Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Behrens, Georg Henning: Hercynia Curiosa, oder Curiöser Hartz-Wald. Nordhausen, 1703.

Bild:
<< vorherige Seite

Das IIX Cap. von den Curiositäten derer Berg-
sich ansetzet/ alsdenn wird derselbe heraus genommen/ der reine abge-
sondert und in Fässer gepacket/ den unreinen aber machen die Vitriol-
Sieder mit warmen Wasser wieder zur Lauge/ und nennen solche ei-
nen Gruß/ weilen dieselbe starck oder reich von Vitriol ist/ und also
den Sud befödert. Diesen Gruß lässet man endlich mit der in denen
Sätz-Fässern zurück gebliebenen und andern guten frischen Lauge
wieder sieden/ und auf vor besagte Art ferner zu Vitriolischen Chry-
stall
en anschiessen. Sonst dürffen die Arbeiter keine lederne Schuhe
tragen/ indem das scharffe Vitriolische Wesen solche bald zerfrisset/
derowegen sie an deren Stelle hölzerne brauchen müssen.

XVI.
Von denen Eisen-Schmeltz- und Hammer-
Hütten.

SOlcher Officinen giebt es sehr viel an und auf dem Hartz/ nem-
lich zur Zorge/ Wiede und Tanne/ bey Gittel und Stolberg/
auf dem Rübelande/ Vos- oder vielmehr Voigts-Felde und andern
Orten mehr/ da insgemein ein gutes Eisen gemachet wird/ ob schon
eines besser als das andere ist/ also übertrifft das Gittelsche vieles Ei-
sen mit seiner Geschmeidigkeit/ welches man zu Winters-Zeit an de-
nen Stangen-Künsten sehen kan/ denn wenn davon durch einen heff-
tigen Frost und von der Gewalt solcher Künste das andere abspringet/
so geschiehet doch dergleichen von den Gittelschen nicht/ sondern es
ziehet und krümmet sich wie ein Nagel-Bohrer/ ehe dasselbe zubricht/
dieserwegen muß solches der Factor zu Gittel vor die Berg-Wercke
aufbehalten/ und darff es nicht in das Land verkauffen/ wenn dasselbe
nicht etwa überflüßig vorhanden ist/ wie ich öfters bey Herrn Johann
Hagen/ wohl bestalten Factor daselbst/ und meinem/ wegen seiner
vielen mir von Jugend auf als ein Vater erzeigeten Wohlthaten/
höchlich geliebten und geehrten Herrn Vetter/ wie auch Gevatter/
gesehen und gehöret habe. Jn vor besagten Officinen nun wird das
Eisen folgender massen geschmolzen und zubereitet: Erstlich puchet
und röstet man den so genannten Eisen-Stein oder das Eisen-hal-

tende

Das IIX Cap. von den Curioſitaͤten derer Berg-
ſich anſetzet/ alsdenn wird derſelbe heraus genommen/ der reine abge-
ſondert und in Faͤſſer gepacket/ den unreinen aber machen die Vitriol-
Sieder mit warmen Waſſer wieder zur Lauge/ und nennen ſolche ei-
nen Gruß/ weilen dieſelbe ſtarck oder reich von Vitriol iſt/ und alſo
den Sud befoͤdert. Dieſen Gruß laͤſſet man endlich mit der in denen
Saͤtz-Faͤſſern zuruͤck gebliebenen und andern guten friſchen Lauge
wieder ſieden/ und auf vor beſagte Art ferner zu Vitrioliſchen Chry-
ſtall
en anſchieſſen. Sonſt duͤrffen die Arbeiter keine lederne Schuhe
tragen/ indem das ſcharffe Vitrioliſche Weſen ſolche bald zerfriſſet/
derowegen ſie an deren Stelle hoͤlzerne brauchen muͤſſen.

XVI.
Von denen Eiſen-Schmeltz- und Hammer-
Huͤtten.

SOlcher Officinen giebt es ſehr viel an und auf dem Hartz/ nem-
lich zur Zorge/ Wiede und Tanne/ bey Gittel und Stolberg/
auf dem Ruͤbelande/ Vos- oder vielmehr Voigts-Felde und andern
Orten mehr/ da insgemein ein gutes Eiſen gemachet wird/ ob ſchon
eines beſſer als das andere iſt/ alſo uͤbertrifft das Gittelſche vieles Ei-
ſen mit ſeiner Geſchmeidigkeit/ welches man zu Winters-Zeit an de-
nen Stangen-Kuͤnſten ſehen kan/ denn wenn davon durch einen heff-
tigen Froſt und von der Gewalt ſolcher Kuͤnſte das andere abſpringet/
ſo geſchiehet doch dergleichen von den Gittelſchen nicht/ ſondern es
ziehet und kruͤmmet ſich wie ein Nagel-Bohrer/ ehe daſſelbe zubricht/
dieſerwegen muß ſolches der Factor zu Gittel vor die Berg-Wercke
aufbehalten/ und darff es nicht in das Land verkauffen/ wenn daſſelbe
nicht etwa uͤberfluͤßig vorhanden iſt/ wie ich oͤfters bey Herrn Johann
Hagen/ wohl beſtalten Factor daſelbſt/ und meinem/ wegen ſeiner
vielen mir von Jugend auf als ein Vater erzeigeten Wohlthaten/
hoͤchlich geliebten und geehrten Herrn Vetter/ wie auch Gevatter/
geſehen und gehoͤret habe. Jn vor beſagten Officinen nun wird das
Eiſen folgender maſſen geſchmolzen und zubereitet: Erſtlich puchet
und roͤſtet man den ſo genannten Eiſen-Stein oder das Eiſen-hal-

tende
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0200" n="188"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Das</hi><hi rendition="#aq">IIX</hi><hi rendition="#b">Cap. von den</hi><hi rendition="#aq">Curio&#x017F;it</hi><hi rendition="#b">a&#x0364;ten derer Berg-</hi></fw><lb/>
&#x017F;ich an&#x017F;etzet/ alsdenn wird der&#x017F;elbe heraus genommen/ der reine abge-<lb/>
&#x017F;ondert und in Fa&#x0364;&#x017F;&#x017F;er gepacket/ den unreinen aber machen die <hi rendition="#aq">Vitriol-</hi><lb/>
Sieder mit warmen Wa&#x017F;&#x017F;er wieder zur Lauge/ und nennen &#x017F;olche ei-<lb/>
nen Gruß/ weilen die&#x017F;elbe &#x017F;tarck oder reich von <hi rendition="#aq">Vitriol</hi> i&#x017F;t/ und al&#x017F;o<lb/>
den Sud befo&#x0364;dert. Die&#x017F;en Gruß la&#x0364;&#x017F;&#x017F;et man endlich mit der in denen<lb/>
Sa&#x0364;tz-Fa&#x0364;&#x017F;&#x017F;ern zuru&#x0364;ck gebliebenen und andern guten fri&#x017F;chen Lauge<lb/>
wieder &#x017F;ieden/ und auf vor be&#x017F;agte Art ferner zu <hi rendition="#aq">Vitriol</hi>i&#x017F;chen <hi rendition="#aq">Chry-<lb/>
&#x017F;tall</hi>en an&#x017F;chie&#x017F;&#x017F;en. Son&#x017F;t du&#x0364;rffen die Arbeiter keine lederne Schuhe<lb/>
tragen/ indem das &#x017F;charffe <hi rendition="#aq">Vitriol</hi>i&#x017F;che We&#x017F;en &#x017F;olche bald zerfri&#x017F;&#x017F;et/<lb/>
derowegen &#x017F;ie an deren Stelle ho&#x0364;lzerne brauchen mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en.</p>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#b"><hi rendition="#aq">XVI.</hi><lb/>
Von denen Ei&#x017F;en-Schmeltz- und Hammer-<lb/>
Hu&#x0364;tten.</hi> </head><lb/>
          <p><hi rendition="#in">S</hi>Olcher <hi rendition="#aq">Officin</hi>en giebt es &#x017F;ehr viel an und auf dem Hartz/ nem-<lb/>
lich zur Zorge/ Wiede und Tanne/ bey Gittel und Stolberg/<lb/>
auf dem Ru&#x0364;belande/ Vos- oder vielmehr Voigts-Felde und andern<lb/>
Orten mehr/ da insgemein ein gutes Ei&#x017F;en gemachet wird/ ob &#x017F;chon<lb/>
eines be&#x017F;&#x017F;er als das andere i&#x017F;t/ al&#x017F;o u&#x0364;bertrifft das Gittel&#x017F;che vieles Ei-<lb/>
&#x017F;en mit &#x017F;einer Ge&#x017F;chmeidigkeit/ welches man zu Winters-Zeit an de-<lb/>
nen Stangen-Ku&#x0364;n&#x017F;ten &#x017F;ehen kan/ denn wenn davon durch einen heff-<lb/>
tigen Fro&#x017F;t und von der Gewalt &#x017F;olcher Ku&#x0364;n&#x017F;te das andere ab&#x017F;pringet/<lb/>
&#x017F;o ge&#x017F;chiehet doch dergleichen von den Gittel&#x017F;chen nicht/ &#x017F;ondern es<lb/>
ziehet und kru&#x0364;mmet &#x017F;ich wie ein Nagel-Bohrer/ ehe da&#x017F;&#x017F;elbe zubricht/<lb/>
die&#x017F;erwegen muß &#x017F;olches der <hi rendition="#aq">Factor</hi> zu Gittel vor die Berg-Wercke<lb/>
aufbehalten/ und darff es nicht in das Land verkauffen/ wenn da&#x017F;&#x017F;elbe<lb/>
nicht etwa u&#x0364;berflu&#x0364;ßig vorhanden i&#x017F;t/ wie ich o&#x0364;fters bey Herrn Johann<lb/>
Hagen/ wohl be&#x017F;talten <hi rendition="#aq">Factor</hi> da&#x017F;elb&#x017F;t/ und meinem/ wegen &#x017F;einer<lb/>
vielen mir von Jugend auf als ein Vater erzeigeten Wohlthaten/<lb/>
ho&#x0364;chlich geliebten und geehrten Herrn Vetter/ wie auch Gevatter/<lb/>
ge&#x017F;ehen und geho&#x0364;ret habe. Jn vor be&#x017F;agten <hi rendition="#aq">Officin</hi>en nun wird das<lb/>
Ei&#x017F;en folgender ma&#x017F;&#x017F;en ge&#x017F;chmolzen und zubereitet: Er&#x017F;tlich puchet<lb/>
und ro&#x0364;&#x017F;tet man den &#x017F;o genannten Ei&#x017F;en-Stein oder das Ei&#x017F;en-hal-<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">tende</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[188/0200] Das IIX Cap. von den Curioſitaͤten derer Berg- ſich anſetzet/ alsdenn wird derſelbe heraus genommen/ der reine abge- ſondert und in Faͤſſer gepacket/ den unreinen aber machen die Vitriol- Sieder mit warmen Waſſer wieder zur Lauge/ und nennen ſolche ei- nen Gruß/ weilen dieſelbe ſtarck oder reich von Vitriol iſt/ und alſo den Sud befoͤdert. Dieſen Gruß laͤſſet man endlich mit der in denen Saͤtz-Faͤſſern zuruͤck gebliebenen und andern guten friſchen Lauge wieder ſieden/ und auf vor beſagte Art ferner zu Vitrioliſchen Chry- ſtallen anſchieſſen. Sonſt duͤrffen die Arbeiter keine lederne Schuhe tragen/ indem das ſcharffe Vitrioliſche Weſen ſolche bald zerfriſſet/ derowegen ſie an deren Stelle hoͤlzerne brauchen muͤſſen. XVI. Von denen Eiſen-Schmeltz- und Hammer- Huͤtten. SOlcher Officinen giebt es ſehr viel an und auf dem Hartz/ nem- lich zur Zorge/ Wiede und Tanne/ bey Gittel und Stolberg/ auf dem Ruͤbelande/ Vos- oder vielmehr Voigts-Felde und andern Orten mehr/ da insgemein ein gutes Eiſen gemachet wird/ ob ſchon eines beſſer als das andere iſt/ alſo uͤbertrifft das Gittelſche vieles Ei- ſen mit ſeiner Geſchmeidigkeit/ welches man zu Winters-Zeit an de- nen Stangen-Kuͤnſten ſehen kan/ denn wenn davon durch einen heff- tigen Froſt und von der Gewalt ſolcher Kuͤnſte das andere abſpringet/ ſo geſchiehet doch dergleichen von den Gittelſchen nicht/ ſondern es ziehet und kruͤmmet ſich wie ein Nagel-Bohrer/ ehe daſſelbe zubricht/ dieſerwegen muß ſolches der Factor zu Gittel vor die Berg-Wercke aufbehalten/ und darff es nicht in das Land verkauffen/ wenn daſſelbe nicht etwa uͤberfluͤßig vorhanden iſt/ wie ich oͤfters bey Herrn Johann Hagen/ wohl beſtalten Factor daſelbſt/ und meinem/ wegen ſeiner vielen mir von Jugend auf als ein Vater erzeigeten Wohlthaten/ hoͤchlich geliebten und geehrten Herrn Vetter/ wie auch Gevatter/ geſehen und gehoͤret habe. Jn vor beſagten Officinen nun wird das Eiſen folgender maſſen geſchmolzen und zubereitet: Erſtlich puchet und roͤſtet man den ſo genannten Eiſen-Stein oder das Eiſen-hal- tende

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/behrens_hercynia_1703
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/behrens_hercynia_1703/200
Zitationshilfe: Behrens, Georg Henning: Hercynia Curiosa, oder Curiöser Hartz-Wald. Nordhausen, 1703, S. 188. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/behrens_hercynia_1703/200>, abgerufen am 25.05.2019.