ war ein Außſpeher/ welcher eines Botten Ampt vertrat/ und von den Polen zu ſeinen Mo- ſcowitern/ und von dieſen zu jenen/ ab und zugienge/ und zwar allwegen ohne Schaden/ alſo/ daß man es im Polniſchen Lager (welches endlich die beſagte Stadt entſetzte) nicht vermerckte. Dann er mit Zweigen von Baͤumen/ ſo allezeit gruͤnwaren/ ſei- nen gantzen Leib zu oberſt/ vom Haupt an/ biß gar zu unterſt der Fuͤſſe herumb bedeckt/ auch die Aerme an die Lenden fleiſſig angebunden; umb die Achſel und Schulterblat aber/ rings herumb/ wie es die Natur der Baͤume gibt/ hat er etwas breiter die Aeſte

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/zeiller_centuria01_1658
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/zeiller_centuria01_1658/171
Zitationshilfe: Zeiller, Martin: Centuria Variarum Quæstionum. Bd. 1. Ulm, 1658, S. 155. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/zeiller_centuria01_1658/171>, abgerufen am 15.04.2024.