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Zschackwitz, Johann Ehrenfried: Historisch-Genealogischer Schau-Platz. Lemgo, 1724.

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tige Leute/ indem sie denen Fürsten und andern grossen Männern bey- und zunahmen geben/ wie es ihrer Caprice etwann beliebig ist. Alleine rechtschaffene Historici, sollten die se Müncherey billig ausmustern und einen jeden Printzen/ sonder allen beynahmen/ also entwerffen / wie sein Leben und Thaten es verdienen. Vorgedachter Albertus demnach/ war ein Großmüthiger Herr und Feind der Papistischen Clerisey: dabey er eyferte über seines hohen Hauses jura und sahe wohl/ daß man nicht nur auf dessen/ sondern auch auf aller Protestantischen Reichs-Stände ihre Unterdrückung bedacht war: doch es funden sich hier und dar verschiedene ungleiche Absichten/ daher der tapfere Albertus endlich weichen und nach Pfortzheim ins Exilium gehen muste. Marggraf Georg der Fromme/ aus der alten Marggräflichen Fränckischen/ oder Bayreuthischen Linie, war ein Herr eines ungemein tugendhafften und frommen Wandels/ dabey er sich auch der Gerechtigkeit dermassen beflissen/ daß viele auswärtige/ ihn vor ihren Schiedsmann annahmen und beliebeten. Die Einführung der reinen Evangelischen Lehre/ liesse Er sich eifrigst angelegen seyn / ungeachtet er darüber nicht wenigen Verdruß nnd Hindernisse/ erdulden und ausstehen muste. Sein Nachdencklicher Wahlspruch war dieser

GOttes Wort/ das wär nicht schwer

Wenn nur der Eigen-Nutz nicht wär.

Und gewiß/ dieser grosse Fürst/ hat damit das rechte Pflöckgen getroffen / nemlich/ wo es herrühre/ daß die reine Gottesfurcht mit so vielen Schwierigkeiten umgeben sey; und warum man selbige nicht anderst/ als wie eine höchst sauere Kunst/ durch vieler Jahre Arbeit erlernen/ auch darinnen gleichsam erst seine Jungen/ Gesellen und Meister-Jahre ausstehen müsse/ wäre der Eigen-Nutz ausgerottet/ wir würden von so mancherley aufgebürdeten Secten Nahmen hoffentlich nichts wissen. Der unvergleichliche/ nunmehr hochselige Christian Ernst, stellet ein schönes Bildniß eines tapfern/ Christlichen und Heldenmüthigen Fürstens dar. Denn wie offt hat dieser theure teutsche Held/ im vorigen Teutsch-Frantzösischen Kriege/ zum Besten/ vornehmlich des Hauses Oesterreichs/ und dann auch des Reiches/ sich nicht gewaget? würde nicht die Stadt Rothenburg an der Tauber Anno 1688. ein Schauspiel der Frantzösischen Brandfackel geworden seyn/ wann der tapfere Marggraf zu Brandenburg-Bayreuth / sie nicht davon befreyet gehabt? Dieser unvergleichliche Fürst/ war unter dem Helm erzogen und auch unter selbigem grau geworden/ daher konnte Er solchen abzulegen nicht eher bewogen werden/ als biß die abnehmende Kräffte ihm dieses befohlen. Die Griechen und Römer machen von ihren Helden so viel Wesens/ man lasse ihnen ihre Klopf-Fechter/ unser Teuschland weiß viel bessere und in der That wirckliche Helden aufzuweisen/ derer das Großmächtigste Hauß Brandenburg eine grosse Menge zu erzehlen vermag.

Layritz Geneal. Tab. 6. c. 3.

tige Leute/ indem sie denen Fürsten und andern grossen Männern bey- und zunahmen geben/ wie es ihrer Caprice etwann beliebig ist. Alleine rechtschaffene Historici, sollten die se Müncherey billig ausmustern und einen jeden Printzen/ sonder allen beynahmen/ also entwerffen / wie sein Leben und Thaten es verdienen. Vorgedachter Albertus demnach/ war ein Großmüthiger Herr und Feind der Papistischen Clerisey: dabey er eyferte über seines hohen Hauses jura und sahe wohl/ daß man nicht nur auf dessen/ sondern auch auf aller Protestantischen Reichs-Stände ihre Unterdrückung bedacht war: doch es funden sich hier und dar verschiedene ungleiche Absichten/ daher der tapfere Albertus endlich weichen und nach Pfortzheim ins Exilium gehen muste. Marggraf Georg der Fromme/ aus der alten Marggräflichen Fränckischen/ oder Bayreuthischen Linie, war ein Herr eines ungemein tugendhafften und frommen Wandels/ dabey er sich auch der Gerechtigkeit dermassen beflissen/ daß viele auswärtige/ ihn vor ihren Schiedsmann annahmen und beliebeten. Die Einführung der reinen Evangelischen Lehre/ liesse Er sich eifrigst angelegen seyn / ungeachtet er darüber nicht wenigen Verdruß nnd Hindernisse/ erdulden und ausstehen muste. Sein Nachdencklicher Wahlspruch war dieser

GOttes Wort/ das wär nicht schwer

Wenn nur der Eigen-Nutz nicht wär.

Und gewiß/ dieser grosse Fürst/ hat damit das rechte Pflöckgen getroffen / nemlich/ wo es herrühre/ daß die reine Gottesfurcht mit so vielen Schwierigkeiten umgeben sey; und warum man selbige nicht anderst/ als wie eine höchst sauere Kunst/ durch vieler Jahre Arbeit erlernen/ auch darinnen gleichsam erst seine Jungen/ Gesellen und Meister-Jahre ausstehen müsse/ wäre der Eigen-Nutz ausgerottet/ wir würden von so mancherley aufgebürdeten Secten Nahmen hoffentlich nichts wissen. Der unvergleichliche/ nunmehr hochselige Christian Ernst, stellet ein schönes Bildniß eines tapfern/ Christlichen und Heldenmüthigen Fürstens dar. Denn wie offt hat dieser theure teutsche Held/ im vorigen Teutsch-Frantzösischen Kriege/ zum Besten/ vornehmlich des Hauses Oesterreichs/ und dann auch des Reiches/ sich nicht gewaget? würde nicht die Stadt Rothenburg an der Tauber Anno 1688. ein Schauspiel der Frantzösischen Brandfackel geworden seyn/ wann der tapfere Marggraf zu Brandenburg-Bayreuth / sie nicht davon befreyet gehabt? Dieser unvergleichliche Fürst/ war unter dem Helm erzogen und auch unter selbigem grau geworden/ daher konnte Er solchen abzulegen nicht eher bewogen werden/ als biß die abnehmende Kräffte ihm dieses befohlen. Die Griechen und Römer machen von ihren Helden so viel Wesens/ man lasse ihnen ihre Klopf-Fechter/ unser Teuschland weiß viel bessere und in der That wirckliche Helden aufzuweisen/ derer das Großmächtigste Hauß Brandenburg eine grosse Menge zu erzehlen vermag.

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tige Leute/ indem sie denen Fürsten                      und andern grossen Männern bey- und zunahmen geben/ wie es ihrer Caprice etwann                      beliebig ist. Alleine rechtschaffene Historici, sollten die se Müncherey billig                      ausmustern und einen jeden Printzen/ sonder allen beynahmen/ also entwerffen /                      wie sein Leben und Thaten es verdienen. Vorgedachter Albertus demnach/ war ein                      Großmüthiger Herr und Feind der Papistischen Clerisey: dabey er eyferte über                      seines hohen Hauses jura und sahe wohl/ daß man nicht nur auf dessen/ sondern                      auch auf aller Protestantischen Reichs-Stände ihre Unterdrückung bedacht war:                      doch es funden sich hier und dar verschiedene ungleiche Absichten/ daher der                      tapfere Albertus endlich weichen und nach Pfortzheim ins Exilium gehen muste.                      Marggraf Georg der Fromme/ aus der alten Marggräflichen Fränckischen/ oder                      Bayreuthischen Linie, war ein Herr eines ungemein tugendhafften und frommen                      Wandels/ dabey er sich auch der Gerechtigkeit dermassen beflissen/ daß viele                      auswärtige/ ihn vor ihren Schiedsmann annahmen und beliebeten. Die Einführung                      der reinen Evangelischen Lehre/ liesse Er sich eifrigst angelegen seyn /                      ungeachtet er darüber nicht wenigen Verdruß nnd Hindernisse/ erdulden und                      ausstehen muste. Sein Nachdencklicher Wahlspruch war dieser <note place="foot">Layritz Geneal. Tab. 6. c. 3.</note></p>
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[367/0415] tige Leute/ indem sie denen Fürsten und andern grossen Männern bey- und zunahmen geben/ wie es ihrer Caprice etwann beliebig ist. Alleine rechtschaffene Historici, sollten die se Müncherey billig ausmustern und einen jeden Printzen/ sonder allen beynahmen/ also entwerffen / wie sein Leben und Thaten es verdienen. Vorgedachter Albertus demnach/ war ein Großmüthiger Herr und Feind der Papistischen Clerisey: dabey er eyferte über seines hohen Hauses jura und sahe wohl/ daß man nicht nur auf dessen/ sondern auch auf aller Protestantischen Reichs-Stände ihre Unterdrückung bedacht war: doch es funden sich hier und dar verschiedene ungleiche Absichten/ daher der tapfere Albertus endlich weichen und nach Pfortzheim ins Exilium gehen muste. Marggraf Georg der Fromme/ aus der alten Marggräflichen Fränckischen/ oder Bayreuthischen Linie, war ein Herr eines ungemein tugendhafften und frommen Wandels/ dabey er sich auch der Gerechtigkeit dermassen beflissen/ daß viele auswärtige/ ihn vor ihren Schiedsmann annahmen und beliebeten. Die Einführung der reinen Evangelischen Lehre/ liesse Er sich eifrigst angelegen seyn / ungeachtet er darüber nicht wenigen Verdruß nnd Hindernisse/ erdulden und ausstehen muste. Sein Nachdencklicher Wahlspruch war dieser GOttes Wort/ das wär nicht schwer Wenn nur der Eigen-Nutz nicht wär. Und gewiß/ dieser grosse Fürst/ hat damit das rechte Pflöckgen getroffen / nemlich/ wo es herrühre/ daß die reine Gottesfurcht mit so vielen Schwierigkeiten umgeben sey; und warum man selbige nicht anderst/ als wie eine höchst sauere Kunst/ durch vieler Jahre Arbeit erlernen/ auch darinnen gleichsam erst seine Jungen/ Gesellen und Meister-Jahre ausstehen müsse/ wäre der Eigen-Nutz ausgerottet/ wir würden von so mancherley aufgebürdeten Secten Nahmen hoffentlich nichts wissen. Der unvergleichliche/ nunmehr hochselige Christian Ernst, stellet ein schönes Bildniß eines tapfern/ Christlichen und Heldenmüthigen Fürstens dar. Denn wie offt hat dieser theure teutsche Held/ im vorigen Teutsch-Frantzösischen Kriege/ zum Besten/ vornehmlich des Hauses Oesterreichs/ und dann auch des Reiches/ sich nicht gewaget? würde nicht die Stadt Rothenburg an der Tauber Anno 1688. ein Schauspiel der Frantzösischen Brandfackel geworden seyn/ wann der tapfere Marggraf zu Brandenburg-Bayreuth / sie nicht davon befreyet gehabt? Dieser unvergleichliche Fürst/ war unter dem Helm erzogen und auch unter selbigem grau geworden/ daher konnte Er solchen abzulegen nicht eher bewogen werden/ als biß die abnehmende Kräffte ihm dieses befohlen. Die Griechen und Römer machen von ihren Helden so viel Wesens/ man lasse ihnen ihre Klopf-Fechter/ unser Teuschland weiß viel bessere und in der That wirckliche Helden aufzuweisen/ derer das Großmächtigste Hauß Brandenburg eine grosse Menge zu erzehlen vermag. Layritz Geneal. Tab. 6. c. 3.

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Zitationshilfe: Zschackwitz, Johann Ehrenfried: Historisch-Genealogischer Schau-Platz. Lemgo, 1724, S. 367. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/zschackwitz_schauplatz_1724/415>, abgerufen am 06.02.2023.