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Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 5: Das XIX. Jahrhundert von 1860 bis zum Schluss. Braunschweig, 1903.

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Die Kleinbessemerei.
land zu 66,50 bis 67,97 für die Tonne Blöcke berechnet. Da aber
Thomasroheisen wesentlich billiger ist als Bessemerroheisen, so stellt
sich bei günstigen Verhältnissen der Preis des Endproduktes doch
billiger als bei dem sauren Prozess.

Weitere Entwickelung des Windfrischens von 1880 bis 1899.
Die Kleinbessemerei.

Das Bestreben, die Konverter immer grösser zu machen, welches
in England und Amerika besonders hervortrat, führte zu einer Re-
aktion, welche sich so gestaltete, dass sich neben dem Grossbetriebe
ein Kleinbetrieb, die sogenannte Kleinbessemerei, entwickelte.

Der Schnellbetrieb in den grossen Birnen erforderte höchst kost-
spielige Anlagen, sowohl für den Prozess selbst, als für die Ver-
arbeitung der Massenproduktion.

Der Betrieb kleiner Konverter bot dagegen mancherlei Vorteile,
indem er 1. eher die Verwendung bestehender Walzwerksanlagen für
den Puddelofenbetrieb ermöglichte; 2. sich besser mit dem Hochofen
verbinden liess, um das Roheisen zum Teil zu Flusseisen zu verblasen;
3. für die Herstellung von Stahlgusswaren geeigneter war; 4. für ab-
gelegenere Werke, die schwierigen Transport und beschränkten Absatz
hatten, zweckmässiger war und 5. auch eher die Erzeugung ver-
schiedener Sorten für verschiedene Zwecke ermöglichte, vor allem aber,
dass 6. die Anlagen und Einrichtungen weniger kostspielig waren.

Aus diesen Gründen wendete man der Kleinbessemerei in den
achtziger Jahren ein grosses Interesse zu, und wenn auch auf die
Dauer die gehofften Erfolge ausblieben und die Überlegenheit des
Grossbetriebes sich erwies, so hat sie sich doch noch an einzelnen Orten
erhalten und verdient als geschichtliche Episode unsere Beachtung um
so mehr, als sie in neuester Zeit für die Herstellung von Stahlguss
eine wachsende Bedeutung erlangt hat.

In gewissem Sinne war der Anfang des Bessemerprozesses Klein-
bessemerei, denn sowohl die feststehenden Öfen in Schweden, als
Bessemers erste bewegliche Birne hatten ebenso geringen Fassungs-
raum wie die Öfen der Kleinbessemerei. In Schweden war man mit
den feststehenden Öfen überhaupt eigentlich nicht über diesen Zustand
hinausgekommen, von hier ging auch die erste Anregung für diesen
Kleinbetrieb aus.

1877 erregte eine Mitteilung Aufsehen, dass es einem schwedischen

Die Kleinbessemerei.
land zu 66,50 bis 67,97 für die Tonne Blöcke berechnet. Da aber
Thomasroheisen wesentlich billiger ist als Bessemerroheisen, so stellt
sich bei günstigen Verhältnissen der Preis des Endproduktes doch
billiger als bei dem sauren Prozeſs.

Weitere Entwickelung des Windfrischens von 1880 bis 1899.
Die Kleinbessemerei.

Das Bestreben, die Konverter immer gröſser zu machen, welches
in England und Amerika besonders hervortrat, führte zu einer Re-
aktion, welche sich so gestaltete, daſs sich neben dem Groſsbetriebe
ein Kleinbetrieb, die sogenannte Kleinbessemerei, entwickelte.

Der Schnellbetrieb in den groſsen Birnen erforderte höchst kost-
spielige Anlagen, sowohl für den Prozeſs selbst, als für die Ver-
arbeitung der Massenproduktion.

Der Betrieb kleiner Konverter bot dagegen mancherlei Vorteile,
indem er 1. eher die Verwendung bestehender Walzwerksanlagen für
den Puddelofenbetrieb ermöglichte; 2. sich besser mit dem Hochofen
verbinden lieſs, um das Roheisen zum Teil zu Fluſseisen zu verblasen;
3. für die Herstellung von Stahlguſswaren geeigneter war; 4. für ab-
gelegenere Werke, die schwierigen Transport und beschränkten Absatz
hatten, zweckmäſsiger war und 5. auch eher die Erzeugung ver-
schiedener Sorten für verschiedene Zwecke ermöglichte, vor allem aber,
daſs 6. die Anlagen und Einrichtungen weniger kostspielig waren.

Aus diesen Gründen wendete man der Kleinbessemerei in den
achtziger Jahren ein groſses Interesse zu, und wenn auch auf die
Dauer die gehofften Erfolge ausblieben und die Überlegenheit des
Groſsbetriebes sich erwies, so hat sie sich doch noch an einzelnen Orten
erhalten und verdient als geschichtliche Episode unsere Beachtung um
so mehr, als sie in neuester Zeit für die Herstellung von Stahlguſs
eine wachsende Bedeutung erlangt hat.

In gewissem Sinne war der Anfang des Bessemerprozesses Klein-
bessemerei, denn sowohl die feststehenden Öfen in Schweden, als
Bessemers erste bewegliche Birne hatten ebenso geringen Fassungs-
raum wie die Öfen der Kleinbessemerei. In Schweden war man mit
den feststehenden Öfen überhaupt eigentlich nicht über diesen Zustand
hinausgekommen, von hier ging auch die erste Anregung für diesen
Kleinbetrieb aus.

1877 erregte eine Mitteilung Aufsehen, daſs es einem schwedischen

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[665/0681] Die Kleinbessemerei. land zu 66,50 bis 67,97 für die Tonne Blöcke berechnet. Da aber Thomasroheisen wesentlich billiger ist als Bessemerroheisen, so stellt sich bei günstigen Verhältnissen der Preis des Endproduktes doch billiger als bei dem sauren Prozeſs. Weitere Entwickelung des Windfrischens von 1880 bis 1899. Die Kleinbessemerei. Das Bestreben, die Konverter immer gröſser zu machen, welches in England und Amerika besonders hervortrat, führte zu einer Re- aktion, welche sich so gestaltete, daſs sich neben dem Groſsbetriebe ein Kleinbetrieb, die sogenannte Kleinbessemerei, entwickelte. Der Schnellbetrieb in den groſsen Birnen erforderte höchst kost- spielige Anlagen, sowohl für den Prozeſs selbst, als für die Ver- arbeitung der Massenproduktion. Der Betrieb kleiner Konverter bot dagegen mancherlei Vorteile, indem er 1. eher die Verwendung bestehender Walzwerksanlagen für den Puddelofenbetrieb ermöglichte; 2. sich besser mit dem Hochofen verbinden lieſs, um das Roheisen zum Teil zu Fluſseisen zu verblasen; 3. für die Herstellung von Stahlguſswaren geeigneter war; 4. für ab- gelegenere Werke, die schwierigen Transport und beschränkten Absatz hatten, zweckmäſsiger war und 5. auch eher die Erzeugung ver- schiedener Sorten für verschiedene Zwecke ermöglichte, vor allem aber, daſs 6. die Anlagen und Einrichtungen weniger kostspielig waren. Aus diesen Gründen wendete man der Kleinbessemerei in den achtziger Jahren ein groſses Interesse zu, und wenn auch auf die Dauer die gehofften Erfolge ausblieben und die Überlegenheit des Groſsbetriebes sich erwies, so hat sie sich doch noch an einzelnen Orten erhalten und verdient als geschichtliche Episode unsere Beachtung um so mehr, als sie in neuester Zeit für die Herstellung von Stahlguſs eine wachsende Bedeutung erlangt hat. In gewissem Sinne war der Anfang des Bessemerprozesses Klein- bessemerei, denn sowohl die feststehenden Öfen in Schweden, als Bessemers erste bewegliche Birne hatten ebenso geringen Fassungs- raum wie die Öfen der Kleinbessemerei. In Schweden war man mit den feststehenden Öfen überhaupt eigentlich nicht über diesen Zustand hinausgekommen, von hier ging auch die erste Anregung für diesen Kleinbetrieb aus. 1877 erregte eine Mitteilung Aufsehen, daſs es einem schwedischen

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Zitationshilfe: Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 5: Das XIX. Jahrhundert von 1860 bis zum Schluss. Braunschweig, 1903, S. 665. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/beck_eisen05_1903/681>, abgerufen am 23.03.2019.