Zesen, Philipp von: Assenat. Amsterdam, 1670.Der Assenat wesen zog ihn zur barmhertzigkeit. Hatte er sich von ihrkurtz zuvor nicht wollen küssen oder berühren laßen; so rührete er sie itzund selbsten an. Er legte seine hand auf ihr heupt/ und seegnete sie. Und Assenat erfreuete sich über seinem seegen in ihrem hertzen dermaßen/ daß sie vor großen freuden krank ward. Sie ging hin/ und neugte sich auf ihr bette. Da überdachte sie alle worte des Josefs. Da beherzigte sie alle seine reden. Diese würkten in ihr ein hertzliches leidwesen/ eine recht buß- färtige reue. Hertzlich bereuete sie ihr abgöttisches we- sen. Von hertzen war es ihr leid/ daß sie bisher den leblosen Abgöttern gedienet. Sie verleugnete sie alle: und erkante den wahren lebendigen Gott. Unterdessen machte sich Josef fröhlich. Er aß und Weil nun Josef sahe/ daß diese Sonnenseule aus und
Der Aſſenat weſen zog ihn zur barmhertzigkeit. Hatte er ſich von ihrkurtz zuvor nicht wollen kuͤſſen oder beruͤhren laßen; ſo ruͤhrete er ſie itzund ſelbſten an. Er legte ſeine hand auf ihr heupt/ und ſeegnete ſie. Und Aſſenat erfreuete ſich uͤber ſeinem ſeegen in ihrem hertzen dermaßen/ daß ſie vor großen freuden krank ward. Sie ging hin/ und neugte ſich auf ihr bette. Da uͤberdachte ſie alle worte des Joſefs. Da beherzigte ſie alle ſeine reden. Dieſe wuͤrkten in ihr ein hertzliches leidweſen/ eine recht buß- faͤrtige reue. Hertzlich bereuete ſie ihr abgoͤttiſches we- ſen. Von hertzen war es ihr leid/ daß ſie bisher den lebloſen Abgoͤttern gedienet. Sie verleugnete ſie alle: und erkante den wahren lebendigen Gott. Unterdeſſen machte ſich Joſef froͤhlich. Er aß und Weil nun Joſef ſahe/ daß dieſe Sonnenſeule aus und
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Der Aſſenat
weſen zog ihn zur barmhertzigkeit. Hatte er ſich von ihr
kurtz zuvor nicht wollen kuͤſſen oder beruͤhren laßen; ſo
ruͤhrete er ſie itzund ſelbſten an. Er legte ſeine hand auf
ihr heupt/ und ſeegnete ſie. Und Aſſenat erfreuete ſich
uͤber ſeinem ſeegen in ihrem hertzen dermaßen/ daß ſie
vor großen freuden krank ward. Sie ging hin/ und
neugte ſich auf ihr bette. Da uͤberdachte ſie alle worte
des Joſefs. Da beherzigte ſie alle ſeine reden. Dieſe
wuͤrkten in ihr ein hertzliches leidweſen/ eine recht buß-
faͤrtige reue. Hertzlich bereuete ſie ihr abgoͤttiſches we-
ſen. Von hertzen war es ihr leid/ daß ſie bisher den
lebloſen Abgoͤttern gedienet. Sie verleugnete ſie alle:
und erkante den wahren lebendigen Gott.
Unterdeſſen machte ſich Joſef froͤhlich. Er aß und
trank. Und nach gehaltener tafel/ taͤht er/ mit dem
Ertzbiſchoffe/ einen luſtwandel: da er zugleich die gele-
genheit und fuͤrnehmſten gebeue der Stadt beſichtigte.
Unter andern beſahe er die fuͤrtrefliche Sonnenſpitze/
welche die allererſte war/ die man in der gantzen welt ge-
ſehen. Mizraim der erſte Egiptiſche Koͤnig nach der
ſuͤndfluht/ hatte dieſelbe/ auf Hermes Trismegiſts
angeben/ zu bauen beſchloſſen; aber ſein Sohn und
Nachſas Mesramutiſis volzogen. Dieſes geſchahe
uͤm das 2213 jahr nach erſchaffung der welt/ und vor
der heilgebuhrt im 1840. Vom erfinder derſelben/ dem
itztgenenten Hermes/ haben die noch heutiges tages in
Deutſchland und anderwaͤrts befindliche Irmenſeu-
len oder Hermesſeulen ihren nahmen.
Weil nun Joſef ſahe/ daß dieſe Sonnenſeule aus
einem ſonderlichenund gantz ungemeinem Marmelſtei-
ne beſt und; ſo fragte er den Ertzbiſchof: woher dieſer
Marmel kaͤhme? Er antwortete: der Erfinder der
Sonnenſpitzen/ mein vorfahr Hermes Trismegiſt/
oder Tot/ wie wir ihn eigendlich nennen/ hat ihn aus
dem gebuͤrge gegen der ſtadt Tebe uͤber brechen laßen:
und
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| Zitationshilfe: | Zesen, Philipp von: Assenat. Amsterdam, 1670, S. 208. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/zesen_assenat_1670/232>, abgerufen am 06.08.2024. |


