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Adolph, Christian: Daktulion (he)pomnematikon. Breslau, 1641.

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Du meiner Augen Trost/ es würde von dir haben
Mein Alt verlebter Leib/ daß er sich könte laben/
Trost/ Labsal/ Hülff vnd Lust/ du soltest bey mir stehn/
Wenn auß deß Leibes wust die Seele solte gehn/
Vnd Himmel fahren an. Ach aber! Jch bin kommen
Jn eine solche Zeit/ da gantz von mir genommen
Was ich verhoffete; da ich beraubt muß sein
O Tochter/ deiner Trew. O allzuschwere Pein!
Auch jhre Tochter steht mit Hochbetrübtem Hertzen
Vnd schawt dem Sarge nach/ sie schlägt vor tieffen Schmertzen
Die Augen vnter sich/ weil die so sie geliebt/
So sie gebohren hat/ vnd gegen jhr geübt
Ein trewes Mutter Hertz/ in dem Sie sie erzogen
Jn Zucht vnd Höffligkeit/ Sie embsiglich gepflogen
Wie einer Mutter ziembt/ ja derer Hertzens Trew
Jn jhrer föderung war alle Morgen new/
Hat müssen jetzt (wie wol nach Gottes Rath) erleiden
Der Parcen rawe macht/ vnd von jhr gäntzlich scheiden.
Jn das Gestirnte Hauß. Nicht minder ist betrübt
Die Andre welche ward gleichfals von jhr geliebt
Nach rechter Mutter art. Die Freund' hat eingenommen
Die schwartze Trawrigkeit/ weil jhnen weg ist kommen
Deß Stammes werthe Zier; ein Freund so jederzeit
Sich jhnen zeigete in süsser Freundligkeit.
Jch selbst kan nicht vorbey/ wenn ich bey mir betrachte
Jhr redliches Gemüth' vnd gleichfals auch erachte
Wie Sie zu jederzeit getragen grosse Gunst
Zu rechter Wissenschafft der Armen Musen Kunst/
So
K iij
Du meiner Augen Troſt/ es wuͤrde von dir haben
Mein Alt verlebter Leib/ daß er ſich koͤnte laben/
Troſt/ Labſal/ Huͤlff vnd Luſt/ du ſolteſt bey mir ſtehn/
Wenn auß deß Leibes wuſt die Seele ſolte gehn/
Vnd Himmel fahren an. Ach aber! Jch bin kommen
Jn eine ſolche Zeit/ da gantz von mir genommen
Was ich verhoffete; da ich beraubt muß ſein
O Tochter/ deiner Trew. O allzuſchwere Pein!
Auch jhre Tochter ſteht mit Hochbetruͤbtem Hertzen
Vnd ſchawt dem Sarge nach/ ſie ſchlaͤgt vor tieffen Schmertzen
Die Augen vnter ſich/ weil die ſo ſie geliebt/
So ſie gebohren hat/ vnd gegen jhr geuͤbt
Ein trewes Mutter Hertz/ in dem Sie ſie erzogen
Jn Zucht vnd Hoͤffligkeit/ Sie embſiglich gepflogen
Wie einer Mutter ziembt/ ja derer Hertzens Trew
Jn jhrer foͤderung war alle Morgen new/
Hat muͤſſen jetzt (wie wol nach Gottes Rath) erleiden
Der Parcen rawe macht/ vnd von jhr gaͤntzlich ſcheiden.
Jn das Geſtirnte Hauß. Nicht minder iſt betruͤbt
Die Andre welche ward gleichfals von jhr geliebt
Nach rechter Mutter art. Die Freund’ hat eingenommen
Die ſchwartze Trawrigkeit/ weil jhnen weg iſt kommen
Deß Stammes werthe Zier; ein Freund ſo jederzeit
Sich jhnen zeigete in ſuͤſſer Freundligkeit.
Jch ſelbſt kan nicht vorbey/ wenn ich bey mir betrachte
Jhr redliches Gemuͤth’ vnd gleichfals auch erachte
Wie Sie zu jederzeit getragen groſſe Gunſt
Zu rechter Wiſſenſchafft der Armen Muſen Kunſt/
So
K iij
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[[77]/0077] Du meiner Augen Troſt/ es wuͤrde von dir haben Mein Alt verlebter Leib/ daß er ſich koͤnte laben/ Troſt/ Labſal/ Huͤlff vnd Luſt/ du ſolteſt bey mir ſtehn/ Wenn auß deß Leibes wuſt die Seele ſolte gehn/ Vnd Himmel fahren an. Ach aber! Jch bin kommen Jn eine ſolche Zeit/ da gantz von mir genommen Was ich verhoffete; da ich beraubt muß ſein O Tochter/ deiner Trew. O allzuſchwere Pein! Auch jhre Tochter ſteht mit Hochbetruͤbtem Hertzen Vnd ſchawt dem Sarge nach/ ſie ſchlaͤgt vor tieffen Schmertzen Die Augen vnter ſich/ weil die ſo ſie geliebt/ So ſie gebohren hat/ vnd gegen jhr geuͤbt Ein trewes Mutter Hertz/ in dem Sie ſie erzogen Jn Zucht vnd Hoͤffligkeit/ Sie embſiglich gepflogen Wie einer Mutter ziembt/ ja derer Hertzens Trew Jn jhrer foͤderung war alle Morgen new/ Hat muͤſſen jetzt (wie wol nach Gottes Rath) erleiden Der Parcen rawe macht/ vnd von jhr gaͤntzlich ſcheiden. Jn das Geſtirnte Hauß. Nicht minder iſt betruͤbt Die Andre welche ward gleichfals von jhr geliebt Nach rechter Mutter art. Die Freund’ hat eingenommen Die ſchwartze Trawrigkeit/ weil jhnen weg iſt kommen Deß Stammes werthe Zier; ein Freund ſo jederzeit Sich jhnen zeigete in ſuͤſſer Freundligkeit. Jch ſelbſt kan nicht vorbey/ wenn ich bey mir betrachte Jhr redliches Gemuͤth’ vnd gleichfals auch erachte Wie Sie zu jederzeit getragen groſſe Gunſt Zu rechter Wiſſenſchafft der Armen Muſen Kunſt/ So K iij

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Zitationshilfe: Adolph, Christian: Daktulion (he)pomnematikon. Breslau, 1641, S. [77]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/386427/77>, abgerufen am 01.10.2020.