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Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 5: Das XIX. Jahrhundert von 1860 bis zum Schluss. Braunschweig, 1903.

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Brennmaterial.
Stassano eine elektrische Eisen- und Stahlgewinnung, wobei das
Schmelzen in elektrischen Öfen erfolgen soll, vorgeschlagen 1).

Starke Elektromagnete dienen zum Ausheben der Masseln aus
dem Masselbett sowie zum Heben schwerer Eisenstücke 2).

Für Kraftmaschinen findet die Elektricität im Kleinbetrieb viel-
fach Anwendung. Die Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft in Berlin
betreibt auch bereits ein Kupferwalzwerk elektrisch. Die Anlage ist
von der Maschinenbau-Aktiengesellschaft vorm. Gebr. Klein in Dahl-
beuch ausgeführt 3).

In Schweden ist das in Gestrikland gelegene Eisenwerk Hofors
schon 1893 dazu übergegangen, die Kraft eines 21/2 km entfernten
Wasserfalles zum Betriebe von drei Walzenpressen und den dazu-
gehörigen Hülfsmaschinen auszunutzen 4), wobei die ganze Kraft elek-
trisch übertragen wird.

Die Fortschritte im Hüttenbetriebe.
Brennmaterial.

Die Bedeutung des Holzes und der Holzkohle als Brennstoff für
die Eisenindustrie treten in diesem Zeitraume im ganzen mehr zurück.
Dementsprechend waren auch die Fortschritte der Holzverkohlung
nicht sehr gross. Die Ofenverkohlung gewann in Schweden und in
Nordamerika 5) gegenüber der Meilerverkohlung an Bedeutung. Die
Öfen waren meist, wie z. B. der von Mathien 6), in Form von Re-
torten mit Gewinnung der Destillationsprodukte.

Eine sehr grosse Erzeugung hatten die kontinuierlichen Ver-
kohlungsöfen von E. J. Ljungberg auf dem Domnarfvets Eisenwerk
in Schweden 7). Sie waren in vier Kammern geteilt nach Art der
Ringöfen und wurden ähnlich wie diese betrieben. Die erste Kammer
diente zum Vorwärmen, die zweite zum Entwässern, die dritte zum
Verkohlen des Holzes und die vierte zum Ziehen der Kohlen und
zum Besetzen. Obgleich ein Satz 20 Tage brauchte, lieferte 1896 ein

1) Stahl und Eisen 1899, S. 797.
2) Glasers Annalen 1898, Nr. 506; siehe Stahl u. Eisen 1898, S. 780; 1901, S. 419.
3) Siehe Stahl und Eisen 1899, S. 905.
4) Journal of the Iron and Steel Institute 1898, t. II, p. 297; siehe Stahl und
Eisen 1900, S. 56.
5) Siehe Berg- und Hüttenmännische Ztg. 1881, S. 267.
6) Jernkont. Annal. 1884, Heft 5.
7) Siehe Stahl und Eisen 1897, S. 932 und 1898, S. 77.

Brennmaterial.
Stassano eine elektrische Eisen- und Stahlgewinnung, wobei das
Schmelzen in elektrischen Öfen erfolgen soll, vorgeschlagen 1).

Starke Elektromagnete dienen zum Ausheben der Masseln aus
dem Masselbett sowie zum Heben schwerer Eisenstücke 2).

Für Kraftmaschinen findet die Elektricität im Kleinbetrieb viel-
fach Anwendung. Die Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft in Berlin
betreibt auch bereits ein Kupferwalzwerk elektrisch. Die Anlage ist
von der Maschinenbau-Aktiengesellschaft vorm. Gebr. Klein in Dahl-
beuch ausgeführt 3).

In Schweden ist das in Gestrikland gelegene Eisenwerk Hofors
schon 1893 dazu übergegangen, die Kraft eines 2½ km entfernten
Wasserfalles zum Betriebe von drei Walzenpressen und den dazu-
gehörigen Hülfsmaschinen auszunutzen 4), wobei die ganze Kraft elek-
trisch übertragen wird.

Die Fortschritte im Hüttenbetriebe.
Brennmaterial.

Die Bedeutung des Holzes und der Holzkohle als Brennstoff für
die Eisenindustrie treten in diesem Zeitraume im ganzen mehr zurück.
Dementsprechend waren auch die Fortschritte der Holzverkohlung
nicht sehr groſs. Die Ofenverkohlung gewann in Schweden und in
Nordamerika 5) gegenüber der Meilerverkohlung an Bedeutung. Die
Öfen waren meist, wie z. B. der von Mathien 6), in Form von Re-
torten mit Gewinnung der Destillationsprodukte.

Eine sehr groſse Erzeugung hatten die kontinuierlichen Ver-
kohlungsöfen von E. J. Ljungberg auf dem Domnarfvets Eisenwerk
in Schweden 7). Sie waren in vier Kammern geteilt nach Art der
Ringöfen und wurden ähnlich wie diese betrieben. Die erste Kammer
diente zum Vorwärmen, die zweite zum Entwässern, die dritte zum
Verkohlen des Holzes und die vierte zum Ziehen der Kohlen und
zum Besetzen. Obgleich ein Satz 20 Tage brauchte, lieferte 1896 ein

1) Stahl und Eisen 1899, S. 797.
2) Glasers Annalen 1898, Nr. 506; siehe Stahl u. Eisen 1898, S. 780; 1901, S. 419.
3) Siehe Stahl und Eisen 1899, S. 905.
4) Journal of the Iron and Steel Institute 1898, t. II, p. 297; siehe Stahl und
Eisen 1900, S. 56.
5) Siehe Berg- und Hüttenmännische Ztg. 1881, S. 267.
6) Jernkont. Annal. 1884, Heft 5.
7) Siehe Stahl und Eisen 1897, S. 932 und 1898, S. 77.
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[406/0422] Brennmaterial. Stassano eine elektrische Eisen- und Stahlgewinnung, wobei das Schmelzen in elektrischen Öfen erfolgen soll, vorgeschlagen 1). Starke Elektromagnete dienen zum Ausheben der Masseln aus dem Masselbett sowie zum Heben schwerer Eisenstücke 2). Für Kraftmaschinen findet die Elektricität im Kleinbetrieb viel- fach Anwendung. Die Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft in Berlin betreibt auch bereits ein Kupferwalzwerk elektrisch. Die Anlage ist von der Maschinenbau-Aktiengesellschaft vorm. Gebr. Klein in Dahl- beuch ausgeführt 3). In Schweden ist das in Gestrikland gelegene Eisenwerk Hofors schon 1893 dazu übergegangen, die Kraft eines 2½ km entfernten Wasserfalles zum Betriebe von drei Walzenpressen und den dazu- gehörigen Hülfsmaschinen auszunutzen 4), wobei die ganze Kraft elek- trisch übertragen wird. Die Fortschritte im Hüttenbetriebe. Brennmaterial. Die Bedeutung des Holzes und der Holzkohle als Brennstoff für die Eisenindustrie treten in diesem Zeitraume im ganzen mehr zurück. Dementsprechend waren auch die Fortschritte der Holzverkohlung nicht sehr groſs. Die Ofenverkohlung gewann in Schweden und in Nordamerika 5) gegenüber der Meilerverkohlung an Bedeutung. Die Öfen waren meist, wie z. B. der von Mathien 6), in Form von Re- torten mit Gewinnung der Destillationsprodukte. Eine sehr groſse Erzeugung hatten die kontinuierlichen Ver- kohlungsöfen von E. J. Ljungberg auf dem Domnarfvets Eisenwerk in Schweden 7). Sie waren in vier Kammern geteilt nach Art der Ringöfen und wurden ähnlich wie diese betrieben. Die erste Kammer diente zum Vorwärmen, die zweite zum Entwässern, die dritte zum Verkohlen des Holzes und die vierte zum Ziehen der Kohlen und zum Besetzen. Obgleich ein Satz 20 Tage brauchte, lieferte 1896 ein 1) Stahl und Eisen 1899, S. 797. 2) Glasers Annalen 1898, Nr. 506; siehe Stahl u. Eisen 1898, S. 780; 1901, S. 419. 3) Siehe Stahl und Eisen 1899, S. 905. 4) Journal of the Iron and Steel Institute 1898, t. II, p. 297; siehe Stahl und Eisen 1900, S. 56. 5) Siehe Berg- und Hüttenmännische Ztg. 1881, S. 267. 6) Jernkont. Annal. 1884, Heft 5. 7) Siehe Stahl und Eisen 1897, S. 932 und 1898, S. 77.

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Zitationshilfe: Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 5: Das XIX. Jahrhundert von 1860 bis zum Schluss. Braunschweig, 1903, S. 406. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/beck_eisen05_1903/422>, abgerufen am 21.03.2019.