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Zeiller, Martin: Centvria IV. Variarvm Quæstionvm. Bd. 4. Ulm, 1660.

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Die 40. Frag/ des 4. Hundert.
Freuden begraben/ und ihme Glück gewünscht/
weil Er von der Müheseeligkeit des Lebens erle-
diget/ ietzt in aller Glückseeligkeit seye. Jn disem
Leben mangelts an Unruh/ Jammer/ und Elend
nimmer mehr. Jst das Creutz nicht am Leib/ so ists
am Gemüth: ist keine beschwerung da am Zeit-
lichen/ so ists am Geistlichen: ist kein mangel an
Haab/ und Gutt/ so ist es an der Seelen. Be-
gegnet auch schon einem bißweilen etwas guts/ in
disem Leben/ so ist es entweder gegenwärtig/ oder
vergangen/ oder zukünftig. Das Gegenwärtige
ist unbeständig: das vergangene ist hin: das
zukünftige/ ungewiß. Und ist über das alle Lieb-
licheit/ und Freude dieser Welt mit lauter Gall/
und Leyd/ vermischt. Wann Einer in diser Welt
lang lebt/ so hat Er auch mehr Mühe/ Arbeit/
Unruh/ Unlust. Lang in diser Welt leben/ ist
nichts anders/ als lang gepeiniget/ und gequälet
werden. Wer lang lebet/ siehet mehr übels/ leidet
mehr übels/ und begehet mehr übels/ als Andere/
die eine kurtze Zeit leben. Dann/ wer zeitlich weg-
gerafft/ und aus dem Leben unter den Sündern
weggenommen wird/ der begehet nicht sovil böses;
darff nicht sovil Noth/ und Trübsal erleiden; ist
auch vor dem zukünftigen gesichert. Die Hoch-
wolgeborne Frau/ Frau Anna Elisabeth/ Frau
von Weltz/ geborne Herrin von Stubenberg/ so
Anno 1658. den 30. Octobris/ Alt. Cal. zu
Ulm/ gestorben/ wann man Jhrn Gn. Krafft/

Gesund-

Die 40. Frag/ des 4. Hundert.
Freuden begraben/ und ihme Gluͤck gewuͤnſcht/
weil Er von der Muͤheſeeligkeit des Lebens erle-
diget/ ietzt in aller Gluͤckſeeligkeit ſeye. Jn diſem
Leben mangelts an Unruh/ Jammer/ und Elend
nimmer mehr. Jſt das Creutz nicht am Leib/ ſo iſts
am Gemuͤth: iſt keine beſchwerung da am Zeit-
lichen/ ſo iſts am Geiſtlichen: iſt kein mangel an
Haab/ und Gutt/ ſo iſt es an der Seelen. Be-
gegnet auch ſchon einem bißweilen etwas guts/ in
diſem Leben/ ſo iſt es entweder gegenwaͤrtig/ oder
vergangen/ oder zukuͤnftig. Das Gegenwaͤrtige
iſt unbeſtaͤndig: das vergangene iſt hin: das
zukuͤnftige/ ungewiß. Und iſt uͤber das alle Lieb-
licheit/ und Freude dieſer Welt mit lauter Gall/
und Leyd/ vermiſcht. Wann Einer in diſer Welt
lang lebt/ ſo hat Er auch mehr Muͤhe/ Arbeit/
Unruh/ Unluſt. Lang in diſer Welt leben/ iſt
nichts anders/ als lang gepeiniget/ und gequaͤlet
werden. Wer lang lebet/ ſiehet mehr uͤbels/ leidet
mehr uͤbels/ und begehet mehr uͤbels/ als Andere/
die eine kurtze Zeit leben. Dann/ wer zeitlich weg-
gerafft/ und aus dem Leben unter den Suͤndern
weggenommen wird/ der begehet nicht ſovil boͤſes;
darff nicht ſovil Noth/ und Truͤbſal erleiden; iſt
auch vor dem zukuͤnftigen geſichert. Die Hoch-
wolgeborne Frau/ Frau Anna Eliſabeth/ Frau
von Weltz/ geborne Herrin von Stubenberg/ ſo
Anno 1658. den 30. Octobris/ Alt. Cal. zu
Ulm/ geſtorben/ wann man Jhrn Gn. Krafft/

Geſund-
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[214/0238] Die 40. Frag/ des 4. Hundert. Freuden begraben/ und ihme Gluͤck gewuͤnſcht/ weil Er von der Muͤheſeeligkeit des Lebens erle- diget/ ietzt in aller Gluͤckſeeligkeit ſeye. Jn diſem Leben mangelts an Unruh/ Jammer/ und Elend nimmer mehr. Jſt das Creutz nicht am Leib/ ſo iſts am Gemuͤth: iſt keine beſchwerung da am Zeit- lichen/ ſo iſts am Geiſtlichen: iſt kein mangel an Haab/ und Gutt/ ſo iſt es an der Seelen. Be- gegnet auch ſchon einem bißweilen etwas guts/ in diſem Leben/ ſo iſt es entweder gegenwaͤrtig/ oder vergangen/ oder zukuͤnftig. Das Gegenwaͤrtige iſt unbeſtaͤndig: das vergangene iſt hin: das zukuͤnftige/ ungewiß. Und iſt uͤber das alle Lieb- licheit/ und Freude dieſer Welt mit lauter Gall/ und Leyd/ vermiſcht. Wann Einer in diſer Welt lang lebt/ ſo hat Er auch mehr Muͤhe/ Arbeit/ Unruh/ Unluſt. Lang in diſer Welt leben/ iſt nichts anders/ als lang gepeiniget/ und gequaͤlet werden. Wer lang lebet/ ſiehet mehr uͤbels/ leidet mehr uͤbels/ und begehet mehr uͤbels/ als Andere/ die eine kurtze Zeit leben. Dann/ wer zeitlich weg- gerafft/ und aus dem Leben unter den Suͤndern weggenommen wird/ der begehet nicht ſovil boͤſes; darff nicht ſovil Noth/ und Truͤbſal erleiden; iſt auch vor dem zukuͤnftigen geſichert. Die Hoch- wolgeborne Frau/ Frau Anna Eliſabeth/ Frau von Weltz/ geborne Herrin von Stubenberg/ ſo Anno 1658. den 30. Octobris/ Alt. Cal. zu Ulm/ geſtorben/ wann man Jhrn Gn. Krafft/ Geſund-

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Zitationshilfe: Zeiller, Martin: Centvria IV. Variarvm Quæstionvm. Bd. 4. Ulm, 1660, S. 214. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/zeiller_centuria04_1660/238>, abgerufen am 15.05.2021.