Zesen, Philipp von: Assenat. Amsterdam, 1670.drittes Buch. Sie wusten/ daß er groß geachtet war vor Gott undMenschen. Unterdessen hielt Sefira bei ihrem Ehherrn stark an/ daß er den schönen Leibeignen kauffen solte. Dan ich höre/ sagte sie/ daß sie ihn wieder verhandeln wollen. Potifar schikte straks hin/ und lies fragen: wie hoch sie ihn hielten? Weil er aber zu teuer war/ zerschlug sich der kauf. So bald es Sefira verstund/ sandte sie selbst einen andern ihn zu kauffen; mit befehl/ daß er kein geld ansehen solte. Dieser kaufte ihn vor achtzig goldgülden: wiewohl er seine Fürstin berichtete/ er hette hundert gegeben. Und also gelangte Josef in Poti- fars schlos. Sefira hatte nunmehr ihren wundsch erlanget. Nie- und G ij
drittes Buch. Sie wuſten/ daß er groß geachtet war vor Gott undMenſchen. Unterdeſſen hielt Sefira bei ihrem Ehherꝛn ſtark an/ daß er den ſchoͤnen Leibeignen kauffen ſolte. Dan ich hoͤre/ ſagte ſie/ daß ſie ihn wieder verhandeln wollen. Potifar ſchikte ſtraks hin/ und lies fragen: wie hoch ſie ihn hielten? Weil er aber zu teuer war/ zerſchlug ſich der kauf. So bald es Sefira verſtund/ ſandte ſie ſelbſt einen andern ihn zu kauffen; mit befehl/ daß er kein geld anſehen ſolte. Dieſer kaufte ihn vor achtzig goldguͤlden: wiewohl er ſeine Fuͤrſtin berichtete/ er hette hundert gegeben. Und alſo gelangte Joſef in Poti- fars ſchlos. Sefira hatte nunmehr ihren wundſch erlanget. Nie- und G ij
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drittes Buch.
Sie wuſten/ daß er groß geachtet war vor Gott und
Menſchen. Unterdeſſen hielt Sefira bei ihrem Ehherꝛn
ſtark an/ daß er den ſchoͤnen Leibeignen kauffen ſolte. Dan
ich hoͤre/ ſagte ſie/ daß ſie ihn wieder verhandeln wollen.
Potifar ſchikte ſtraks hin/ und lies fragen: wie hoch
ſie ihn hielten? Weil er aber zu teuer war/ zerſchlug
ſich der kauf. So bald es Sefira verſtund/ ſandte ſie
ſelbſt einen andern ihn zu kauffen; mit befehl/ daß er
kein geld anſehen ſolte. Dieſer kaufte ihn vor achtzig
goldguͤlden: wiewohl er ſeine Fuͤrſtin berichtete/ er hette
hundert gegeben. Und alſo gelangte Joſef in Poti-
fars ſchlos.
Sefira hatte nunmehr ihren wundſch erlanget. Nie-
mand war froher/ als ſie. Niemand war vergnuͤgter/
als ſie. Joſef muſte ſtraks auf das ſchoͤnſte gekleidet
ſein: nicht als ein Leibeigener. Als ein Hofjunker mu-
ſte er gehen. Alle neue trachten/ die am Koͤniglichen
hofe aufkahmen/ muſte er haben. Auch brachte ſie bei
ihrem Herren ſo viel zu wege/ daß er ihn nicht als einen
Leibeignen/ ſondern als einen Freien zu halten befahl.
Und Joſef ſelbſten wuſte ſich bei dem Fuͤrſten ſo be-
liebt zu machen/ daß er ihn endlich anders nicht/ als ſei-
nen eignen Sohn/ liebete. Er beſtelte ihn zum Hof-
meiſter. Er befahl ihm das gebiet uͤber alle ſeine Leib-
eigene. Ja er ſetzte ihn zuletzt gar uͤber ſein gantzes haus.
Damit er aber zu ſolcher beſtallung uͤm ſo viel geſchikter
were: ſo lies er ihn auch in aller Egiptiſchen weisheit
unterrichten. Man muſte ihm die geheime Bilder-
ſchrift eroͤfnen: darinnen alle Wiſſenſchaften und
Kuͤnſte verborgen lagen. Man muſte ihm alles zeigen/
was ſonſten niemand/ als den Prieſtern/ zu wiſſen ver-
goͤnnet. Und alſo kahm Joſef in kurtzem ſo weit/
daß er ſich nicht entziehen durfte mit den allergelehrte-
ſten im gantzen Egipten an zu binden. Ja nicht allein
dieſes/ ſondern auch ſeine ſonderliche guhtahrtigkeit/
und
G ij
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| Zitationshilfe: | Zesen, Philipp von: Assenat. Amsterdam, 1670, S. 99. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/zesen_assenat_1670/123>, abgerufen am 06.08.2024. |


