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Arent, Wilhelm (Hrsg.): Moderne Dichter-Charaktere. Leipzig, [1885].

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Karl Henckell.

Hast getobt und
Hast gezittert,
Wie die Brandung,
Wenn sie schwillt!
Diese Zeiten
Sind gewaltig,
Bringen Herz und
Hirn in Noth --
Ruhe, ruhe,
Meine Seele,
Und vergiß,
Was dich bedroht!


Es ist ein Kampf ...

Originalbeitrag.

Es ist ein Kampf, kein and'rer kommt ihm gleich --
Nicht, wenn in offner Feldschlacht du die Brust
Dem Feind entgegenwirfst, die panzerlose,
Und tausend Schwerter blitzen auf dich ein
Und flammen Tod und klirren laut Verderben --
Nicht, wenn in Asiens dichtem Rohrgestrüpp
Dem gelben Dschungeltiger Du begegnest,
Daß arggeschlitzte Augen schnell erspähn,
Wie sprungschnell er des Nackens Weichen dir
Zerfleischen wird, des Todes armen Sohn,
Und du die Flinte nach dem Hirn ihm richtest,
Den Dolch bereit, falls deine Kugel irrt, --
Auch nicht, wenn du auf winzig schmalem Kahn,
Der lecken Nuß, von himmelhohen Wogen
In tiefen Wasserschlund geschleudert wirst,
Es kocht das Meer und brandet wild empört,
Du aber kämpfst verzweifelt mit den Fluthen --
Es ist ein Ringen fürchterlicher Art,
Zerreißend deines Herzens straffste Fasern
Und dein Gehirn mit Sturmeswuth durchtosend,
Liegst du im Kampf mit deiner Leidenschaft;
19
Karl Henckell.

Haſt getobt und
Haſt gezittert,
Wie die Brandung,
Wenn ſie ſchwillt!
Dieſe Zeiten
Sind gewaltig,
Bringen Herz und
Hirn in Noth —
Ruhe, ruhe,
Meine Seele,
Und vergiß,
Was dich bedroht!


Es iſt ein Kampf …

Originalbeitrag.

Es iſt ein Kampf, kein and’rer kommt ihm gleich —
Nicht, wenn in offner Feldſchlacht du die Bruſt
Dem Feind entgegenwirfſt, die panzerloſe,
Und tauſend Schwerter blitzen auf dich ein
Und flammen Tod und klirren laut Verderben —
Nicht, wenn in Aſiens dichtem Rohrgeſtrüpp
Dem gelben Dſchungeltiger Du begegneſt,
Daß arggeſchlitzte Augen ſchnell erſpähn,
Wie ſprungſchnell er des Nackens Weichen dir
Zerfleiſchen wird, des Todes armen Sohn,
Und du die Flinte nach dem Hirn ihm richteſt,
Den Dolch bereit, falls deine Kugel irrt, —
Auch nicht, wenn du auf winzig ſchmalem Kahn,
Der lecken Nuß, von himmelhohen Wogen
In tiefen Waſſerſchlund geſchleudert wirſt,
Es kocht das Meer und brandet wild empört,
Du aber kämpfſt verzweifelt mit den Fluthen —
Es iſt ein Ringen fürchterlicher Art,
Zerreißend deines Herzens ſtraffſte Faſern
Und dein Gehirn mit Sturmeswuth durchtoſend,
Liegſt du im Kampf mit deiner Leidenſchaft;
19
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[289/0307] Karl Henckell. Haſt getobt und Haſt gezittert, Wie die Brandung, Wenn ſie ſchwillt! Dieſe Zeiten Sind gewaltig, Bringen Herz und Hirn in Noth — Ruhe, ruhe, Meine Seele, Und vergiß, Was dich bedroht! Es iſt ein Kampf … Originalbeitrag. Es iſt ein Kampf, kein and’rer kommt ihm gleich — Nicht, wenn in offner Feldſchlacht du die Bruſt Dem Feind entgegenwirfſt, die panzerloſe, Und tauſend Schwerter blitzen auf dich ein Und flammen Tod und klirren laut Verderben — Nicht, wenn in Aſiens dichtem Rohrgeſtrüpp Dem gelben Dſchungeltiger Du begegneſt, Daß arggeſchlitzte Augen ſchnell erſpähn, Wie ſprungſchnell er des Nackens Weichen dir Zerfleiſchen wird, des Todes armen Sohn, Und du die Flinte nach dem Hirn ihm richteſt, Den Dolch bereit, falls deine Kugel irrt, — Auch nicht, wenn du auf winzig ſchmalem Kahn, Der lecken Nuß, von himmelhohen Wogen In tiefen Waſſerſchlund geſchleudert wirſt, Es kocht das Meer und brandet wild empört, Du aber kämpfſt verzweifelt mit den Fluthen — Es iſt ein Ringen fürchterlicher Art, Zerreißend deines Herzens ſtraffſte Faſern Und dein Gehirn mit Sturmeswuth durchtoſend, Liegſt du im Kampf mit deiner Leidenſchaft; 19

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Zitationshilfe: Arent, Wilhelm (Hrsg.): Moderne Dichter-Charaktere. Leipzig, [1885], S. 289. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/arent_dichtercharaktere_1885/307>, abgerufen am 19.02.2019.