[Spaltenumbruch]Monatli- che Blum versteckt. Samen- fluß/ Frantzo- sen-kranck- heit/ kalte Flüß.Frantzosenholtz-rinden/ Meer-trauben/ Fenchel-samen/ und dergleichen in etlich Maß Wasser siedet/ hernach von diesem ge- seigten Tranck Morgens und Abends ein glaß voll/ oder auch ordinari trincket. Es treibet den Schweiß/ Harn und Monat- blumen heilet den Samenfluß und die Fran- Grieß/ Podagra/ Glieder- kranckheit. Gicht/ Fallende Sucht.tzosen-kranckheit; verzehret die kalten und schmertzhafften Flüsse der Gelencken; Jst gut wider das Grieß/ Podagra und Glieder- kranckheit; vertreibet auch die langwirigen/ und offt widerkommenden Gichter und fal- lende Sucht; linderet allen Haupt-schmer- Haupt- schmertzen/ Brust flüß. Engbrü- stigkeit.tzen/ tröcknet und verzehret die Flüsse der Brust/ macht weit umb das Hertz/ bewah- ret vor Schlagflüssen/ tröcknet/ reiniget und heilet alle böse Geschwär; vertreibet alle Schlag- flüß.Raud. Jst endlich auch nutzlich in giffti- Böse Ge- schwär. Gifftige Fieber.gen Fieberen ordinari zu trincken.
CAPUT CXLII.
[Abbildung]
Stickwurtz. Schmerwurtz.Bryonia.
Namen.
STickwurtz heißt Griechisch/ [fremdsprachliches Material - 4 Zeichen fehlen]- [fremdsprachliches Material - 2 Zeichen fehlen][fremdsprachliches Material - 2 Wörter fehlen]. Lateinisch/ Bryo- nia, Bryonia alba sive aspera baccis ru- bris, & nigris, C. B. Vitis alba. Jtaliänisch/ Brionia, Zugga salvatica, Vite bianco. Fran- tzösisch/ Couleuree, Vigne blanche, Brionie, Bryonen. Spanisch/ Nueza blanca, Anorca blanca, Brionia. Englisch/ Briony/ nip/ white wine. Dänisch/ Valskoeroer/ vild ref/ vild drue/ vilduintroe. Niderländisch/ witte bryonie. Jn Teutscher Sprach nennet man sie auch Zaunrübe/ Schmerwurtzel/ Hunds- kürbs/ Scheißwurtz/ Raßwurtz/ Römische Ruben/ wilder Zitwar und Teufels-kirsche.
Gestalt.
Der Stickwurtz Stengel und Räblein wachsen bald hoch/ gesellen sich mit jhren [Spaltenumbruch]
Zincken oder Fäden an die Zäun/ Hecken/ Mauren/ Stauden/ und was sie erreichen mögen. Die blätter vergleichen sich dem Weinräben-laub/ sind doch kleiner/ raucher/ häriger und eckichter. Bringt kleine bley- weisse Blümlein/ darauß werden runde beerlein/ die sind erstlich grün/ darnach so sie zeitigen/ gantz roth/ an etlichen auch end- lich gantz schwartz/ darinn stecket der Sa- men in zähem klebrigen Safft; Diser Sa- men ist rundlicht und ein wenig spitzig. Sie hat ein ungehewre grosse Wurtzel/ länger als ein Arm/ dick als ein lange dicke Rübe/ zertheilt sich/ ist außwendig Aschenfarb/ in- wendig weiß/ eines zähen schleimigen saffts/ an dem Geschmack bitter/ darzu ein wenig scharff/ streng und widerwärtig/ an dem Geruch starck und unlieblich. Wächst fast allenthalben an den Zäunen und Hecken. Blühet den gantzen Sommer biß in Herbst hinein/ fangt aber bald im ende des Mäyens an zu blühen.
Eigenschafft.
Die Stickwurtz hat ein saurlicht etzendes saltz in seinem safft verborgen/ dannenher die Eigenschafft zu purgieren/ zu eröffnen/ und sonderlich die in dem Leib versessenen Wasser durch den Harn und Stulgang außzuführen.
Gebrauch.
Die schwangeren Weiber sollen sich vor der Stickwurtz hüten/ denn sie die Frucht in Mutter-leib tödtet.
Etliche Land-betrieger schneiden Men- schen-bilder auß dieser Wurtzel/ und ver- kauffen sie für Alraun/ wie in dem Capitel bey der Alraunen wird angezeigt werden.
Sonsten hat der Safft auß der frischen wurtz außgetruckt auff ein/ oder ein und ein halb loth schwer getruncken/ die krafft alle in dem Leib versessene Wasser durch den Stulgang und Harn außzuführen/ hiemit die ansetzende Wassersucht zu heilen: Bene-Wasser- sucht. ben mag er auch die verstopffung der Leber und Miltze eröffnen/ und also die gemeine Gelbsucht/ und schwartze Gelbsucht vertrei-Gelbsucht. Würm/ Kroten/ schlangen im Leib. ben. Er jagt auch nicht nur Würm/ son- dern auch Schlangen/ Kroten und derglei- chen auß dem Leib/ wie solches der berümte Bartholinus in seinen Anmerckungen mit ei- nem sonderlichen Exempel bezeuget.
Die von jhrer rinde befreyte wurtz rein gestossen/ und mit Zucker zu einer dicken Lat- werg gemacht/ von dieser Latwerg täglich zweymahl einer Mußcatnuß groß einge- nommen/ mag endlich die fallende Sucht/Fallende Sucht/ Mutter- gicht. und vielfaltige Muttergicht vertreiben. Ja wenn man nur ein stück dieser wurtzel in das ordinari Tranck legt/ und davon nach be- lieben ein lange zeit trinckt/ kan es die wür-Monatli- che reini- gung be- fürderen. Engbrü- stigkeit. ckung thun. Man mag aber auch wol an- dere anmüthige und nutzliche sachen damit vermischen. Treibt die Monatliche Reini- gung/ macht weit umbs Hertz.
Den Safft auß der frischen wurtzel ge- truckt/ mit Kühmist vermenget/ und alsoOelbein oder schen- ckel. warm auff die ölbein/ oder von wasser auff- geschwollene Glieder/ offt warm gelegt/ be- nimt die Geschwulst nach und nach.
Die frische wurtzel gestossen/ mit Leinöl
ver-
Das Erſte Buch/
[Spaltenumbruch]Monatli- che Blum verſteckt. Samen- fluß/ Frantzo- ſen-kranck- heit/ kalte Fluͤß.Frantzoſenholtz-rinden/ Meer-trauben/ Fenchel-ſamen/ und dergleichen in etlich Maß Waſſer ſiedet/ hernach von dieſem ge- ſeigten Tranck Morgens und Abends ein glaß voll/ oder auch ordinari trincket. Es treibet den Schweiß/ Harn und Monat- blumen heilet den Samenfluß und die Fran- Grieß/ Podagra/ Glieder- kranckheit. Gicht/ Fallende Sucht.tzoſen-kranckheit; verzehret die kalten und ſchmertzhafften Fluͤſſe der Gelencken; Jſt gut wider das Grieß/ Podagra und Glieder- kranckheit; vertreibet auch die langwirigen/ und offt widerkommenden Gichter und fal- lende Sucht; linderet allen Haupt-ſchmer- Haupt- ſchmertzen/ Bruſt fluͤß. Engbruͤ- ſtigkeit.tzen/ troͤcknet und verzehret die Fluͤſſe der Bruſt/ macht weit umb das Hertz/ bewah- ret vor Schlagfluͤſſen/ troͤcknet/ reiniget und heilet alle boͤſe Geſchwaͤr; vertreibet alle Schlag- fluͤß.Raud. Jſt endlich auch nutzlich in giffti- Boͤſe Ge- ſchwaͤr. Gifftige Fieber.gen Fieberen ordinari zu trincken.
CAPUT CXLII.
[Abbildung]
Stickwurtz. Schmerwurtz.Bryonia.
Namen.
STickwurtz heißt Griechiſch/ [fremdsprachliches Material – 4 Zeichen fehlen]- [fremdsprachliches Material – 2 Zeichen fehlen][fremdsprachliches Material – 2 Wörter fehlen]. Lateiniſch/ Bryo- nia, Bryonia alba ſive aſpera baccis ru- bris, & nigris, C. B. Vitis alba. Jtaliaͤniſch/ Brionia, Zugga ſalvatica, Vite bianco. Fran- tzoͤſiſch/ Couleuree, Vigne blanche, Brionie, Bryonen. Spaniſch/ Nueza blanca, Anorca blanca, Brionia. Engliſch/ Briony/ nip/ white wine. Daͤniſch/ Valskoeroer/ vild ref/ vild drue/ vilduintroe. Niderlaͤndiſch/ witte bryonie. Jn Teutſcher Sprach nennet man ſie auch Zaunruͤbe/ Schmerwurtzel/ Hunds- kuͤrbs/ Scheißwurtz/ Raßwurtz/ Roͤmiſche Ruben/ wilder Zitwar und Teufels-kirſche.
Geſtalt.
Der Stickwurtz Stengel und Raͤblein wachſen bald hoch/ geſellen ſich mit jhren [Spaltenumbruch]
Zincken oder Faͤden an die Zaͤun/ Hecken/ Mauren/ Stauden/ und was ſie erꝛeichen moͤgen. Die blaͤtter vergleichen ſich dem Weinraͤben-laub/ ſind doch kleiner/ raucher/ haͤriger und eckichter. Bringt kleine bley- weiſſe Bluͤmlein/ darauß werden runde beerlein/ die ſind erſtlich gruͤn/ darnach ſo ſie zeitigen/ gantz roth/ an etlichen auch end- lich gantz ſchwartz/ darinn ſtecket der Sa- men in zaͤhem klebrigen Safft; Diſer Sa- men iſt rundlicht und ein wenig ſpitzig. Sie hat ein ungehewre groſſe Wurtzel/ laͤnger als ein Arm/ dick als ein lange dicke Ruͤbe/ zertheilt ſich/ iſt außwendig Aſchenfarb/ in- wendig weiß/ eines zaͤhen ſchleimigen ſaffts/ an dem Geſchmack bitter/ darzu ein wenig ſcharff/ ſtreng und widerwaͤrtig/ an dem Geruch ſtarck und unlieblich. Waͤchſt faſt allenthalben an den Zaͤunen und Hecken. Bluͤhet den gantzen Sommer biß in Herbſt hinein/ fangt aber bald im ende des Maͤyens an zu bluͤhen.
Eigenſchafft.
Die Stickwurtz hat ein ſaurlicht etzendes ſaltz in ſeinem ſafft verborgen/ dannenher die Eigenſchafft zu purgieren/ zu eroͤffnen/ und ſonderlich die in dem Leib verſeſſenen Waſſer durch den Harn und Stulgang außzufuͤhren.
Gebrauch.
Die ſchwangeren Weiber ſollen ſich vor der Stickwurtz huͤten/ denn ſie die Frucht in Mutter-leib toͤdtet.
Etliche Land-betrieger ſchneiden Men- ſchen-bilder auß dieſer Wurtzel/ und ver- kauffen ſie fuͤr Alraun/ wie in dem Capitel bey der Alraunen wird angezeigt werden.
Sonſten hat der Safft auß der friſchen wurtz außgetruckt auff ein/ oder ein und ein halb loth ſchwer getruncken/ die krafft alle in dem Leib verſeſſene Waſſer durch den Stulgang und Harn außzufuͤhren/ hiemit die anſetzende Waſſerſucht zu heilen: Bene-Waſſer- ſucht. ben mag er auch die verſtopffung der Leber und Miltze eroͤffnen/ und alſo die gemeine Gelbſucht/ und ſchwartze Gelbſucht vertrei-Gelbſucht. Wuͤrm/ Kroten/ ſchlangen im Leib. ben. Er jagt auch nicht nur Wuͤrm/ ſon- dern auch Schlangen/ Kroten und derglei- chen auß dem Leib/ wie ſolches der beruͤmte Bartholinus in ſeinen Anmerckungen mit ei- nem ſonderlichen Exempel bezeuget.
Die von jhrer rinde befreyte wurtz rein geſtoſſen/ und mit Zucker zu einer dicken Lat- werg gemacht/ von dieſer Latwerg taͤglich zweymahl einer Mußcatnuß groß einge- nommen/ mag endlich die fallende Sucht/Fallende Sucht/ Mutter- gicht. und vielfaltige Muttergicht vertreiben. Ja wenn man nur ein ſtuͤck dieſer wurtzel in das ordinari Tranck legt/ und davon nach be- lieben ein lange zeit trinckt/ kan es die wuͤr-Monatli- che reini- gung be- fuͤrderen. Engbruͤ- ſtigkeit. ckung thun. Man mag aber auch wol an- dere anmuͤthige und nutzliche ſachen damit vermiſchen. Treibt die Monatliche Reini- gung/ macht weit umbs Hertz.
Den Safft auß der friſchen wurtzel ge- truckt/ mit Kuͤhmiſt vermenget/ und alſoOelbein oder ſchen- ckel. warm auff die oͤlbein/ oder von waſſer auff- geſchwollene Glieder/ offt warm gelegt/ be- nimt die Geſchwulſt nach und nach.
Die friſche wurtzel geſtoſſen/ mit Leinoͤl
ver-
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[254/0270]
Das Erſte Buch/
Frantzoſenholtz-rinden/ Meer-trauben/
Fenchel-ſamen/ und dergleichen in etlich
Maß Waſſer ſiedet/ hernach von dieſem ge-
ſeigten Tranck Morgens und Abends ein
glaß voll/ oder auch ordinari trincket. Es
treibet den Schweiß/ Harn und Monat-
blumen heilet den Samenfluß und die Fran-
tzoſen-kranckheit; verzehret die kalten und
ſchmertzhafften Fluͤſſe der Gelencken; Jſt
gut wider das Grieß/ Podagra und Glieder-
kranckheit; vertreibet auch die langwirigen/
und offt widerkommenden Gichter und fal-
lende Sucht; linderet allen Haupt-ſchmer-
tzen/ troͤcknet und verzehret die Fluͤſſe der
Bruſt/ macht weit umb das Hertz/ bewah-
ret vor Schlagfluͤſſen/ troͤcknet/ reiniget
und heilet alle boͤſe Geſchwaͤr; vertreibet alle
Raud. Jſt endlich auch nutzlich in giffti-
gen Fieberen ordinari zu trincken.
Monatli-
che Blum
verſteckt.
Samen-
fluß/
Frantzo-
ſen-kranck-
heit/ kalte
Fluͤß.
Grieß/
Podagra/
Glieder-
kranckheit.
Gicht/
Fallende
Sucht.
Haupt-
ſchmertzen/
Bruſt fluͤß.
Engbruͤ-
ſtigkeit.
Schlag-
fluͤß.
Boͤſe Ge-
ſchwaͤr.
Gifftige
Fieber.
CAPUT CXLII.
[Abbildung Stickwurtz. Schmerwurtz. Bryonia.
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Namen.
STickwurtz heißt Griechiſch/ ____-
__ __. Lateiniſch/ Bryo-
nia, Bryonia alba ſive aſpera baccis ru-
bris, & nigris, C. B. Vitis alba. Jtaliaͤniſch/
Brionia, Zugga ſalvatica, Vite bianco. Fran-
tzoͤſiſch/ Couleuree, Vigne blanche, Brionie,
Bryonen. Spaniſch/ Nueza blanca, Anorca
blanca, Brionia. Engliſch/ Briony/ nip/
white wine. Daͤniſch/ Valskoeroer/ vild ref/
vild drue/ vilduintroe. Niderlaͤndiſch/ witte
bryonie. Jn Teutſcher Sprach nennet man
ſie auch Zaunruͤbe/ Schmerwurtzel/ Hunds-
kuͤrbs/ Scheißwurtz/ Raßwurtz/ Roͤmiſche
Ruben/ wilder Zitwar und Teufels-kirſche.
Geſtalt.
Der Stickwurtz Stengel und Raͤblein
wachſen bald hoch/ geſellen ſich mit jhren
Zincken oder Faͤden an die Zaͤun/ Hecken/
Mauren/ Stauden/ und was ſie erꝛeichen
moͤgen. Die blaͤtter vergleichen ſich dem
Weinraͤben-laub/ ſind doch kleiner/ raucher/
haͤriger und eckichter. Bringt kleine bley-
weiſſe Bluͤmlein/ darauß werden runde
beerlein/ die ſind erſtlich gruͤn/ darnach ſo
ſie zeitigen/ gantz roth/ an etlichen auch end-
lich gantz ſchwartz/ darinn ſtecket der Sa-
men in zaͤhem klebrigen Safft; Diſer Sa-
men iſt rundlicht und ein wenig ſpitzig. Sie
hat ein ungehewre groſſe Wurtzel/ laͤnger
als ein Arm/ dick als ein lange dicke Ruͤbe/
zertheilt ſich/ iſt außwendig Aſchenfarb/ in-
wendig weiß/ eines zaͤhen ſchleimigen ſaffts/
an dem Geſchmack bitter/ darzu ein wenig
ſcharff/ ſtreng und widerwaͤrtig/ an dem
Geruch ſtarck und unlieblich. Waͤchſt faſt
allenthalben an den Zaͤunen und Hecken.
Bluͤhet den gantzen Sommer biß in Herbſt
hinein/ fangt aber bald im ende des Maͤyens
an zu bluͤhen.
Eigenſchafft.
Die Stickwurtz hat ein ſaurlicht etzendes
ſaltz in ſeinem ſafft verborgen/ dannenher
die Eigenſchafft zu purgieren/ zu eroͤffnen/
und ſonderlich die in dem Leib verſeſſenen
Waſſer durch den Harn und Stulgang
außzufuͤhren.
Gebrauch.
Die ſchwangeren Weiber ſollen ſich vor
der Stickwurtz huͤten/ denn ſie die Frucht in
Mutter-leib toͤdtet.
Etliche Land-betrieger ſchneiden Men-
ſchen-bilder auß dieſer Wurtzel/ und ver-
kauffen ſie fuͤr Alraun/ wie in dem Capitel
bey der Alraunen wird angezeigt werden.
Sonſten hat der Safft auß der friſchen
wurtz außgetruckt auff ein/ oder ein und ein
halb loth ſchwer getruncken/ die krafft alle
in dem Leib verſeſſene Waſſer durch den
Stulgang und Harn außzufuͤhren/ hiemit
die anſetzende Waſſerſucht zu heilen: Bene-
ben mag er auch die verſtopffung der Leber
und Miltze eroͤffnen/ und alſo die gemeine
Gelbſucht/ und ſchwartze Gelbſucht vertrei-
ben. Er jagt auch nicht nur Wuͤrm/ ſon-
dern auch Schlangen/ Kroten und derglei-
chen auß dem Leib/ wie ſolches der beruͤmte
Bartholinus in ſeinen Anmerckungen mit ei-
nem ſonderlichen Exempel bezeuget.
Waſſer-
ſucht.
Gelbſucht.
Wuͤrm/
Kroten/
ſchlangen
im Leib.
Die von jhrer rinde befreyte wurtz rein
geſtoſſen/ und mit Zucker zu einer dicken Lat-
werg gemacht/ von dieſer Latwerg taͤglich
zweymahl einer Mußcatnuß groß einge-
nommen/ mag endlich die fallende Sucht/
und vielfaltige Muttergicht vertreiben. Ja
wenn man nur ein ſtuͤck dieſer wurtzel in das
ordinari Tranck legt/ und davon nach be-
lieben ein lange zeit trinckt/ kan es die wuͤr-
ckung thun. Man mag aber auch wol an-
dere anmuͤthige und nutzliche ſachen damit
vermiſchen. Treibt die Monatliche Reini-
gung/ macht weit umbs Hertz.
Fallende
Sucht/
Mutter-
gicht.
Monatli-
che reini-
gung be-
fuͤrderen.
Engbruͤ-
ſtigkeit.
Den Safft auß der friſchen wurtzel ge-
truckt/ mit Kuͤhmiſt vermenget/ und alſo
warm auff die oͤlbein/ oder von waſſer auff-
geſchwollene Glieder/ offt warm gelegt/ be-
nimt die Geſchwulſt nach und nach.
Oelbein
oder ſchen-
ckel.
Die friſche wurtzel geſtoſſen/ mit Leinoͤl
ver-
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Mattioli, Pietro Andrea: Theatrvm Botanicvm, Das ist: Neu Vollkommenes Kräuter-Buch (Übers. Theodor Zwinger). Basel, 1690, S. 254. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/zwinger_theatrum_1690/270>, abgerufen am 25.09.2024.
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