Zeiller, Martin: Centvria III. Variarvm Quæstionvm. Bd. 3. Ulm, 1659.Die 55. Frag/ des 3. Hundert. zum Niesen machen brauchen/ zu halten/ davonmögen die Neuen Medici befragt werden. Jn meinem Locinero, Wirsung/ Tabernaemonta- no &c, finde ich nichts davon; weiln solches Kraut damaln noch nicht bekant gewesen seyn wird. Theils loben es/ theils nicht. Sihe des Schnup- Tabacks artige Beschreibung in Icaria Bisselii, p. 252. & seq. wird vom Dodonaeo Hyosciamus Peruvianus, Nicotiana aber nach dem Nicotio, ei- nem Portugesen/ genant/ der ihn am ersten/ aus der Neuen Welt/ in Europam gebracht/ und da- mit vil gewonnen haben solle. Sonsten machet Nie- sen das Oel von Ladano, so ein Gummi: item/ die Wurtzel von Kuchenschellen gepulvert/ und davon in die Nasen gethan; item Meußöhrlein- kraut frisch gestoßen/ den Safft davon ausge- prest/ und in die Nasen gezogen. Man solle solches Niesen nicht verhalten; Wann es aber zu starck wird/ und Gefahr dabey ist/ so macht man einen Rauch von Camomillen/ Bimenten/ Bach- müntz/ Rosen &c: item befeuchtet man die Ge- burtsglider mit einem kalten Waßer/ damit die Wärme/ und austreibende Kraft/ eingehalten werden: item/ zündet man eine Feder/ oder Kar- tenblat/ an: man bindet auch die eußerliche Gli- der; dieweil die Wärme dardurch zuruck gezogen wird/ auf daß die austreibende Krafft weiter nichts thun kan. Jtem/ man schmieret Anißöl auf den
Die 55. Frag/ des 3. Hundert. zum Nieſen machen brauchen/ zu halten/ davonmoͤgen die Neuen Medici befragt werden. Jn meinem Locinero, Wirſung/ Tabernæmonta- no &c, finde ich nichts davon; weiln ſolches Kraut damaln noch nicht bekant geweſen ſeyn wird. Theils loben es/ theils nicht. Sihe des Schnup- Tabacks artige Beſchreibung in Icaria Biſſelii, p. 252. & ſeq. wird vom Dodonæo Hyosciamus Peruvianus, Nicotiana aber nach dem Nicotio, ei- nem Portugeſen/ genant/ der ihn am erſten/ aus der Neuen Welt/ in Europam gebracht/ und da- mit vil gewonnen haben ſolle. Sonſten machet Nie- ſen das Oel von Ladano, ſo ein Gummi: item/ die Wurtzel von Kuchenſchellen gepulvert/ und davon in die Naſen gethan; item Meußoͤhrlein- kraut friſch geſtoßen/ den Safft davon ausge- preſt/ und in die Naſen gezogen. Man ſolle ſolches Nieſen nicht verhalten; Wann es aber zu ſtarck wird/ und Gefahr dabey iſt/ ſo macht man einen Rauch von Camomillen/ Bimenten/ Bach- muͤntz/ Roſen &c: item befeuchtet man die Ge- burtsglider mit einem kalten Waßer/ damit die Waͤrme/ und austreibende Kraft/ eingehalten werden: item/ zuͤndet man eine Feder/ oder Kar- tenblat/ an: man bindet auch die eußerliche Gli- der; dieweil die Waͤrme dardurch zuruck gezogen wird/ auf daß die austreibende Krafft weiter nichts thun kan. Jtem/ man ſchmieret Anißoͤl auf den
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Die 55. Frag/ des 3. Hundert.
zum Nieſen machen brauchen/ zu halten/ davon
moͤgen die Neuen Medici befragt werden. Jn
meinem Locinero, Wirſung/ Tabernæmonta-
no &c, finde ich nichts davon; weiln ſolches Kraut
damaln noch nicht bekant geweſen ſeyn wird.
Theils loben es/ theils nicht. Sihe des Schnup-
Tabacks artige Beſchreibung in Icaria Biſſelii,
p. 252. & ſeq. wird vom Dodonæo Hyosciamus
Peruvianus, Nicotiana aber nach dem Nicotio, ei-
nem Portugeſen/ genant/ der ihn am erſten/ aus
der Neuen Welt/ in Europam gebracht/ und da-
mit vil gewonnen haben ſolle. Sonſten machet Nie-
ſen das Oel von Ladano, ſo ein Gummi: item/
die Wurtzel von Kuchenſchellen gepulvert/ und
davon in die Naſen gethan; item Meußoͤhrlein-
kraut friſch geſtoßen/ den Safft davon ausge-
preſt/ und in die Naſen gezogen. Man ſolle ſolches
Nieſen nicht verhalten; Wann es aber zu ſtarck
wird/ und Gefahr dabey iſt/ ſo macht man einen
Rauch von Camomillen/ Bimenten/ Bach-
muͤntz/ Roſen &c: item befeuchtet man die Ge-
burtsglider mit einem kalten Waßer/ damit die
Waͤrme/ und austreibende Kraft/ eingehalten
werden: item/ zuͤndet man eine Feder/ oder Kar-
tenblat/ an: man bindet auch die eußerliche Gli-
der; dieweil die Waͤrme dardurch zuruck gezogen
wird/ auf daß die austreibende Krafft weiter
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| Zitationshilfe: | Zeiller, Martin: Centvria III. Variarvm Quæstionvm. Bd. 3. Ulm, 1659, S. 255. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/zeiller_centuria03_1659/279>, abgerufen am 06.08.2024. |


