Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Bengel, Johann Albrecht: Abriß der so genannten Brüdergemeine. Bd. 1. Stuttgart, 1751.

Bild:
<< vorherige Seite

Vorrede.
führet, soll aber durchaus und überall die Ge-
meine im Geist
und die Versammlung zu
Christo
abgeben. Wann das sich so verhielte,
so würde man sich durch einen vermessenen
Widerspruch tödlich verschulden: da aber die
jenigen, die es mit dieser aüsserst-vermischten
Sache so eiferig halten, sich durch einen fal-
schen Schein verleiten lassen, so ist die Gefahr
auf ihrer Seite, ob sie sich noch so getrost da-
gegen segneten. Diese Gemeine nennet sich
Evangelisch: aber sie gehet von der Augspur-
gischen Confession und von der Evangelischen
Lehre selbst ab. Sie nennet sich Mährisch:
aber das allerwenigste, das sie an sich hat, ist
Mährisch. Sie soll aus lauter Brüdern be-
stehen; und ihre Glieder sind vielmehr ein gu-
tes und böses Geschwister durcheinander. Was
noch weit mehr ist, sie nennet sich nicht nur ei-
ne Kirche oder Gemeine, sondern die Gemei-
ne
, als ob ihr dieser Name vor allen andern Ge-
meinen aller Zeiten gehörte: aber diß ist ein
Ruhm, den sie ihr selbs ohne Gutheissen
GOttes und erleuchteter Menschen beyleget.
Solches zu zeigen, ist ein gutes Werk: und
bey dem völligen Beweis muß vieles aus dem
Grunde der Wahrheit hergeholet werden,
welches alsdenn nicht nur zu einer nöthigen
Warnung, sondern auch zu einer heilsamen
Erbauung gereichet.

§ 2.

Nun kommt es weit mit der Sache. Auf
der einen Seite sieht man die so genannten
Brüder dafür an, daß sie in der grössten Ge-

fahr

Vorrede.
fuͤhret, ſoll aber durchaus und uͤberall die Ge-
meine im Geiſt
und die Verſammlung zu
Chriſto
abgeben. Wann das ſich ſo verhielte,
ſo wuͤrde man ſich durch einen vermeſſenen
Widerſpruch toͤdlich verſchulden: da aber die
jenigen, die es mit dieſer auͤſſerſt-vermiſchten
Sache ſo eiferig halten, ſich durch einen fal-
ſchen Schein verleiten laſſen, ſo iſt die Gefahr
auf ihrer Seite, ob ſie ſich noch ſo getroſt da-
gegen ſegneten. Dieſe Gemeine nennet ſich
Evangeliſch: aber ſie gehet von der Augſpur-
giſchen Confeſſion und von der Evangeliſchen
Lehre ſelbſt ab. Sie nennet ſich Maͤhriſch:
aber das allerwenigſte, das ſie an ſich hat, iſt
Maͤhriſch. Sie ſoll aus lauter Bruͤdern be-
ſtehen; und ihre Glieder ſind vielmehr ein gu-
tes und boͤſes Geſchwiſter durcheinander. Was
noch weit mehr iſt, ſie nennet ſich nicht nur ei-
ne Kirche oder Gemeine, ſondern die Gemei-
ne
, als ob ihr dieſer Name vor allen andern Ge-
meinen aller Zeiten gehoͤrte: aber diß iſt ein
Ruhm, den ſie ihr ſelbs ohne Gutheiſſen
GOttes und erleuchteter Menſchen beyleget.
Solches zu zeigen, iſt ein gutes Werk: und
bey dem voͤlligen Beweis muß vieles aus dem
Grunde der Wahrheit hergeholet werden,
welches alsdenn nicht nur zu einer noͤthigen
Warnung, ſondern auch zu einer heilſamen
Erbauung gereichet.

§ 2.

Nun kommt es weit mit der Sache. Auf
der einen Seite ſieht man die ſo genannten
Bruͤder dafuͤr an, daß ſie in der groͤſſten Ge-

fahr
<TEI>
  <text>
    <front>
      <div n="2">
        <p><pb facs="#f0008"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#fr">Vorrede.</hi></fw><lb/>
fu&#x0364;hret, &#x017F;oll aber durchaus und u&#x0364;berall die <hi rendition="#fr">Ge-<lb/>
meine im Gei&#x017F;t</hi> und die <hi rendition="#fr">Ver&#x017F;ammlung zu<lb/>
Chri&#x017F;to</hi> abgeben. Wann das &#x017F;ich &#x017F;o verhielte,<lb/>
&#x017F;o wu&#x0364;rde man &#x017F;ich durch einen verme&#x017F;&#x017F;enen<lb/>
Wider&#x017F;pruch to&#x0364;dlich ver&#x017F;chulden: da aber die<lb/>
jenigen, die es mit die&#x017F;er au&#x0364;&#x017F;&#x017F;er&#x017F;t-vermi&#x017F;chten<lb/>
Sache &#x017F;o eiferig halten, &#x017F;ich durch einen fal-<lb/>
&#x017F;chen Schein verleiten la&#x017F;&#x017F;en, &#x017F;o i&#x017F;t die Gefahr<lb/>
auf ihrer Seite, ob &#x017F;ie &#x017F;ich noch &#x017F;o getro&#x017F;t da-<lb/>
gegen &#x017F;egneten. Die&#x017F;e Gemeine nennet &#x017F;ich<lb/><hi rendition="#fr">Evangeli&#x017F;ch:</hi> aber &#x017F;ie gehet von der Aug&#x017F;pur-<lb/>
gi&#x017F;chen Confe&#x017F;&#x017F;ion und von der Evangeli&#x017F;chen<lb/>
Lehre &#x017F;elb&#x017F;t ab. Sie nennet &#x017F;ich <hi rendition="#fr">Ma&#x0364;hri&#x017F;ch:</hi><lb/>
aber das allerwenig&#x017F;te, das &#x017F;ie an &#x017F;ich hat, i&#x017F;t<lb/>
Ma&#x0364;hri&#x017F;ch. Sie &#x017F;oll aus lauter <hi rendition="#fr">Bru&#x0364;dern</hi> be-<lb/>
&#x017F;tehen; und ihre Glieder &#x017F;ind vielmehr ein gu-<lb/>
tes und bo&#x0364;&#x017F;es Ge&#x017F;chwi&#x017F;ter durcheinander. Was<lb/>
noch weit mehr i&#x017F;t, &#x017F;ie nennet &#x017F;ich nicht nur ei-<lb/>
ne Kirche oder Gemeine, &#x017F;ondern <hi rendition="#fr">die Gemei-<lb/>
ne</hi>, als ob ihr die&#x017F;er Name vor allen andern Ge-<lb/>
meinen aller Zeiten geho&#x0364;rte: aber diß i&#x017F;t ein<lb/>
Ruhm, den &#x017F;ie ihr &#x017F;elbs ohne Guthei&#x017F;&#x017F;en<lb/>
GOttes und erleuchteter Men&#x017F;chen beyleget.<lb/>
Solches zu zeigen, i&#x017F;t ein gutes Werk: und<lb/>
bey dem vo&#x0364;lligen Beweis muß vieles aus dem<lb/>
Grunde der Wahrheit hergeholet werden,<lb/>
welches alsdenn nicht nur zu einer no&#x0364;thigen<lb/>
Warnung, &#x017F;ondern auch zu einer heil&#x017F;amen<lb/>
Erbauung gereichet.</p>
      </div><lb/>
      <div n="2">
        <head>§ 2.</head><lb/>
        <p>Nun kommt es weit mit der Sache. Auf<lb/>
der einen Seite &#x017F;ieht man die &#x017F;o genannten<lb/>
Bru&#x0364;der dafu&#x0364;r an, daß &#x017F;ie in der gro&#x0364;&#x017F;&#x017F;ten <hi rendition="#fr">Ge-</hi><lb/>
<fw place="bottom" type="catch"><hi rendition="#fr">fahr</hi></fw><lb/></p>
      </div>
    </front>
  </text>
</TEI>
[0008] Vorrede. fuͤhret, ſoll aber durchaus und uͤberall die Ge- meine im Geiſt und die Verſammlung zu Chriſto abgeben. Wann das ſich ſo verhielte, ſo wuͤrde man ſich durch einen vermeſſenen Widerſpruch toͤdlich verſchulden: da aber die jenigen, die es mit dieſer auͤſſerſt-vermiſchten Sache ſo eiferig halten, ſich durch einen fal- ſchen Schein verleiten laſſen, ſo iſt die Gefahr auf ihrer Seite, ob ſie ſich noch ſo getroſt da- gegen ſegneten. Dieſe Gemeine nennet ſich Evangeliſch: aber ſie gehet von der Augſpur- giſchen Confeſſion und von der Evangeliſchen Lehre ſelbſt ab. Sie nennet ſich Maͤhriſch: aber das allerwenigſte, das ſie an ſich hat, iſt Maͤhriſch. Sie ſoll aus lauter Bruͤdern be- ſtehen; und ihre Glieder ſind vielmehr ein gu- tes und boͤſes Geſchwiſter durcheinander. Was noch weit mehr iſt, ſie nennet ſich nicht nur ei- ne Kirche oder Gemeine, ſondern die Gemei- ne, als ob ihr dieſer Name vor allen andern Ge- meinen aller Zeiten gehoͤrte: aber diß iſt ein Ruhm, den ſie ihr ſelbs ohne Gutheiſſen GOttes und erleuchteter Menſchen beyleget. Solches zu zeigen, iſt ein gutes Werk: und bey dem voͤlligen Beweis muß vieles aus dem Grunde der Wahrheit hergeholet werden, welches alsdenn nicht nur zu einer noͤthigen Warnung, ſondern auch zu einer heilſamen Erbauung gereichet. § 2. Nun kommt es weit mit der Sache. Auf der einen Seite ſieht man die ſo genannten Bruͤder dafuͤr an, daß ſie in der groͤſſten Ge- fahr

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/bengel_abriss01_1751
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/bengel_abriss01_1751/8
Zitationshilfe: Bengel, Johann Albrecht: Abriß der so genannten Brüdergemeine. Bd. 1. Stuttgart, 1751, S. . In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bengel_abriss01_1751/8>, abgerufen am 23.07.2019.