Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Aston, Louise: Aus dem Leben einer Frau. Hamburg, 1847.

Bild:
<< vorherige Seite
11.

Im Comtoir des Fabrikherrn Oburn war wenige Monate nach seiner Rückkehr vom Bade unter den Commis eine große Unruhe und Unthätigkeit wahrzunehmen. Die Feder hinter das Ohr geklemmt, sahen sie entweder neugierig in die nahe Fabrik, die von den Fenstern des Comtoirs zu übersehen war, oder auf den Buchhalter Ehrig, und flüsterten sich dabei verstohlen einige Worte in's Ohr. Das Gesicht des Herrn Ehrig gab ihnen indeß nicht den gewünschten Commentar -- es war heute so undurchdringlich ernst, wie es immer zu sein pflegte. Nur die hohe, tiefgefurchte Stirn war noch etwas finsterer als gewöhnlich zusammengezogen, und die schwarzen intelligenten Augen verschlangen gleichsam die Zahlen des vor ihm aufgeschlagenen Hauptkassenbuchs. "Da muß es nicht richtig sein," lispelte einer der pomade-duftigen Comotoristen seinem

11.

Im Comtoir des Fabrikherrn Oburn war wenige Monate nach seiner Rückkehr vom Bade unter den Commis eine große Unruhe und Unthätigkeit wahrzunehmen. Die Feder hinter das Ohr geklemmt, sahen sie entweder neugierig in die nahe Fabrik, die von den Fenstern des Comtoirs zu übersehen war, oder auf den Buchhalter Ehrig, und flüsterten sich dabei verstohlen einige Worte in's Ohr. Das Gesicht des Herrn Ehrig gab ihnen indeß nicht den gewünschten Commentar — es war heute so undurchdringlich ernst, wie es immer zu sein pflegte. Nur die hohe, tiefgefurchte Stirn war noch etwas finsterer als gewöhnlich zusammengezogen, und die schwarzen intelligenten Augen verschlangen gleichsam die Zahlen des vor ihm aufgeschlagenen Hauptkassenbuchs. „Da muß es nicht richtig sein,“ lispelte einer der pomade-duftigen Comotoristen seinem

<TEI>
  <text>
    <body>
      <pb facs="#f0125" n="113"/>
      <div n="1">
        <head>11.</head><lb/>
        <p> Im Comtoir des Fabrikherrn Oburn war wenige Monate nach seiner Rückkehr vom Bade                     unter den Commis eine große Unruhe und Unthätigkeit wahrzunehmen. Die Feder                     hinter das Ohr geklemmt, sahen sie entweder neugierig in die nahe Fabrik, die                     von den Fenstern des Comtoirs zu übersehen war, oder auf den Buchhalter Ehrig,                     und flüsterten sich dabei verstohlen einige Worte in's Ohr. Das Gesicht des                     Herrn Ehrig gab ihnen indeß nicht den gewünschten Commentar &#x2014; es war heute so                     undurchdringlich ernst, wie es immer zu sein pflegte. Nur die hohe,                     tiefgefurchte Stirn war noch etwas finsterer als gewöhnlich zusammengezogen, und                     die schwarzen intelligenten Augen verschlangen gleichsam die Zahlen des vor ihm                     aufgeschlagenen Hauptkassenbuchs. &#x201E;Da muß es nicht richtig sein,&#x201C; lispelte einer                     der pomade-duftigen Comotoristen seinem
</p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[113/0125] 11. Im Comtoir des Fabrikherrn Oburn war wenige Monate nach seiner Rückkehr vom Bade unter den Commis eine große Unruhe und Unthätigkeit wahrzunehmen. Die Feder hinter das Ohr geklemmt, sahen sie entweder neugierig in die nahe Fabrik, die von den Fenstern des Comtoirs zu übersehen war, oder auf den Buchhalter Ehrig, und flüsterten sich dabei verstohlen einige Worte in's Ohr. Das Gesicht des Herrn Ehrig gab ihnen indeß nicht den gewünschten Commentar — es war heute so undurchdringlich ernst, wie es immer zu sein pflegte. Nur die hohe, tiefgefurchte Stirn war noch etwas finsterer als gewöhnlich zusammengezogen, und die schwarzen intelligenten Augen verschlangen gleichsam die Zahlen des vor ihm aufgeschlagenen Hauptkassenbuchs. „Da muß es nicht richtig sein,“ lispelte einer der pomade-duftigen Comotoristen seinem

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Sophie - A Digital Library of Works by German-Speaking Women: Bereitstellung der Texttranskription und Auszeichnung in der Syntax von "Sophie". (2013-03-13T15:54:31Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme entsprechen muss.
Heinrich Heine Universität Düsseldorf: Bereitstellung der Bilddigitalisate (2013-03-13T15:54:31Z)
Frederike Neuber: Konvertierung nach XML/TEI gemäß DTA-Basisformat. (2013-03-13T15:54:31Z)

Weitere Informationen:

Anmerkungen zur Transkription:

  • Wird ein Wort durch einen Seitenumbruch getrennt, so wird es vollständig auf der vorhergehenden Seite übernommen.
  • Silbentrennungen über Zeilengrenzen hinweg werden aufgelöst.
  • Der Zeilenfall wurde aufgehoben, die Absätze beibehalten.
  • Die Majuskel J im Frakturdruck wird in der Transkription je nach Lautwert als I bzw. J wiedergegeben.
  • Langes s (ſ) wird als rundes s (s) wiedergegeben.
  • Übergeschriebenes „e“ über „a“, „o“ und „u“ wird als „ä“, „ö“, „ü“ transkribiert.



Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/aston_leben_1847
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/aston_leben_1847/125
Zitationshilfe: Aston, Louise: Aus dem Leben einer Frau. Hamburg, 1847, S. 113. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/aston_leben_1847/125>, abgerufen am 25.09.2018.