Zesen, Philipp von: Assenat. Amsterdam, 1670.Der Assenat selben beobachtet? Die kleinesten Sonnenspitzen/ ant-wortete der Ertzbischof/ seind zehen oder zwölf füße/ die grösten hundert/ ja wohl hundert und vierzig hoch. Auch seind sie nicht alle gleich vierekkicht/ das ist an ih- ren seiten nicht alle von einerlei breite. Wan eine ihrer vier seiten unten am grundsatze drei ellen breit ist; so ist die gantze Seule/ vom untersten grundsatze an/ bis an den obersten grundsatz der aufgesetzten oder abgestumpf- ten spitze/ dreissig ellen hoch. Und also befindet sie sich allezeit zehn mahl so hoch/ als eine seite des untersten grundsatzes breit ist. Die seite aber des obersten grund- satzes der abgestumpften spitze ist allemahl üm das drit- te teil schmähler/ als die breite an des untersten grund- satzes seite. Darüm/ wan die seite unten am grundsatze drei ellen breit ist/ mus dieselbe unter dem übersatze der abgestumpften spitze nur eine elle breit; und die höhe der aufgesetzten oder abgestumpften spitze eben so hoch sein/ als die seite des untersten grundsatzes breit ist. Wie nun diese Sonnenseulen oder Sonnenspitzen von un- ten auf bis an den obersten güpfel zwar algemach schlän- ker und schlänker werden/ aber nicht gantz gerade spitz zu lauffen/ sondern oben eine abgestumpfte spitze bekommen; so lauffen hingegen die Feuerspitzen/ oder/ wie man sie von ihrem nachmahligen gebrauche eigendlich nen- nen kan/ die Grabspitzen von ihrem viel breiterem grundsatze nach oben zu/ mit allen ihren ekken und sei- ten/ in einem gantz geraden lauffe hin/ bis in das euser- ste der spitze. Und was vor ein unterscheid ist zwischen den Sonnenstrahlen/ und Feuerstrahlen; ein solcher ist auch zwischen den Sonnen- und Feuer- oder Grab- spitzen: indem diese viel plumper und dikker/ ja viel schieffer; jene aber viel schmähler/ schlänker/ und dün- ner/ ja mehr aufgerichteter zu stehen pflegen. Nachdem sich Josef im besichtigen dieser uhralten und
Der Aſſenat ſelben beobachtet? Die kleineſten Sonnenſpitzen/ ant-wortete der Ertzbiſchof/ ſeind zehen oder zwoͤlf fuͤße/ die groͤſten hundert/ ja wohl hundert und vierzig hoch. Auch ſeind ſie nicht alle gleich vierekkicht/ das iſt an ih- ren ſeiten nicht alle von einerlei breite. Wan eine ihrer vier ſeiten unten am grundſatze drei ellen breit iſt; ſo iſt die gantze Seule/ vom unterſten grundſatze an/ bis an den oberſten grundſatz der aufgeſetzten oder abgeſtumpf- ten ſpitze/ dreiſſig ellen hoch. Und alſo befindet ſie ſich allezeit zehn mahl ſo hoch/ als eine ſeite des unterſten grundſatzes breit iſt. Die ſeite aber des oberſten grund- ſatzes der abgeſtumpften ſpitze iſt allemahl uͤm das drit- te teil ſchmaͤhler/ als die breite an des unterſten grund- ſatzes ſeite. Daruͤm/ wan die ſeite unten am grundſatze drei ellen breit iſt/ mus dieſelbe unter dem uͤberſatze der abgeſtumpften ſpitze nur eine elle breit; und die hoͤhe der aufgeſetzten oder abgeſtumpften ſpitze eben ſo hoch ſein/ als die ſeite des unterſten grundſatzes breit iſt. Wie nun dieſe Sonnenſeulen oder Sonnenſpitzen von un- ten auf bis an den oberſten guͤpfel zwar algemach ſchlaͤn- ker und ſchlaͤnker werden/ aber nicht gantz gerade ſpitz zu lauffen/ ſondern oben eine abgeſtumpfte ſpitze bekommen; ſo lauffen hingegen die Feuerſpitzen/ oder/ wie man ſie von ihrem nachmahligen gebrauche eigendlich nen- nen kan/ die Grabſpitzen von ihrem viel breiterem grundſatze nach oben zu/ mit allen ihren ekken und ſei- ten/ in einem gantz geraden lauffe hin/ bis in das euſer- ſte der ſpitze. Und was vor ein unterſcheid iſt zwiſchen den Sonnenſtrahlen/ und Feuerſtrahlen; ein ſolcher iſt auch zwiſchen den Sonnen- und Feuer- oder Grab- ſpitzen: indem dieſe viel plumper und dikker/ ja viel ſchieffer; jene aber viel ſchmaͤhler/ ſchlaͤnker/ und duͤn- ner/ ja mehr aufgerichteter zu ſtehen pflegen. Nachdem ſich Joſef im beſichtigen dieſer uhralten und
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Der Aſſenat
ſelben beobachtet? Die kleineſten Sonnenſpitzen/ ant-
wortete der Ertzbiſchof/ ſeind zehen oder zwoͤlf fuͤße/
die groͤſten hundert/ ja wohl hundert und vierzig hoch.
Auch ſeind ſie nicht alle gleich vierekkicht/ das iſt an ih-
ren ſeiten nicht alle von einerlei breite. Wan eine ihrer
vier ſeiten unten am grundſatze drei ellen breit iſt; ſo iſt
die gantze Seule/ vom unterſten grundſatze an/ bis an
den oberſten grundſatz der aufgeſetzten oder abgeſtumpf-
ten ſpitze/ dreiſſig ellen hoch. Und alſo befindet ſie ſich
allezeit zehn mahl ſo hoch/ als eine ſeite des unterſten
grundſatzes breit iſt. Die ſeite aber des oberſten grund-
ſatzes der abgeſtumpften ſpitze iſt allemahl uͤm das drit-
te teil ſchmaͤhler/ als die breite an des unterſten grund-
ſatzes ſeite. Daruͤm/ wan die ſeite unten am grundſatze
drei ellen breit iſt/ mus dieſelbe unter dem uͤberſatze der
abgeſtumpften ſpitze nur eine elle breit; und die hoͤhe der
aufgeſetzten oder abgeſtumpften ſpitze eben ſo hoch ſein/
als die ſeite des unterſten grundſatzes breit iſt. Wie
nun dieſe Sonnenſeulen oder Sonnenſpitzen von un-
ten auf bis an den oberſten guͤpfel zwar algemach ſchlaͤn-
ker und ſchlaͤnker werden/ aber nicht gantz gerade ſpitz zu
lauffen/ ſondern oben eine abgeſtumpfte ſpitze bekommen;
ſo lauffen hingegen die Feuerſpitzen/ oder/ wie man
ſie von ihrem nachmahligen gebrauche eigendlich nen-
nen kan/ die Grabſpitzen von ihrem viel breiterem
grundſatze nach oben zu/ mit allen ihren ekken und ſei-
ten/ in einem gantz geraden lauffe hin/ bis in das euſer-
ſte der ſpitze. Und was vor ein unterſcheid iſt zwiſchen
den Sonnenſtrahlen/ und Feuerſtrahlen; ein ſolcher
iſt auch zwiſchen den Sonnen- und Feuer- oder Grab-
ſpitzen: indem dieſe viel plumper und dikker/ ja viel
ſchieffer; jene aber viel ſchmaͤhler/ ſchlaͤnker/ und duͤn-
ner/ ja mehr aufgerichteter zu ſtehen pflegen.
Nachdem ſich Joſef im beſichtigen dieſer uhralten
Stadt/ daher alle Egiptiſche weisheit entſprungen/
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| Zitationshilfe: | Zesen, Philipp von: Assenat. Amsterdam, 1670, S. 210. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/zesen_assenat_1670/234>, abgerufen am 06.08.2024. |


