Am Dienstag, dem 19. November 2019, finden von 9 bis 14 Uhr Wartungsarbeiten an unseren Servern statt. Bitte beachten Sie, dass die DTA-Seiten in dieser Zeit nicht erreichbar sein werden.
Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 2: Das XVI. und XVII. Jahrhundert. Braunschweig, 1895.

Bild:
<< vorherige Seite
Bayern im 17. Jahrhundert.

Die grössten Eisenindustriellen im 17. Jahrhundert waren die Herren
von Locatelli. Sie waren auch die Besitzer der Eisen-, Berg- und
Hammerwerke zu Wochein an der Feistritz. Die Hütte war neu her-
gerichtet. Doch war hier "gleichfalls das Werk auf die Wölffe ge-
richtet und wurde daraus mancherlei Eisen geschmiedet, sonderlich
aber Schien-, Garter- und anderes gezogenes Eisen allerley Art ver-
fertigt. Noch besser hinab steht eine Schmelzhütte, welche gleichfalls
des Herrn Locatelli Eigentum ist. In derselben giesst man die eiser-
nen Retorten zum Quecksilberbrennen, wie auch andere Sachen, so
man aus Eisen zu giessen pflegt" 1).

In Tirol erhielt 1613 der Gewerke Hans Marquart Rosen-
berger von Rosenegg
aus Augsburg die Konzession für Bergbau.
Eisenschmelze und Hammerwerk zu Pillersee nebst Verleihung der
dazu nötigen Waldungen, worauf er das berühmte Eisenwerk Pillersee
gründete. Dasselbe gelangte 1670 durch Kauf an Karl von Aschauer
und 1699 an den Grafen Preyssing und die kurfürstlich bayrische
Gewerkschaft.



Bayern.

Bayern wurde durch den 30 jährigen Krieg schwer heimgesucht,
am meisten wohl die Oberpfalz, deren alte, hochberühmte Eisen-
Industrie hierbei den Todesstoss empfing. Dieselbe hatte allerdings
schon vor dem Ausbruch dieser Katastrophe gekränkelt, und zwar aus
mancherlei Ursachen, als Uneinigkeit der Gewerken, Mangel an Für-
sorge der Landesfürsten, zumeist aber aus Mangel an Intelligenz und
Unternehmungsgeist der Besitzer. Während ringsum in deutschen
Landen Hochöfen entstanden, welche gutes, billiges Eisen lieferten
und der oberpfälzischen Industrie empfindliche Konkurrenz bereiteten,
konnten die Gewerke der Sulzbach-Ambergischen Hammereinigung
sich nicht dazu aufschwingen, von ihrem veralteten Zerrennfeuerbetrieb
zu lassen und sich dem Hochofenbetrieb zuzuwenden. Als daher der
30jährige Krieg ausbrach und die Lande des Pfalzgrafen Friedrich V.
zuerst von der Kriegsfurie heimgesucht wurden, erreichte alsbald die
Hammereinigung, die sich seit länger als zwei Jahrhunderten so treff-

1) Siehe Valvassor a. a. O., S. 395.
Bayern im 17. Jahrhundert.

Die gröſsten Eisenindustriellen im 17. Jahrhundert waren die Herren
von Locatelli. Sie waren auch die Besitzer der Eisen-, Berg- und
Hammerwerke zu Wochein an der Feistritz. Die Hütte war neu her-
gerichtet. Doch war hier „gleichfalls das Werk auf die Wölffe ge-
richtet und wurde daraus mancherlei Eisen geschmiedet, sonderlich
aber Schien-, Garter- und anderes gezogenes Eisen allerley Art ver-
fertigt. Noch besser hinab steht eine Schmelzhütte, welche gleichfalls
des Herrn Locatelli Eigentum ist. In derselben gieſst man die eiser-
nen Retorten zum Quecksilberbrennen, wie auch andere Sachen, so
man aus Eisen zu gieſsen pflegt“ 1).

In Tirol erhielt 1613 der Gewerke Hans Marquart Rosen-
berger von Rosenegg
aus Augsburg die Konzession für Bergbau.
Eisenschmelze und Hammerwerk zu Pillersee nebst Verleihung der
dazu nötigen Waldungen, worauf er das berühmte Eisenwerk Pillersee
gründete. Dasselbe gelangte 1670 durch Kauf an Karl von Aschauer
und 1699 an den Grafen Preyſsing und die kurfürstlich bayrische
Gewerkschaft.



Bayern.

Bayern wurde durch den 30 jährigen Krieg schwer heimgesucht,
am meisten wohl die Oberpfalz, deren alte, hochberühmte Eisen-
Industrie hierbei den Todesstoss empfing. Dieselbe hatte allerdings
schon vor dem Ausbruch dieser Katastrophe gekränkelt, und zwar aus
mancherlei Ursachen, als Uneinigkeit der Gewerken, Mangel an Für-
sorge der Landesfürsten, zumeist aber aus Mangel an Intelligenz und
Unternehmungsgeist der Besitzer. Während ringsum in deutschen
Landen Hochöfen entstanden, welche gutes, billiges Eisen lieferten
und der oberpfälzischen Industrie empfindliche Konkurrenz bereiteten,
konnten die Gewerke der Sulzbach-Ambergischen Hammereinigung
sich nicht dazu aufschwingen, von ihrem veralteten Zerrennfeuerbetrieb
zu lassen und sich dem Hochofenbetrieb zuzuwenden. Als daher der
30jährige Krieg ausbrach und die Lande des Pfalzgrafen Friedrich V.
zuerst von der Kriegsfurie heimgesucht wurden, erreichte alsbald die
Hammereinigung, die sich seit länger als zwei Jahrhunderten so treff-

1) Siehe Valvassor a. a. O., S. 395.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <pb facs="#f1082" n="1060"/>
              <fw place="top" type="header">Bayern im 17. Jahrhundert.</fw><lb/>
              <p>Die grö&#x017F;sten Eisenindustriellen im 17. Jahrhundert waren die Herren<lb/><hi rendition="#g">von Locatelli</hi>. Sie waren auch die Besitzer der Eisen-, Berg- und<lb/>
Hammerwerke zu Wochein an der Feistritz. Die Hütte war neu her-<lb/>
gerichtet. Doch war hier &#x201E;gleichfalls das Werk auf die Wölffe ge-<lb/>
richtet und wurde daraus mancherlei Eisen geschmiedet, sonderlich<lb/>
aber Schien-, Garter- und anderes gezogenes Eisen allerley Art ver-<lb/>
fertigt. Noch besser hinab steht eine Schmelzhütte, welche gleichfalls<lb/>
des Herrn <hi rendition="#g">Locatelli</hi> Eigentum ist. In derselben gie&#x017F;st man die eiser-<lb/>
nen Retorten zum Quecksilberbrennen, wie auch andere Sachen, so<lb/>
man aus Eisen zu gie&#x017F;sen pflegt&#x201C; <note place="foot" n="1)">Siehe <hi rendition="#g">Valvassor</hi> a. a. O., S. 395.</note>.</p><lb/>
              <p>In <hi rendition="#g">Tirol</hi> erhielt 1613 der Gewerke <hi rendition="#g">Hans Marquart Rosen-<lb/>
berger von Rosenegg</hi> aus Augsburg die Konzession für Bergbau.<lb/>
Eisenschmelze und Hammerwerk zu Pillersee nebst Verleihung der<lb/>
dazu nötigen Waldungen, worauf er das berühmte Eisenwerk Pillersee<lb/>
gründete. Dasselbe gelangte 1670 durch Kauf an <hi rendition="#g">Karl von Aschauer</hi><lb/>
und 1699 an den Grafen <hi rendition="#g">Prey&#x017F;sing</hi> und die kurfürstlich bayrische<lb/>
Gewerkschaft.</p>
            </div><lb/>
            <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
            <div n="4">
              <head> <hi rendition="#b"><hi rendition="#g">Bayern</hi>.</hi> </head><lb/>
              <p>Bayern wurde durch den 30 jährigen Krieg schwer heimgesucht,<lb/>
am meisten wohl die Oberpfalz, deren alte, hochberühmte Eisen-<lb/>
Industrie hierbei den Todesstoss empfing. Dieselbe hatte allerdings<lb/>
schon vor dem Ausbruch dieser Katastrophe gekränkelt, und zwar aus<lb/>
mancherlei Ursachen, als Uneinigkeit der Gewerken, Mangel an Für-<lb/>
sorge der Landesfürsten, zumeist aber aus Mangel an Intelligenz und<lb/>
Unternehmungsgeist der Besitzer. Während ringsum in deutschen<lb/>
Landen Hochöfen entstanden, welche gutes, billiges Eisen lieferten<lb/>
und der oberpfälzischen Industrie empfindliche Konkurrenz bereiteten,<lb/>
konnten die Gewerke der Sulzbach-Ambergischen Hammereinigung<lb/>
sich nicht dazu aufschwingen, von ihrem veralteten Zerrennfeuerbetrieb<lb/>
zu lassen und sich dem Hochofenbetrieb zuzuwenden. Als daher der<lb/>
30jährige Krieg ausbrach und die Lande des Pfalzgrafen Friedrich V.<lb/>
zuerst von der Kriegsfurie heimgesucht wurden, erreichte alsbald die<lb/>
Hammereinigung, die sich seit länger als zwei Jahrhunderten so treff-<lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[1060/1082] Bayern im 17. Jahrhundert. Die gröſsten Eisenindustriellen im 17. Jahrhundert waren die Herren von Locatelli. Sie waren auch die Besitzer der Eisen-, Berg- und Hammerwerke zu Wochein an der Feistritz. Die Hütte war neu her- gerichtet. Doch war hier „gleichfalls das Werk auf die Wölffe ge- richtet und wurde daraus mancherlei Eisen geschmiedet, sonderlich aber Schien-, Garter- und anderes gezogenes Eisen allerley Art ver- fertigt. Noch besser hinab steht eine Schmelzhütte, welche gleichfalls des Herrn Locatelli Eigentum ist. In derselben gieſst man die eiser- nen Retorten zum Quecksilberbrennen, wie auch andere Sachen, so man aus Eisen zu gieſsen pflegt“ 1). In Tirol erhielt 1613 der Gewerke Hans Marquart Rosen- berger von Rosenegg aus Augsburg die Konzession für Bergbau. Eisenschmelze und Hammerwerk zu Pillersee nebst Verleihung der dazu nötigen Waldungen, worauf er das berühmte Eisenwerk Pillersee gründete. Dasselbe gelangte 1670 durch Kauf an Karl von Aschauer und 1699 an den Grafen Preyſsing und die kurfürstlich bayrische Gewerkschaft. Bayern. Bayern wurde durch den 30 jährigen Krieg schwer heimgesucht, am meisten wohl die Oberpfalz, deren alte, hochberühmte Eisen- Industrie hierbei den Todesstoss empfing. Dieselbe hatte allerdings schon vor dem Ausbruch dieser Katastrophe gekränkelt, und zwar aus mancherlei Ursachen, als Uneinigkeit der Gewerken, Mangel an Für- sorge der Landesfürsten, zumeist aber aus Mangel an Intelligenz und Unternehmungsgeist der Besitzer. Während ringsum in deutschen Landen Hochöfen entstanden, welche gutes, billiges Eisen lieferten und der oberpfälzischen Industrie empfindliche Konkurrenz bereiteten, konnten die Gewerke der Sulzbach-Ambergischen Hammereinigung sich nicht dazu aufschwingen, von ihrem veralteten Zerrennfeuerbetrieb zu lassen und sich dem Hochofenbetrieb zuzuwenden. Als daher der 30jährige Krieg ausbrach und die Lande des Pfalzgrafen Friedrich V. zuerst von der Kriegsfurie heimgesucht wurden, erreichte alsbald die Hammereinigung, die sich seit länger als zwei Jahrhunderten so treff- 1) Siehe Valvassor a. a. O., S. 395.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/beck_eisen02_1895
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/beck_eisen02_1895/1082
Zitationshilfe: Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 2: Das XVI. und XVII. Jahrhundert. Braunschweig, 1895, S. 1060. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/beck_eisen02_1895/1082>, abgerufen am 15.11.2019.