Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Arnim, Achim von; Brentano, Clemens: Des Knaben Wunderhorn. Bd. 1. Heidelberg, 1806.

Bild:
<< vorherige Seite

"So zieh mit mir von hinnen
"Wohl über die Heide breit."

Und wollt in ihrem Nacken
Die goldnen Flechten schön
Mit wilden Schnabel packen,
Sie tragen zu dieser Höhn.
Ja wohl zu dieser Höhen,
Hier wär ein schönes Nest,
Wie ist mir doch geschehen,
Daß ich gesetzet fest.
Ja trüg ich sie im Fluge,
Mich schöß der Graf nicht todt,
Sein Töchterlein zum Fluche,
Das fiele sich ja todt.
So aber sind die Schwingen
Mir allesamt gelähmt,
Wie hell ich ihr auch singe,
Mein Liebchen sich doch schämt.


Die Eile der Zeit in Gott.

Fliegendes Blat.

Der Commandant zu Groswardeyn,
Der hätt' ein einzig Töchterlein,
Theresia ihr Nahmen war,
Gott'sfürchtig, züchtig, keusch und klar.

„So zieh mit mir von hinnen
„Wohl uͤber die Heide breit.“

Und wollt in ihrem Nacken
Die goldnen Flechten ſchoͤn
Mit wilden Schnabel packen,
Sie tragen zu dieſer Hoͤhn.
Ja wohl zu dieſer Hoͤhen,
Hier waͤr ein ſchoͤnes Neſt,
Wie iſt mir doch geſchehen,
Daß ich geſetzet feſt.
Ja truͤg ich ſie im Fluge,
Mich ſchoͤß der Graf nicht todt,
Sein Toͤchterlein zum Fluche,
Das fiele ſich ja todt.
So aber ſind die Schwingen
Mir alleſamt gelaͤhmt,
Wie hell ich ihr auch ſinge,
Mein Liebchen ſich doch ſchaͤmt.


Die Eile der Zeit in Gott.

Fliegendes Blat.

Der Commandant zu Groswardeyn,
Der haͤtt' ein einzig Toͤchterlein,
Thereſia ihr Nahmen war,
Gott'sfuͤrchtig, zuͤchtig, keuſch und klar.

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <lg type="poem">
            <lg n="3">
              <pb facs="#f0073" n="64"/>
              <l>&#x201E;So zieh mit mir von hinnen</l><lb/>
              <l>&#x201E;Wohl u&#x0364;ber die Heide breit.&#x201C;</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="4">
              <l>Und wollt in ihrem Nacken</l><lb/>
              <l>Die goldnen Flechten &#x017F;cho&#x0364;n</l><lb/>
              <l>Mit wilden Schnabel packen,</l><lb/>
              <l>Sie tragen zu die&#x017F;er Ho&#x0364;hn.</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="5">
              <l>Ja wohl zu die&#x017F;er Ho&#x0364;hen,</l><lb/>
              <l>Hier wa&#x0364;r ein &#x017F;cho&#x0364;nes Ne&#x017F;t,</l><lb/>
              <l>Wie i&#x017F;t mir doch ge&#x017F;chehen,</l><lb/>
              <l>Daß ich ge&#x017F;etzet fe&#x017F;t.</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="6">
              <l>Ja tru&#x0364;g ich &#x017F;ie im Fluge,</l><lb/>
              <l>Mich &#x017F;cho&#x0364;ß der Graf nicht todt,</l><lb/>
              <l>Sein To&#x0364;chterlein zum Fluche,</l><lb/>
              <l>Das fiele &#x017F;ich ja todt.</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="7">
              <l>So aber &#x017F;ind die Schwingen</l><lb/>
              <l>Mir alle&#x017F;amt gela&#x0364;hmt,</l><lb/>
              <l>Wie hell ich ihr auch &#x017F;inge,</l><lb/>
              <l>Mein Liebchen &#x017F;ich doch &#x017F;cha&#x0364;mt.</l>
            </lg>
          </lg>
        </div><lb/>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
        <div n="2">
          <head><hi rendition="#g">Die Eile der Zeit in Gott</hi>.</head><lb/>
          <p rendition="#c">Fliegendes Blat.</p><lb/>
          <lg type="poem">
            <lg n="1">
              <l><hi rendition="#in">D</hi>er Commandant zu Groswardeyn,</l><lb/>
              <l>Der ha&#x0364;tt' ein einzig To&#x0364;chterlein,</l><lb/>
              <l>There&#x017F;ia ihr Nahmen war,</l><lb/>
              <l>Gott'sfu&#x0364;rchtig, zu&#x0364;chtig, keu&#x017F;ch und klar.</l>
            </lg><lb/>
          </lg>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[64/0073] „So zieh mit mir von hinnen „Wohl uͤber die Heide breit.“ Und wollt in ihrem Nacken Die goldnen Flechten ſchoͤn Mit wilden Schnabel packen, Sie tragen zu dieſer Hoͤhn. Ja wohl zu dieſer Hoͤhen, Hier waͤr ein ſchoͤnes Neſt, Wie iſt mir doch geſchehen, Daß ich geſetzet feſt. Ja truͤg ich ſie im Fluge, Mich ſchoͤß der Graf nicht todt, Sein Toͤchterlein zum Fluche, Das fiele ſich ja todt. So aber ſind die Schwingen Mir alleſamt gelaͤhmt, Wie hell ich ihr auch ſinge, Mein Liebchen ſich doch ſchaͤmt. Die Eile der Zeit in Gott. Fliegendes Blat. Der Commandant zu Groswardeyn, Der haͤtt' ein einzig Toͤchterlein, Thereſia ihr Nahmen war, Gott'sfuͤrchtig, zuͤchtig, keuſch und klar.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/arnim_wunderhorn01_1806
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/arnim_wunderhorn01_1806/73
Zitationshilfe: Arnim, Achim von; Brentano, Clemens: Des Knaben Wunderhorn. Bd. 1. Heidelberg, 1806, S. 64. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/arnim_wunderhorn01_1806/73>, abgerufen am 27.11.2020.