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Hahnen, Gottfried: Das Abgewogene Leiden Gott-seliger Christen in der Welt. Breslau, [1669].

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Reich Arabien sprach zu Salomo: Es ist wahr/ was
ich in meinem Lande gehöret habe von deinem Wesen
und von deiner Weißheit/ und ich habs nicht wollen
gläuben/ biß ich kommen bin/ und habs mit meinen Au-
gen gesehen. Und sihe/ es ist mir nicht die Helffe gesagt/
du hast mehr Weißheit und Guts/ denn das Gericht ist/
das ich gehöret habe/ 1. Reg. 10. v. 7. So werden die
Frommen im ewigen Leben/ zu jhrem himmlischen Köni-
ge/ dem HERRN JESU/ sagen: Es ist wahr/
liebster JESU/ es ist wahr/ was wir in jenem Leben
von Dir und deiner Herrligkeit gehöret haben[;] Und
wir habens nicht können gläuben/ biß wir kommen sind/
und habens mit unsern Augen gesehen. Sihe/ liebster
JESU/ es ist uns nicht die Helffte gesaget/ wiewol
unser Menschliches Hertze es auch damals nicht hätte
verstehen können[;] Es ist mehr Freude/ Wonne und
Herrligkeit im Himmel/ denn das Gerücht ist/ daß wir
in der Welt gehöret haben. Da stehen sie nu/ als die
gekröneten Himmels Könige/ angethan mit weissen
Kleidern/ und Palmen in jhren Händen. Und das kur-
tze Leiden dieser Zeit/ ist jhnen zu einer ewigen Herr-
ligkeit worden.
Hiemit tröstet euch/ jhr lieben Creutz-
Träger/ in eurem Leiden!

Wendet noch einstes eure Gedancken auff den seel.Applicatio
ad beatum
Defunctum.

Verstorbenen Herrn von Zedlitz/ unsern gewesenen
treuen Landes-Vater. Jch achte nicht vor nöthig/
sein ohn diß bekantes/ wolgeführtes und höchst-ruhm-
liches Christenthum jtzo weitläufftig zu gedencken.
Melde nur dieses/ daß es jhm eben darumb an Creutz
und Leiden
nicht gefehlet habe. Solte ichs etlicher mas-
sen erzehlen/ was würde für ein groß Register hervor

kom-
C iij

Reich Arabien ſprach zu Salomo: Es iſt wahr/ was
ich in meinem Lande gehoͤret habe von deinem Weſen
und von deiner Weißheit/ und ich habs nicht wollen
glaͤuben/ biß ich kommen bin/ und habs mit meinen Au-
gen geſehen. Und ſihe/ es iſt mir nicht die Helffe geſagt/
du haſt mehr Weißheit und Guts/ denn das Gericht iſt/
das ich gehoͤret habe/ 1. Reg. 10. v. 7. So werden die
Frommen im ewigen Leben/ zu jhrem him̃liſchen Koͤni-
ge/ dem HERRN JESU/ ſagen: Es iſt wahr/
liebſter JESU/ es iſt wahr/ was wir in jenem Leben
von Dir und deiner Herꝛligkeit gehoͤret haben[;] Und
wir habens nicht koͤnnen glaͤuben/ biß wir kommen ſind/
und habens mit unſern Augen geſehen. Sihe/ liebſter
JESU/ es iſt uns nicht die Helffte geſaget/ wiewol
unſer Menſchliches Hertze es auch damals nicht haͤtte
verſtehen koͤnnen[;] Es iſt mehr Freude/ Wonne und
Herꝛligkeit im Himmel/ denn das Geruͤcht iſt/ daß wir
in der Welt gehoͤret haben. Da ſtehen ſie nu/ als die
gekroͤneten Himmels Koͤnige/ angethan mit weiſſen
Kleidern/ und Palmen in jhren Haͤnden. Und das kur-
tze Leiden dieſer Zeit/ iſt jhnen zu einer ewigen Herꝛ-
ligkeit worden.
Hiemit troͤſtet euch/ jhr lieben Creutz-
Traͤger/ in eurem Leiden!

Wendet noch einſtes eure Gedancken auff den ſeel.Applicatio
ad beatum
Defũctum.

Verſtorbenen Herꝛn von Zedlitz/ unſern geweſenen
treuen Landes-Vater. Jch achte nicht vor noͤthig/
ſein ohn diß bekantes/ wolgefuͤhrtes und hoͤchſt-růhm-
liches Chriſtenthum jtzo weitlaͤufftig zu gedencken.
Melde nur dieſes/ daß es jhm eben darumb an Creutz
und Leiden
nicht gefehlet habe. Solte ichs etlicher maſ-
ſen erzehlen/ was wuͤrde fuͤr ein groß Regiſter hervor

kom-
C iij
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[[21]/0021] Reich Arabien ſprach zu Salomo: Es iſt wahr/ was ich in meinem Lande gehoͤret habe von deinem Weſen und von deiner Weißheit/ und ich habs nicht wollen glaͤuben/ biß ich kommen bin/ und habs mit meinen Au- gen geſehen. Und ſihe/ es iſt mir nicht die Helffe geſagt/ du haſt mehr Weißheit und Guts/ denn das Gericht iſt/ das ich gehoͤret habe/ 1. Reg. 10. v. 7. So werden die Frommen im ewigen Leben/ zu jhrem him̃liſchen Koͤni- ge/ dem HERRN JESU/ ſagen: Es iſt wahr/ liebſter JESU/ es iſt wahr/ was wir in jenem Leben von Dir und deiner Herꝛligkeit gehoͤret haben; Und wir habens nicht koͤnnen glaͤuben/ biß wir kommen ſind/ und habens mit unſern Augen geſehen. Sihe/ liebſter JESU/ es iſt uns nicht die Helffte geſaget/ wiewol unſer Menſchliches Hertze es auch damals nicht haͤtte verſtehen koͤnnen; Es iſt mehr Freude/ Wonne und Herꝛligkeit im Himmel/ denn das Geruͤcht iſt/ daß wir in der Welt gehoͤret haben. Da ſtehen ſie nu/ als die gekroͤneten Himmels Koͤnige/ angethan mit weiſſen Kleidern/ und Palmen in jhren Haͤnden. Und das kur- tze Leiden dieſer Zeit/ iſt jhnen zu einer ewigen Herꝛ- ligkeit worden. Hiemit troͤſtet euch/ jhr lieben Creutz- Traͤger/ in eurem Leiden! Wendet noch einſtes eure Gedancken auff den ſeel. Verſtorbenen Herꝛn von Zedlitz/ unſern geweſenen treuen Landes-Vater. Jch achte nicht vor noͤthig/ ſein ohn diß bekantes/ wolgefuͤhrtes und hoͤchſt-růhm- liches Chriſtenthum jtzo weitlaͤufftig zu gedencken. Melde nur dieſes/ daß es jhm eben darumb an Creutz und Leiden nicht gefehlet habe. Solte ichs etlicher maſ- ſen erzehlen/ was wuͤrde fuͤr ein groß Regiſter hervor kom- Applicatio ad beatum Defũctum. C iij

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Zitationshilfe: Hahnen, Gottfried: Das Abgewogene Leiden Gott-seliger Christen in der Welt. Breslau, [1669], S. [21]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/354494/21>, abgerufen am 28.03.2020.