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Becher, Johann Joachim: Närrische Weißheit Und Weise Narrheit. Frankfurt, 1682.

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Mr. Weal, der berühmte Circkel-Fechter: und
wann ihr darmit nicht zu frieden seyd/ so
kan ich euch noch zwey wunderlichere Sa-
chen vorstellen/ nehmlich einen blinden
Mahler und einen blinden Setzer in der
Buchdruckerey/ welche nicht nur dieses zur
Curiosität/ sondern auch zu ihrer Nahrung
thun/ und darinnen noch darüber excelli-
ren/ welches eben so unglaubig vorkommen
wird/ als wenn man von dem Wasser-
Speyer/ und Feuer-Fresser/ wie auch von
den bekandten Pragischen Peltz-Fresseren/
die heutiges Tages in der Welt herumb
lauffen/ und umb Geld sich sehen lassen/ sa-
gen wolte/ einem der solche nie gesehen.

27. Bayrische Stocator-Arbeit.

Der alte Churfürst Maximilian in
Bayern/ war ein sehr ingenioser Herr/
welcher neben seiner Magnificentz und Ge-
nero
sität die Künste auch sehr liebte/ und un-
ter andern eine mehr als Kayserliche Resi-
dentz gebauet/ von allerhand Köstlichkeiten/
Raritäten und Antiquitäten/ darunter nun
seynd einige grosse Stücke von Gips auf
Marmor Art oder Florentinisch Stein-
werck/ und es nun zwar eine gemeine Kunst
ist/ so kan es doch niemand in solcher perfe-
ction
machen/ und in so grosser Härte und

Poli-

Mr. Weal, der beruͤhmte Circkel-Fechter: und
wann ihr darmit nicht zu frieden ſeyd/ ſo
kan ich euch noch zwey wunderlichere Sa-
chen vorſtellen/ nehmlich einen blinden
Mahler und einen blinden Setzer in der
Buchdruckerey/ welche nicht nur dieſes zur
Curioſitaͤt/ ſondern auch zu ihrer Nahrung
thun/ und darinnen noch daruͤber excelli-
ren/ welches eben ſo unglaubig vorkommen
wird/ als wenn man von dem Waſſer-
Speyer/ und Feuer-Freſſer/ wie auch von
den bekandten Pragiſchen Peltz-Freſſeren/
die heutiges Tages in der Welt herumb
lauffen/ und umb Geld ſich ſehen laſſen/ ſa-
gen wolte/ einem der ſolche nie geſehen.

27. Bayriſche Stocator-Arbeit.

Der alte Churfuͤrſt Maximilian in
Bayern/ war ein ſehr ingenioſer Herr/
welcher neben ſeiner Magnificentz und Ge-
nero
ſitaͤt die Kuͤnſte auch ſehr liebte/ und un-
ter andern eine mehr als Kayſerliche Reſi-
dentz gebauet/ von allerhand Koͤſtlichkeiten/
Raritaͤten und Antiquitaͤten/ darunter nun
ſeynd einige groſſe Stuͤcke von Gips auf
Marmor Art oder Florentiniſch Stein-
werck/ und es nun zwar eine gemeine Kunſt
iſt/ ſo kan es doch niemand in ſolcher perfe-
ction
machen/ und in ſo groſſer Haͤrte und

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[44[43]/0066] Mr. Weal, der beruͤhmte Circkel-Fechter: und wann ihr darmit nicht zu frieden ſeyd/ ſo kan ich euch noch zwey wunderlichere Sa- chen vorſtellen/ nehmlich einen blinden Mahler und einen blinden Setzer in der Buchdruckerey/ welche nicht nur dieſes zur Curioſitaͤt/ ſondern auch zu ihrer Nahrung thun/ und darinnen noch daruͤber excelli- ren/ welches eben ſo unglaubig vorkommen wird/ als wenn man von dem Waſſer- Speyer/ und Feuer-Freſſer/ wie auch von den bekandten Pragiſchen Peltz-Freſſeren/ die heutiges Tages in der Welt herumb lauffen/ und umb Geld ſich ſehen laſſen/ ſa- gen wolte/ einem der ſolche nie geſehen. 27. Bayriſche Stocator-Arbeit. Der alte Churfuͤrſt Maximilian in Bayern/ war ein ſehr ingenioſer Herr/ welcher neben ſeiner Magnificentz und Ge- neroſitaͤt die Kuͤnſte auch ſehr liebte/ und un- ter andern eine mehr als Kayſerliche Reſi- dentz gebauet/ von allerhand Koͤſtlichkeiten/ Raritaͤten und Antiquitaͤten/ darunter nun ſeynd einige groſſe Stuͤcke von Gips auf Marmor Art oder Florentiniſch Stein- werck/ und es nun zwar eine gemeine Kunſt iſt/ ſo kan es doch niemand in ſolcher perfe- ction machen/ und in ſo groſſer Haͤrte und Poli-

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Zitationshilfe: Becher, Johann Joachim: Närrische Weißheit Und Weise Narrheit. Frankfurt, 1682, S. 44[43]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/becher_narrheit_1682/66>, abgerufen am 19.10.2019.