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Arent, Wilhelm (Hrsg.): Moderne Dichter-Charaktere. Leipzig, [1885].

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Johannes Bohne.
Hörst du des Herzens wildgepreßtes Aechzen,
Wie es erzuckt von alten Qualen?
O lass' es länger nicht nach Liebe lechzen
Und bluten wie aus tausend Malen.
Nick' mir Gewährung mit den finstern Brauen,
Lass' fühlen mich das wunderbare Grauen,
Die Schmerzenslust am Sein bei deinem Wehen,
Die Seligkeit in deinem Athem zu vergehen.
Die Schöpfung hat erweckt aus ihren Träumen
Dein großer Ruf, dein schweres Grollen,
Ich fühl' sie sich in mir und um mich bäumen,
Wenn deine Blitze zucken, Donner rollen.
Hier stehe ich! Wie meine Haare fliegen
Und eng sich fürchtend um die Schläfe schmiegen!
Wie meine Brust sich weitet, daß sie ganz dich fasse
Und nimmer deinen Geist aus ihren Tiefen lasse.
Du zogst an mir vorbei mit grellen Schlägen
Und Flammenschein und Sturmestosen --
Du gabst mir den gewalt'gen Vatersegen
Und Hoffnung mir dem Hoffnungslosen?
Dem Herzen schwand, was feige es durchzittert
Und deines Athems Hauch mich noch umwittert --
Fern deine Wolken starr'n wie eis'ge Bergeshöh'n ...
Die Sonne feiert bald blutroth ihr Auferstehn. -- -- -- -- --


Gloria.

Originalbeitrag.

Was ist der Ruhm? Ein luftig Traumgebild,
Das wesenlos vor trunk'nen Blicken schaukelt
Und gold'ne Träume vor die Seele gaukelt
Und nimmer euer glühend Sehnen stillt.
Greift ihr danach, es schwindet, es zerrinnt
Und flieht in unermeßlich ferne Weiten,
Den Weg kann keines Ird'schen Fuß beschreiten,
Was auch das Herz erhofft, das Hirn ersinnt.

Johannes Bohne.
Hörſt du des Herzens wildgepreßtes Aechzen,
Wie es erzuckt von alten Qualen?
O laſſ’ es länger nicht nach Liebe lechzen
Und bluten wie aus tauſend Malen.
Nick’ mir Gewährung mit den finſtern Brauen,
Laſſ’ fühlen mich das wunderbare Grauen,
Die Schmerzensluſt am Sein bei deinem Wehen,
Die Seligkeit in deinem Athem zu vergehen.
Die Schöpfung hat erweckt aus ihren Träumen
Dein großer Ruf, dein ſchweres Grollen,
Ich fühl’ ſie ſich in mir und um mich bäumen,
Wenn deine Blitze zucken, Donner rollen.
Hier ſtehe ich! Wie meine Haare fliegen
Und eng ſich fürchtend um die Schläfe ſchmiegen!
Wie meine Bruſt ſich weitet, daß ſie ganz dich faſſe
Und nimmer deinen Geiſt aus ihren Tiefen laſſe.
Du zogſt an mir vorbei mit grellen Schlägen
Und Flammenſchein und Sturmestoſen —
Du gabſt mir den gewalt’gen Vaterſegen
Und Hoffnung mir dem Hoffnungsloſen?
Dem Herzen ſchwand, was feige es durchzittert
Und deines Athems Hauch mich noch umwittert —
Fern deine Wolken ſtarr’n wie eiſ’ge Bergeshöh’n …
Die Sonne feiert bald blutroth ihr Auferſtehn. — — — — —


Gloria.

Originalbeitrag.

Was iſt der Ruhm? Ein luftig Traumgebild,
Das weſenlos vor trunk’nen Blicken ſchaukelt
Und gold’ne Träume vor die Seele gaukelt
Und nimmer euer glühend Sehnen ſtillt.
Greift ihr danach, es ſchwindet, es zerrinnt
Und flieht in unermeßlich ferne Weiten,
Den Weg kann keines Ird’ſchen Fuß beſchreiten,
Was auch das Herz erhofft, das Hirn erſinnt.

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[114/0132] Johannes Bohne. Hörſt du des Herzens wildgepreßtes Aechzen, Wie es erzuckt von alten Qualen? O laſſ’ es länger nicht nach Liebe lechzen Und bluten wie aus tauſend Malen. Nick’ mir Gewährung mit den finſtern Brauen, Laſſ’ fühlen mich das wunderbare Grauen, Die Schmerzensluſt am Sein bei deinem Wehen, Die Seligkeit in deinem Athem zu vergehen. Die Schöpfung hat erweckt aus ihren Träumen Dein großer Ruf, dein ſchweres Grollen, Ich fühl’ ſie ſich in mir und um mich bäumen, Wenn deine Blitze zucken, Donner rollen. Hier ſtehe ich! Wie meine Haare fliegen Und eng ſich fürchtend um die Schläfe ſchmiegen! Wie meine Bruſt ſich weitet, daß ſie ganz dich faſſe Und nimmer deinen Geiſt aus ihren Tiefen laſſe. Du zogſt an mir vorbei mit grellen Schlägen Und Flammenſchein und Sturmestoſen — Du gabſt mir den gewalt’gen Vaterſegen Und Hoffnung mir dem Hoffnungsloſen? Dem Herzen ſchwand, was feige es durchzittert Und deines Athems Hauch mich noch umwittert — Fern deine Wolken ſtarr’n wie eiſ’ge Bergeshöh’n … Die Sonne feiert bald blutroth ihr Auferſtehn. — — — — — Gloria. Originalbeitrag. Was iſt der Ruhm? Ein luftig Traumgebild, Das weſenlos vor trunk’nen Blicken ſchaukelt Und gold’ne Träume vor die Seele gaukelt Und nimmer euer glühend Sehnen ſtillt. Greift ihr danach, es ſchwindet, es zerrinnt Und flieht in unermeßlich ferne Weiten, Den Weg kann keines Ird’ſchen Fuß beſchreiten, Was auch das Herz erhofft, das Hirn erſinnt.

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Zitationshilfe: Arent, Wilhelm (Hrsg.): Moderne Dichter-Charaktere. Leipzig, [1885], S. 114. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/arent_dichtercharaktere_1885/132>, abgerufen am 23.02.2019.