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Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 2: Das XVI. und XVII. Jahrhundert. Braunschweig, 1895.

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Belgien und Lothringen.
Schon im Jahre 1282 wurde bei Stavenhagen Raseneisenstein ver-
schmolzen; seit 1513 sind bei Grabow, seit 1544 zu Neustadt, seit
1609 im Amte Dömitz Eisenhütten geschichtlich bekannt.

Auch in dem westlichen Norddeutschland sind Raseneisensteine
besonders in den Flussthälern verbreitet, im nördlichen Westfalen an
der Emscher und Lippe, in Hannover, besonders in den Landdrosteien
Osnabrück und Lüneburg, an der Ems, Ilmenau, Jeetze und
Luhe, sowie in Oldenburg.

So lange der Rennwerksbetrieb sich noch rentierte, waren in
allen diesen Gegenden kleine Eisenschmelzwerke zerstreut, deren
Alter in prähistorische Zeit zurückreicht (s. Bd. I).

Für die Geschichte der Entwickelung der Eisenindustrie bieten
diese kleinen Luppenfeuer ein grösseres Interesse nicht dar.



Belgien und Lothringen.

Zu Deutschland gehörte auch in der ersten Hälfte des 16. Jahr-
hunderts noch das Gebiet, welches jetzt das Königreich Belgien
bildet und das für die Geschichte des Eisens von hervorragendem
Interesse ist. Durch die Heirat Maximilians mit Maria von Burgund
war dieses Land an Österreich gefallen. Im Mittelalter hatte Flan-
dern und Brabant ebenfalls zu Deutschland gehört. Lüttich, sowie
die reiche Handelsstadt Dynant, wurden in den Registern des Londoner
Stahlhofes immer als in Allemanien gelegen aufgeführt. Aus diesem
Grunde teilen wir die Geschichte seiner Eisenindustrie an dieser
Stelle mit.

Es war insbesondere das Gebiet des Fürstbischofs von Lüttich,
die Grafschaft Namür und der Hennegau, reich gesegnet mit
Eisenerzen, Waldungen und Wassergefällen. Die Nähe der reichen
flandrischen Städte war dem Absatz äusserst günstig. So waren alle
Bedingungen für eine blühende Eisenindustrie gegeben, deren Anfänge
in sehr frühe Zeit zurückreichen. Schon zur Zeit der Römerherrschaft
wurde hier Eisen gewonnen (Bd. I, S. 531). Im 10. Jahrhundert war
die Eisenindustrie schon so bedeutend, dass sie exportieren konnte.
983 wird bereits Lütticher Eisen genannt. Noch grössere Bedeutung
erlangte die Lütticher Eisenindustrie Ende des 12. und im 13. Jahr-

Beck, Geschichte des Eisens. 54

Belgien und Lothringen.
Schon im Jahre 1282 wurde bei Stavenhagen Raseneisenstein ver-
schmolzen; seit 1513 sind bei Grabow, seit 1544 zu Neustadt, seit
1609 im Amte Dömitz Eisenhütten geschichtlich bekannt.

Auch in dem westlichen Norddeutschland sind Raseneisensteine
besonders in den Fluſsthälern verbreitet, im nördlichen Westfalen an
der Emscher und Lippe, in Hannover, besonders in den Landdrosteien
Osnabrück und Lüneburg, an der Ems, Ilmenau, Jeetze und
Luhe, sowie in Oldenburg.

So lange der Rennwerksbetrieb sich noch rentierte, waren in
allen diesen Gegenden kleine Eisenschmelzwerke zerstreut, deren
Alter in prähistorische Zeit zurückreicht (s. Bd. I).

Für die Geschichte der Entwickelung der Eisenindustrie bieten
diese kleinen Luppenfeuer ein gröſseres Interesse nicht dar.



Belgien und Lothringen.

Zu Deutschland gehörte auch in der ersten Hälfte des 16. Jahr-
hunderts noch das Gebiet, welches jetzt das Königreich Belgien
bildet und das für die Geschichte des Eisens von hervorragendem
Interesse ist. Durch die Heirat Maximilians mit Maria von Burgund
war dieses Land an Österreich gefallen. Im Mittelalter hatte Flan-
dern und Brabant ebenfalls zu Deutschland gehört. Lüttich, sowie
die reiche Handelsstadt Dynant, wurden in den Registern des Londoner
Stahlhofes immer als in Allemanien gelegen aufgeführt. Aus diesem
Grunde teilen wir die Geschichte seiner Eisenindustrie an dieser
Stelle mit.

Es war insbesondere das Gebiet des Fürstbischofs von Lüttich,
die Grafschaft Namür und der Hennegau, reich gesegnet mit
Eisenerzen, Waldungen und Wassergefällen. Die Nähe der reichen
flandrischen Städte war dem Absatz äuſserst günstig. So waren alle
Bedingungen für eine blühende Eisenindustrie gegeben, deren Anfänge
in sehr frühe Zeit zurückreichen. Schon zur Zeit der Römerherrschaft
wurde hier Eisen gewonnen (Bd. I, S. 531). Im 10. Jahrhundert war
die Eisenindustrie schon so bedeutend, daſs sie exportieren konnte.
983 wird bereits Lütticher Eisen genannt. Noch gröſsere Bedeutung
erlangte die Lütticher Eisenindustrie Ende des 12. und im 13. Jahr-

Beck, Geschichte des Eisens. 54
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[849/0869] Belgien und Lothringen. Schon im Jahre 1282 wurde bei Stavenhagen Raseneisenstein ver- schmolzen; seit 1513 sind bei Grabow, seit 1544 zu Neustadt, seit 1609 im Amte Dömitz Eisenhütten geschichtlich bekannt. Auch in dem westlichen Norddeutschland sind Raseneisensteine besonders in den Fluſsthälern verbreitet, im nördlichen Westfalen an der Emscher und Lippe, in Hannover, besonders in den Landdrosteien Osnabrück und Lüneburg, an der Ems, Ilmenau, Jeetze und Luhe, sowie in Oldenburg. So lange der Rennwerksbetrieb sich noch rentierte, waren in allen diesen Gegenden kleine Eisenschmelzwerke zerstreut, deren Alter in prähistorische Zeit zurückreicht (s. Bd. I). Für die Geschichte der Entwickelung der Eisenindustrie bieten diese kleinen Luppenfeuer ein gröſseres Interesse nicht dar. Belgien und Lothringen. Zu Deutschland gehörte auch in der ersten Hälfte des 16. Jahr- hunderts noch das Gebiet, welches jetzt das Königreich Belgien bildet und das für die Geschichte des Eisens von hervorragendem Interesse ist. Durch die Heirat Maximilians mit Maria von Burgund war dieses Land an Österreich gefallen. Im Mittelalter hatte Flan- dern und Brabant ebenfalls zu Deutschland gehört. Lüttich, sowie die reiche Handelsstadt Dynant, wurden in den Registern des Londoner Stahlhofes immer als in Allemanien gelegen aufgeführt. Aus diesem Grunde teilen wir die Geschichte seiner Eisenindustrie an dieser Stelle mit. Es war insbesondere das Gebiet des Fürstbischofs von Lüttich, die Grafschaft Namür und der Hennegau, reich gesegnet mit Eisenerzen, Waldungen und Wassergefällen. Die Nähe der reichen flandrischen Städte war dem Absatz äuſserst günstig. So waren alle Bedingungen für eine blühende Eisenindustrie gegeben, deren Anfänge in sehr frühe Zeit zurückreichen. Schon zur Zeit der Römerherrschaft wurde hier Eisen gewonnen (Bd. I, S. 531). Im 10. Jahrhundert war die Eisenindustrie schon so bedeutend, daſs sie exportieren konnte. 983 wird bereits Lütticher Eisen genannt. Noch gröſsere Bedeutung erlangte die Lütticher Eisenindustrie Ende des 12. und im 13. Jahr- Beck, Geschichte des Eisens. 54

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Zitationshilfe: Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 2: Das XVI. und XVII. Jahrhundert. Braunschweig, 1895, S. 849. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/beck_eisen02_1895/869>, abgerufen am 19.03.2019.