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Arnim, Achim von; Brentano, Clemens: Des Knaben Wunderhorn. Bd. 1. Heidelberg, 1806.

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Jäger Wohlgemuth.

Frische Liedlein.

Es jagt ein Jäger wohlgemuth,
Er jagt aus frischem freien Muth
Wohl unter grünen Linden,
Er jagt derselben Thierlein viel,
Mit seinen schnellen Winden.
Er jagt über Berg und tiefe Thal,
Unter den Stauden überall.
Sein Hörnlein thät er blasen,
Sein Lieb wohl auf den Jäger harrt,
Dort auf der grünen Straßen.
Er spreit den Mantel in das Gras,
Bat, daß sie zu ihm nieder saß,
Mit weissem Arm umfangen:
"Gehab dich wohl mein Trösterin,
"Nach dir steht mein Verlangen.
"Uns nezt kein Reif, uns kühlt kein Schnee,
"Es brennen noch im grünen Klee,
"Zwei Röslein auf der Heiden,
"In Liebesschein, in Sonnenschein,
"Die zwei soll man nicht scheiden."


Jaͤger Wohlgemuth.

Friſche Liedlein.

Es jagt ein Jaͤger wohlgemuth,
Er jagt aus friſchem freien Muth
Wohl unter gruͤnen Linden,
Er jagt derſelben Thierlein viel,
Mit ſeinen ſchnellen Winden.
Er jagt uͤber Berg und tiefe Thal,
Unter den Stauden uͤberall.
Sein Hoͤrnlein thaͤt er blaſen,
Sein Lieb wohl auf den Jaͤger harrt,
Dort auf der gruͤnen Straßen.
Er ſpreit den Mantel in das Gras,
Bat, daß ſie zu ihm nieder ſaß,
Mit weiſſem Arm umfangen:
„Gehab dich wohl mein Troͤſterin,
„Nach dir ſteht mein Verlangen.
„Uns nezt kein Reif, uns kuͤhlt kein Schnee,
„Es brennen noch im gruͤnen Klee,
„Zwei Roͤslein auf der Heiden,
„In Liebesſchein, in Sonnenſchein,
„Die zwei ſoll man nicht ſcheiden.“


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[303[313]/0322] Jaͤger Wohlgemuth. Friſche Liedlein. Es jagt ein Jaͤger wohlgemuth, Er jagt aus friſchem freien Muth Wohl unter gruͤnen Linden, Er jagt derſelben Thierlein viel, Mit ſeinen ſchnellen Winden. Er jagt uͤber Berg und tiefe Thal, Unter den Stauden uͤberall. Sein Hoͤrnlein thaͤt er blaſen, Sein Lieb wohl auf den Jaͤger harrt, Dort auf der gruͤnen Straßen. Er ſpreit den Mantel in das Gras, Bat, daß ſie zu ihm nieder ſaß, Mit weiſſem Arm umfangen: „Gehab dich wohl mein Troͤſterin, „Nach dir ſteht mein Verlangen. „Uns nezt kein Reif, uns kuͤhlt kein Schnee, „Es brennen noch im gruͤnen Klee, „Zwei Roͤslein auf der Heiden, „In Liebesſchein, in Sonnenſchein, „Die zwei ſoll man nicht ſcheiden.“

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Zitationshilfe: Arnim, Achim von; Brentano, Clemens: Des Knaben Wunderhorn. Bd. 1. Heidelberg, 1806, S. 303[313]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/arnim_wunderhorn01_1806/322>, abgerufen am 03.12.2020.