Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Bach, Carl Philipp Emanuel: Versuch über die wahre Art das Clavier zu spielen. Bd. 2. Berlin, 1762.

Bild:
<< vorherige Seite

Sechs und zwanzigstes Capitel.
[Abbildung]



Sieben und zwanzigstes Capitel.
Vom punctirten Anschlage.
§. 1.

Dieses Capitel kann nicht mit dem gehörigen Nutzen gelesen
werden, wenn man sich nicht vorher das, was im ersten
Theile dieses Versuches
von dieser Manier abgehandelt wor-
den ist, bekannt gemacht hat. Man wird vieles gar nicht, und
das meiste unrecht verstehen: sobald man aber unsere Manier
recht kennet, so siehet man gar leicht ein, daß sie in der Har-
monie von Wichtigkeit seyn müsse.

§. 2.

Der punctirte Anschlag kommt nur in Stücken
vor, wo der Geschmack und der Affect den meisten Antheil haben,
und wo also die Begleitung besonders fein seyn muß. Die der
Grundnote eigentlich zukommende Harmonie wird durch diese Ma-
nier noch länger aufgehalten, als wir bey den Vorschlägen gesehen
haben, weil in der Ausführung die Hauptnote der Hauptstimme
erst nach dem letzten kurzen Nötgen dieses Anschlages eintritt.
Die Stärke und Schwäche des Vortrages ist bey unserer Manier
und den Vorschlägen einerley, folglich höret man die aufgehal-
tene Hauptnote schwach, und die Vorhaltung stark. Alle diese

Um-

Sechs und zwanzigſtes Capitel.
[Abbildung]



Sieben und zwanzigſtes Capitel.
Vom punctirten Anſchlage.
§. 1.

Dieſes Capitel kann nicht mit dem gehörigen Nutzen geleſen
werden, wenn man ſich nicht vorher das, was im erſten
Theile dieſes Verſuches
von dieſer Manier abgehandelt wor-
den iſt, bekannt gemacht hat. Man wird vieles gar nicht, und
das meiſte unrecht verſtehen: ſobald man aber unſere Manier
recht kennet, ſo ſiehet man gar leicht ein, daß ſie in der Har-
monie von Wichtigkeit ſeyn müſſe.

§. 2.

Der punctirte Anſchlag kommt nur in Stücken
vor, wo der Geſchmack und der Affect den meiſten Antheil haben,
und wo alſo die Begleitung beſonders fein ſeyn muß. Die der
Grundnote eigentlich zukommende Harmonie wird durch dieſe Ma-
nier noch länger aufgehalten, als wir bey den Vorſchlägen geſehen
haben, weil in der Ausführung die Hauptnote der Hauptſtimme
erſt nach dem letzten kurzen Nötgen dieſes Anſchlages eintritt.
Die Stärke und Schwäche des Vortrages iſt bey unſerer Manier
und den Vorſchlägen einerley, folglich höret man die aufgehal-
tene Hauptnote ſchwach, und die Vorhaltung ſtark. Alle dieſe

Um-
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p>
            <pb facs="#f0232" n="222"/>
            <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#b">Sechs und zwanzig&#x017F;tes Capitel.</hi> </fw><lb/>
            <figure/>
          </p>
        </div>
      </div>
      <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
      <div n="1">
        <head> <hi rendition="#b">Sieben und zwanzig&#x017F;tes Capitel.<lb/>
Vom punctirten An&#x017F;chlage.</hi> </head><lb/>
        <div n="2">
          <head>§. 1.</head><lb/>
          <p><hi rendition="#in">D</hi>ie&#x017F;es Capitel kann nicht mit dem gehörigen Nutzen gele&#x017F;en<lb/>
werden, wenn man &#x017F;ich nicht vorher das, was im <hi rendition="#fr">er&#x017F;ten<lb/>
Theile die&#x017F;es Ver&#x017F;uches</hi> von die&#x017F;er Manier abgehandelt wor-<lb/>
den i&#x017F;t, bekannt gemacht hat. Man wird vieles gar nicht, und<lb/>
das mei&#x017F;te unrecht ver&#x017F;tehen: &#x017F;obald man aber un&#x017F;ere Manier<lb/>
recht kennet, &#x017F;o &#x017F;iehet man gar leicht ein, daß &#x017F;ie in der Har-<lb/>
monie von Wichtigkeit &#x017F;eyn mü&#x017F;&#x017F;e.</p>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head>§. 2.</head>
          <p>Der <hi rendition="#fr">punctirte An&#x017F;chlag</hi> kommt nur in Stücken<lb/>
vor, wo der Ge&#x017F;chmack und der Affect den mei&#x017F;ten Antheil haben,<lb/>
und wo al&#x017F;o die Begleitung be&#x017F;onders fein &#x017F;eyn muß. Die der<lb/>
Grundnote eigentlich zukommende Harmonie wird durch die&#x017F;e Ma-<lb/>
nier noch länger aufgehalten, als wir bey den Vor&#x017F;chlägen ge&#x017F;ehen<lb/>
haben, weil in der Ausführung die Hauptnote der Haupt&#x017F;timme<lb/>
er&#x017F;t nach dem letzten kurzen Nötgen die&#x017F;es An&#x017F;chlages eintritt.<lb/>
Die Stärke und Schwäche des Vortrages i&#x017F;t bey un&#x017F;erer Manier<lb/>
und den Vor&#x017F;chlägen einerley, folglich höret man die aufgehal-<lb/>
tene Hauptnote &#x017F;chwach, und die Vorhaltung &#x017F;tark. Alle die&#x017F;e<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">Um-</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[222/0232] Sechs und zwanzigſtes Capitel. [Abbildung] Sieben und zwanzigſtes Capitel. Vom punctirten Anſchlage. §. 1. Dieſes Capitel kann nicht mit dem gehörigen Nutzen geleſen werden, wenn man ſich nicht vorher das, was im erſten Theile dieſes Verſuches von dieſer Manier abgehandelt wor- den iſt, bekannt gemacht hat. Man wird vieles gar nicht, und das meiſte unrecht verſtehen: ſobald man aber unſere Manier recht kennet, ſo ſiehet man gar leicht ein, daß ſie in der Har- monie von Wichtigkeit ſeyn müſſe. §. 2.Der punctirte Anſchlag kommt nur in Stücken vor, wo der Geſchmack und der Affect den meiſten Antheil haben, und wo alſo die Begleitung beſonders fein ſeyn muß. Die der Grundnote eigentlich zukommende Harmonie wird durch dieſe Ma- nier noch länger aufgehalten, als wir bey den Vorſchlägen geſehen haben, weil in der Ausführung die Hauptnote der Hauptſtimme erſt nach dem letzten kurzen Nötgen dieſes Anſchlages eintritt. Die Stärke und Schwäche des Vortrages iſt bey unſerer Manier und den Vorſchlägen einerley, folglich höret man die aufgehal- tene Hauptnote ſchwach, und die Vorhaltung ſtark. Alle dieſe Um-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/bach_versuch02_1762
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/bach_versuch02_1762/232
Zitationshilfe: Bach, Carl Philipp Emanuel: Versuch über die wahre Art das Clavier zu spielen. Bd. 2. Berlin, 1762, S. 222. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bach_versuch02_1762/232>, abgerufen am 07.08.2020.