Zesen, Philipp von: Assenat. Amsterdam, 1670.Der Assenat Leibeignen ein Freigelaßener/ aus einem Gefangenenein Liebling des Königes worden. Ja er ward noch mehr verwundert/ als er den Josef selbsten herein träh- ten sahe: als er sahe/ daß er mitten unter die Reichs- fürsten gestellet ward: als er hörete/ daß ihn der König also anredete. Lieber Josef/ so sprach ihn der König an/ wir haben deinen verstand gesehen. Wir ha- ben deine weisheit vernommen. Deine fähigkeit in der Stahtskunde ist uns nunmehr nicht un- bekant. Und weil dir Gott alles/ was wir aus deinem munde gehöret/ hat kund getahn/ hal- ten wir niemand so verständig und weise/ als dich. Du wirst die stelle desselben/ den du uns zu suchen gerahten/ am besten verträhten können. Und darüm setze ich dich itzund über mein Haus. Ja ich setze dich über das gantze Egipten. Alles übergebe ich deiner macht. Nur des Königli- chen Stuhles und Nahmens wil ich höher sein. Deinem worte sollen alle meine Völker gehor- chen. Hier stehen die Fürsten des Reichs dein gebot zu vernehmen. Siehe! ich bin Farao: oh- ne deinen willen sol niemand im gantzen Reiche seine hand/ oder seinen fuß regen. Josef neugte sich hierauf gantz demühtig zur erde daß
Der Aſſenat Leibeignen ein Freigelaßener/ aus einem Gefangenenein Liebling des Koͤniges worden. Ja er ward noch mehr verwundert/ als er den Joſef ſelbſten herein traͤh- ten ſahe: als er ſahe/ daß er mitten unter die Reichs- fuͤrſten geſtellet ward: als er hoͤrete/ daß ihn der Koͤnig alſo anredete. Lieber Joſef/ ſo ſprach ihn der Koͤnig an/ wir haben deinen verſtand geſehen. Wir ha- ben deine weisheit vernommen. Deine faͤhigkeit in der Stahtskunde iſt uns nunmehr nicht un- bekant. Und weil dir Gott alles/ was wir aus deinem munde gehoͤret/ hat kund getahn/ hal- ten wir niemand ſo verſtaͤndig und weiſe/ als dich. Du wirſt die ſtelle deſſelben/ den du uns zu ſuchen gerahten/ am beſten vertraͤhten koͤnnen. Und daruͤm ſetze ich dich itzund uͤber mein Haus. Ja ich ſetze dich uͤber das gantze Egipten. Alles uͤbergebe ich deiner macht. Nur des Koͤnigli- chen Stuhles und Nahmens wil ich hoͤher ſein. Deinem worte ſollen alle meine Voͤlker gehor- chen. Hier ſtehen die Fuͤrſten des Reichs dein gebot zu vernehmen. Siehe! ich bin Farao: oh- ne deinen willen ſol niemand im gantzen Reiche ſeine hand/ oder ſeinen fuß regen. Joſef neugte ſich hierauf gantz demuͤhtig zur erde daß
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Der Aſſenat
Leibeignen ein Freigelaßener/ aus einem Gefangenen
ein Liebling des Koͤniges worden. Ja er ward noch
mehr verwundert/ als er den Joſef ſelbſten herein traͤh-
ten ſahe: als er ſahe/ daß er mitten unter die Reichs-
fuͤrſten geſtellet ward: als er hoͤrete/ daß ihn der Koͤnig
alſo anredete. Lieber Joſef/ ſo ſprach ihn der Koͤnig
an/ wir haben deinen verſtand geſehen. Wir ha-
ben deine weisheit vernommen. Deine faͤhigkeit
in der Stahtskunde iſt uns nunmehr nicht un-
bekant. Und weil dir Gott alles/ was wir aus
deinem munde gehoͤret/ hat kund getahn/ hal-
ten wir niemand ſo verſtaͤndig und weiſe/ als
dich. Du wirſt die ſtelle deſſelben/ den du uns zu
ſuchen gerahten/ am beſten vertraͤhten koͤnnen.
Und daruͤm ſetze ich dich itzund uͤber mein Haus.
Ja ich ſetze dich uͤber das gantze Egipten. Alles
uͤbergebe ich deiner macht. Nur des Koͤnigli-
chen Stuhles und Nahmens wil ich hoͤher ſein.
Deinem worte ſollen alle meine Voͤlker gehor-
chen. Hier ſtehen die Fuͤrſten des Reichs dein
gebot zu vernehmen. Siehe! ich bin Farao: oh-
ne deinen willen ſol niemand im gantzen Reiche
ſeine hand/ oder ſeinen fuß regen.
Joſef neugte ſich hierauf gantz demuͤhtig zur erde
nieder. Er bedankte ſich untertaͤhnigſt vor die hohe
Koͤnigliche gnade. Er bedankte ſich vor die aufgetrage-
ne hohe wuͤrde. Er erkante das guhte vertrauen/ daß
der Koͤnig zu ſeiner wenigkeit gnaͤdigſt geſchoͤpfet. Er
verſicherte ihn ſeines gehohrſams/ und ſeines getreuen
fleiſſes/ ſo wohl in des Koͤniges/ als Reichsgeſchaͤften.
Ja/ ſagte er/ ich verhoffe/ durch meine treue/ allen ein
gnuͤgen zu tuhn. Und hiermit wuͤndſchten ihm alle
Reichsfuͤrſten gluͤk. Jederman war erfreuet. Poti-
far ſelbſten/ der bisher ſtil geſchwiegen/ bezeugete nun-
mehr auch eine gantz uͤbermaͤßige freude. Er war froh/
daß
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| Zitationshilfe: | Zesen, Philipp von: Assenat. Amsterdam, 1670, S. 174. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/zesen_assenat_1670/198>, abgerufen am 06.08.2024. |


