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Henel, Christoph: Die itzt abfallende und wandernde Blätter Als Ein Bilde des Lebens und Außganges. Schlichtingsheim, [1692].

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und wandernde Blätter.
starck und kräfftig genung seyn/ ihr Klagen zu legen/ ihr Trau-
ren zu mindern/ und ihre Thränen abzuwischen; Sie aber
dargegen zu Christlicher Gedult und Gelassenheit/ auch frö-
liche Hoffnung/ auffzurichten. Und ich/ nachdem ich in der
letzten Ehre der Wohl-Seel. Frauen von Glaubitzin
heute auffgetretten und dero Hoch-Adel. angestellte Fune-
raillen
mit einer Stations-Rede unwürdigst beehren soll;
Weiß auch kaum besser mich meiner aufgenommenen Pflicht
und Schuldigkeit zu entschütten/ als wenn ich mich bemühen
werde/ solche Gottgelassene Gedancken in Jhnen noch fer-
ner zu unterhalten; Der Wohl-seel. Frau Glaubitzin
aber zu guter letzte noch ein Ehren-Denckmal und Gedächt-
nüs unter Jhnen auffzurichten/ darbey Jhrer Vornehmen
Ankunfft/ ihres wohlgeführten Tugend-Wandels/ auch
Christl. Außganges und seeligen Endes/ so denn drauff ge-
folgter Herrligkeit und Seeligkeit/ gebührends gedacht wer-
de. Und dieses getraue mir/ obwohl nicht nach Würden/ je-
doch nach Vermögen in etwas/ zu entwerffen und vorzu-
stellen in dem Gemählde und Bilde/ davon ich bald Erstlich
angefangen/ nemlich in dem Gemählde undBilde der wan-
dernden Blätter:
Darzu mir nicht allein die gegenwär-
tige Herbst-Zeit/ und die darinn fallenden und wandernden
Blätter/ sondern auch zum Theil der Seel. Fr. Glaubitzin
angebohrnes Stamm-und Geschlechts-Wapen/ (darinnen
eine See-Blume mit ihren Stengeln und Blättern gar ei-
gentlich enthalten/) Anleitung und Gelegenheit geben soll
und wird. Jndem nun solches thue und vorhabe/ und Jh-
nen unter dem Bilde der wandernden Blätter die Wol-

Seel.
C

und wandernde Blaͤtter.
ſtarck und kraͤfftig genung ſeyn/ ihꝛ Klagen zu legen/ ihꝛ Trau-
ren zu mindern/ und ihre Thraͤnen abzuwiſchen; Sie aber
dargegen zu Chriſtlicheꝛ Gedult und Gelaſſenheit/ auch froͤ-
liche Hoffnung/ auffzurichten. Und ich/ nachdem ich in der
letzten Ehre der Wohl-Seel. Frauen von Glaubitzin
heute auffgetretten und dero Hoch-Adel. angeſtellte Fune-
raillen
mit einer Stations-Rede unwuͤrdigſt beehren ſoll;
Weiß auch kaum beſſer mich meiner aufgenom̃enen Pflicht
und Schuldigkeit zu entſchuͤtten/ als weñ ich mich bemuͤhen
werde/ ſolche Gottgelaſſene Gedancken in Jhnen noch fer-
ner zu unterhalten; Der Wohl-ſeel. Frau Glaubitzin
aber zu guter letzte noch ein Ehren-Denckmal und Gedaͤcht-
nuͤs unter Jhnen auffzurichten/ darbey Jhrer Vornehmen
Ankunfft/ ihres wohlgefuͤhrten Tugend-Wandels/ auch
Chriſtl. Außganges und ſeeligen Endes/ ſo denn drauff ge-
folgter Herꝛligkeit und Seeligkeit/ gebuͤhrends gedacht wer-
de. Und dieſes getraue mir/ obwohl nicht nach Wuͤrden/ je-
doch nach Vermoͤgen in etwas/ zu entwerffen und vorzu-
ſtellen in dem Gemaͤhlde und Bilde/ davon ich bald Erſtlich
angefangen/ nemlich in dem Gemaͤhlde undBilde der wan-
dernden Blaͤtter:
Darzu mir nicht allein die gegenwaͤr-
tige Herbſt-Zeit/ und die dariñ fallenden und wandernden
Blaͤtter/ ſondern auch zum Theil der Seel. Fr. Glaubitzin
angebohrnes Stam̃-und Geſchlechts-Wapen/ (darinnen
eine See-Blume mit ihren Stengeln und Blaͤttern gar ei-
gentlich enthalten/) Anleitung und Gelegenheit geben ſoll
und wird. Jndem nun ſolches thue und vorhabe/ und Jh-
nen unter dem Bilde der wandernden Blaͤtter die Wol-

Seel.
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[17/0017] und wandernde Blaͤtter. ſtarck und kraͤfftig genung ſeyn/ ihꝛ Klagen zu legen/ ihꝛ Trau- ren zu mindern/ und ihre Thraͤnen abzuwiſchen; Sie aber dargegen zu Chriſtlicheꝛ Gedult und Gelaſſenheit/ auch froͤ- liche Hoffnung/ auffzurichten. Und ich/ nachdem ich in der letzten Ehre der Wohl-Seel. Frauen von Glaubitzin heute auffgetretten und dero Hoch-Adel. angeſtellte Fune- raillen mit einer Stations-Rede unwuͤrdigſt beehren ſoll; Weiß auch kaum beſſer mich meiner aufgenom̃enen Pflicht und Schuldigkeit zu entſchuͤtten/ als weñ ich mich bemuͤhen werde/ ſolche Gottgelaſſene Gedancken in Jhnen noch fer- ner zu unterhalten; Der Wohl-ſeel. Frau Glaubitzin aber zu guter letzte noch ein Ehren-Denckmal und Gedaͤcht- nuͤs unter Jhnen auffzurichten/ darbey Jhrer Vornehmen Ankunfft/ ihres wohlgefuͤhrten Tugend-Wandels/ auch Chriſtl. Außganges und ſeeligen Endes/ ſo denn drauff ge- folgter Herꝛligkeit und Seeligkeit/ gebuͤhrends gedacht wer- de. Und dieſes getraue mir/ obwohl nicht nach Wuͤrden/ je- doch nach Vermoͤgen in etwas/ zu entwerffen und vorzu- ſtellen in dem Gemaͤhlde und Bilde/ davon ich bald Erſtlich angefangen/ nemlich in dem Gemaͤhlde undBilde der wan- dernden Blaͤtter: Darzu mir nicht allein die gegenwaͤr- tige Herbſt-Zeit/ und die dariñ fallenden und wandernden Blaͤtter/ ſondern auch zum Theil der Seel. Fr. Glaubitzin angebohrnes Stam̃-und Geſchlechts-Wapen/ (darinnen eine See-Blume mit ihren Stengeln und Blaͤttern gar ei- gentlich enthalten/) Anleitung und Gelegenheit geben ſoll und wird. Jndem nun ſolches thue und vorhabe/ und Jh- nen unter dem Bilde der wandernden Blaͤtter die Wol- Seel. C

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Zitationshilfe: Henel, Christoph: Die itzt abfallende und wandernde Blätter Als Ein Bilde des Lebens und Außganges. Schlichtingsheim, [1692], S. 17. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/359521/17>, abgerufen am 19.03.2019.