Zeiller, Martin: Centvria III. Variarvm Quæstionvm. Bd. 3. Ulm, 1659.Die 76. Frag/ des 3. Hundert. eßen/ Gehorsam gelaistet/ und were nicht so leicht-lich in die Sünde gefallen. Und dahero vermeinen Sie/ der Mensch seye anfänglich/ von Gott/ we- der gerecht/ noch ungerecht/ sondern ein solcher er- schaffen worden/ welcher hette können heylig/ und gerecht werden/ wann er nur seinen freyen Willen nicht zum Bösen/ sondern zum Gueten/ hette an- richten wollen. Hergegen haben Andere vil wich- tigere Ursachen/ daß der Mensch anfangs ge- recht/ und heylig/ seye erschaffen worden. Und 1. dieweil der Mensch zum Ebenbilde GOttes er- schaffen; Gott aber heylig/ und gerecht ist. 2. Die- weil der Mensch aufrecht/ und volkommen ge- macht worden; und 3. S. Paulus/ zun Ephesern am 4. v. 24. ausdruklich bezeuget/ daß der Mensch nach GOtt geschaffen sey/ in rechtschaffener Ge- rechtigkeit/ und Heyligkeit. Wie dises M. Hen- ricus Velstenius disputat. Eih. 3. quaest. 1. weitläuf- figer ausführet/ und auff die angeführte des Ge- gentheils vermeinte Ursachen antwortet; und entlich beschließet/ daß der erste Mensch in Ge- rechtigkeit/ und Heyligkeit/ erschaffen worden seye. Und beweiset Er auch/ in der vorhergehenden 2. disputation, und in derselben ersten Frag/ daß der Mensch insonderheit erschaffen worden/ daß Jh- me wol seye; und deßwegen der Mensch/ wann Er weist/ warum ihn Gott erschaffen/ dahin/ daß Er recht lebe/ bedacht seyn solle. Und ziehet Er/ zum Beschluß/ des Senecae Wort an/ daß Er vor dem
Die 76. Frag/ des 3. Hundert. eßen/ Gehorſam gelaiſtet/ und were nicht ſo leicht-lich in die Suͤnde gefallen. Und dahero vermeinen Sie/ der Menſch ſeye anfaͤnglich/ von Gott/ we- der gerecht/ noch ungerecht/ ſondern ein ſolcher er- ſchaffen worden/ welcher hette koͤnnen heylig/ und gerecht werden/ wann er nur ſeinen freyen Willen nicht zum Boͤſen/ ſondern zum Gueten/ hette an- richten wollen. Hergegen haben Andere vil wich- tigere Urſachen/ daß der Menſch anfangs ge- recht/ und heylig/ ſeye erſchaffen worden. Und 1. dieweil der Menſch zum Ebenbilde GOttes er- ſchaffen; Gott aber heylig/ und gerecht iſt. 2. Die- weil der Menſch aufrecht/ und volkommen ge- macht worden; und 3. S. Paulus/ zun Epheſern am 4. v. 24. ausdruklich bezeuget/ daß der Menſch nach GOtt geſchaffen ſey/ in rechtſchaffener Ge- rechtigkeit/ und Heyligkeit. Wie diſes M. Hen- ricus Velstenius diſputat. Eih. 3. quæſt. 1. weitlaͤuf- figer ausfuͤhret/ und auff die angefuͤhrte des Ge- gentheils vermeinte Urſachen antwortet; und entlich beſchließet/ daß der erſte Menſch in Ge- rechtigkeit/ und Heyligkeit/ erſchaffen worden ſeye. Und beweiſet Er auch/ in der vorhergehenden 2. diſputation, und in derſelben erſten Frag/ daß der Menſch inſonderheit erſchaffen worden/ daß Jh- me wol ſeye; und deßwegen der Menſch/ wann Er weiſt/ warum ihn Gott erſchaffen/ dahin/ daß Er recht lebe/ bedacht ſeyn ſolle. Und ziehet Er/ zum Beſchluß/ des Senecæ Wort an/ daß Er vor dem
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Die 76. Frag/ des 3. Hundert.
eßen/ Gehorſam gelaiſtet/ und were nicht ſo leicht-
lich in die Suͤnde gefallen. Und dahero vermeinen
Sie/ der Menſch ſeye anfaͤnglich/ von Gott/ we-
der gerecht/ noch ungerecht/ ſondern ein ſolcher er-
ſchaffen worden/ welcher hette koͤnnen heylig/ und
gerecht werden/ wann er nur ſeinen freyen Willen
nicht zum Boͤſen/ ſondern zum Gueten/ hette an-
richten wollen. Hergegen haben Andere vil wich-
tigere Urſachen/ daß der Menſch anfangs ge-
recht/ und heylig/ ſeye erſchaffen worden. Und 1.
dieweil der Menſch zum Ebenbilde GOttes er-
ſchaffen; Gott aber heylig/ und gerecht iſt. 2. Die-
weil der Menſch aufrecht/ und volkommen ge-
macht worden; und 3. S. Paulus/ zun Epheſern
am 4. v. 24. ausdruklich bezeuget/ daß der Menſch
nach GOtt geſchaffen ſey/ in rechtſchaffener Ge-
rechtigkeit/ und Heyligkeit. Wie diſes M. Hen-
ricus Velstenius diſputat. Eih. 3. quæſt. 1. weitlaͤuf-
figer ausfuͤhret/ und auff die angefuͤhrte des Ge-
gentheils vermeinte Urſachen antwortet; und
entlich beſchließet/ daß der erſte Menſch in Ge-
rechtigkeit/ und Heyligkeit/ erſchaffen worden ſeye.
Und beweiſet Er auch/ in der vorhergehenden 2.
diſputation, und in derſelben erſten Frag/ daß der
Menſch inſonderheit erſchaffen worden/ daß Jh-
me wol ſeye; und deßwegen der Menſch/ wann
Er weiſt/ warum ihn Gott erſchaffen/ dahin/ daß
Er recht lebe/ bedacht ſeyn ſolle. Und ziehet Er/
zum Beſchluß/ des Senecæ Wort an/ daß Er vor
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