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Martens, Eduard von: Die preussische Expedition nach Ost-Asien. Nach amtlichen Quellen. Zoologischer Teil. Erster Band. Berlin, 1876.

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ANMERKUNGEN.

1) Die Möven, welche ich um Rio Janeiro sowohl in der Bai als ausserhalb
von Bord aus zu sehen bekam, waren zweierlei Art: die grössere mit schwarzem
Mantel, wie der europäische Larus marinus, und mit gelben Füssen, ohne Zweifel
L. Dominicanus Licht., Dominicanus Azarae bei Bonaparte; die kleinere mit hell-
grauem Mantel, rothem Schnabel und rothen Füssen, vielleicht L. maculipennis
Licht.
2) Ferner finden sich Hyla marmorata Laur. sp., infulata Spix und Phyllomedusa
bicolor Bodd. sp. nach Burmeister, Limnocharis fusca nach Darwin, zoology of the
Beagle, um Rio Janeiro.
3) Quoy und Gaimard in Freycinet's voyage de l'Uranie, Zoologie pag. 189,
bemerken, dass die auf dem Markt von Rio Janeiro gesehenen Fische im Allge-
meinen mattere Farben zeigten als die der meisten anderen Tropengegenden und
hauptsächlich aus Rochen, Characinen, Saurus, Makrelen, Vomer und Trichiurus
bestehen. Mir erschien dieses anders. Vielleicht dass nach den Jahreszeiten die
vorherrschenden Fische verschieden sind, vielleicht ist die Differenz auch mehr sub-
jectiv; es war für mich der erste tropische Fischmarkt, den ich sah, und ich konnte
ihn deshalb noch nicht mit andern vergleichen; soweit übrigens jetzt meine Erinne-
rung mir noch ein Urtheil zulässt, sieht es auf den Fischmärkten von Singapore und
Batavia nicht bunter, eher eintöniger aus, als auf dem von Rio.
4) Corbula ochreata wird als Süsswasserbewohnerin, Potamomya, betrachtet, es
ist daher bemerkenswerth, dass ich sie hier nur mit Meermuscheln zusammen, wenn
auch todt fand. Was den Namen betrifft, so soll er doch wahrscheinlich "ockergelb"
bedeuten und würde alsdann passender ochracea lauten.
5) Die kleinen Litorinen der Nordsee, namentlich rudis Mont. und tenebrosa
Mont., sowie diejenige des Mittelmeers, L. neritoides L. sp. (coerulescens Lam.),
leben grossentheils entschieden über der gewöhnlichen Fluthhöhe, wie Andere und
ich selbst vielfach gesehen haben.
6) Es ist bemerkenswerth, dass die meisten Arten von Conchylien, welche ich
zu Rio Janeiro fand (auch Trochus cruciatus L. gehört noch hierher), auch in West-
indien häufig sind; während an der Küste der Laplata-Staaten sie nicht mehr vorzu-
kommen scheinen. Die Uebereinstimmung im Klima ist also hier für die Verbrei-
tungsbezirke der Arten wichtiger als die continuirliche Küstenrichtung.
7) In dreizehn Faden Tiefe wurde von Macgillioray in der Bai von Rio Janeiro
eine kleine rosenrothe Terebratel, Bouchardia tulipa, aufgefischt.
8) Diese Qualle glich in ihrer ganzen äussern Erscheinung, der Länge und Form
der Arme, den vier Magenhöhlen und ihren vier untern Oeffnungen, dem Verlauf der
Gefässe u. s. w. unserer europäischen Medusa (oder Aurelia) aurita L., zeigte aber
16 statt 8 Einkerbungen im Scheibenrande. Ihre Farbe war ganz wasserhell, die
Randfäden, der beiderseitige Hautrand der Arme und die Ovarien blass rosenroth
Vielleicht Aurelia colpota Brandt, Mem. ac. Petersb. 1838.

ANMERKUNGEN.

1) Die Möven, welche ich um Rio Janeiro sowohl in der Bai als ausserhalb
von Bord aus zu sehen bekam, waren zweierlei Art: die grössere mit schwarzem
Mantel, wie der europäische Larus marinus, und mit gelben Füssen, ohne Zweifel
L. Dominicanus Licht., Dominicanus Azarae bei Bonaparte; die kleinere mit hell-
grauem Mantel, rothem Schnabel und rothen Füssen, vielleicht L. maculipennis
Licht.
2) Ferner finden sich Hyla marmorata Laur. sp., infulata Spix und Phyllomedusa
bicolor Bodd. sp. nach Burmeister, Limnocharis fusca nach Darwin, zoology of the
Beagle, um Rio Janeiro.
3) Quoy und Gaimard in Freycinet’s voyage de l’Uranie, Zoologie pag. 189,
bemerken, dass die auf dem Markt von Rio Janeiro gesehenen Fische im Allge-
meinen mattere Farben zeigten als die der meisten anderen Tropengegenden und
hauptsächlich aus Rochen, Characinen, Saurus, Makrelen, Vomer und Trichiurus
bestehen. Mir erschien dieses anders. Vielleicht dass nach den Jahreszeiten die
vorherrschenden Fische verschieden sind, vielleicht ist die Differenz auch mehr sub-
jectiv; es war für mich der erste tropische Fischmarkt, den ich sah, und ich konnte
ihn deshalb noch nicht mit andern vergleichen; soweit übrigens jetzt meine Erinne-
rung mir noch ein Urtheil zulässt, sieht es auf den Fischmärkten von Singapore und
Batavia nicht bunter, eher eintöniger aus, als auf dem von Rio.
4) Corbula ochreata wird als Süsswasserbewohnerin, Potamomya, betrachtet, es
ist daher bemerkenswerth, dass ich sie hier nur mit Meermuscheln zusammen, wenn
auch todt fand. Was den Namen betrifft, so soll er doch wahrscheinlich »ockergelb«
bedeuten und würde alsdann passender ochracea lauten.
5) Die kleinen Litorinen der Nordsee, namentlich rudis Mont. und tenebrosa
Mont., sowie diejenige des Mittelmeers, L. neritoides L. sp. (coerulescens Lam.),
leben grossentheils entschieden über der gewöhnlichen Fluthhöhe, wie Andere und
ich selbst vielfach gesehen haben.
6) Es ist bemerkenswerth, dass die meisten Arten von Conchylien, welche ich
zu Rio Janeiro fand (auch Trochus cruciatus L. gehört noch hierher), auch in West-
indien häufig sind; während an der Küste der Laplata-Staaten sie nicht mehr vorzu-
kommen scheinen. Die Uebereinstimmung im Klima ist also hier für die Verbrei-
tungsbezirke der Arten wichtiger als die continuirliche Küstenrichtung.
7) In dreizehn Faden Tiefe wurde von Macgillioray in der Bai von Rio Janeiro
eine kleine rosenrothe Terebratel, Bouchardia tulipa, aufgefischt.
8) Diese Qualle glich in ihrer ganzen äussern Erscheinung, der Länge und Form
der Arme, den vier Magenhöhlen und ihren vier untern Oeffnungen, dem Verlauf der
Gefässe u. s. w. unserer europäischen Medusa (oder Aurelia) aurita L., zeigte aber
16 statt 8 Einkerbungen im Scheibenrande. Ihre Farbe war ganz wasserhell, die
Randfäden, der beiderseitige Hautrand der Arme und die Ovarien blass rosenroth
Vielleicht Aurelia colpota Brandt, Mem. ac. Petersb. 1838.

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[[44]/0062] ANMERKUNGEN. ¹⁾ Die Möven, welche ich um Rio Janeiro sowohl in der Bai als ausserhalb von Bord aus zu sehen bekam, waren zweierlei Art: die grössere mit schwarzem Mantel, wie der europäische Larus marinus, und mit gelben Füssen, ohne Zweifel L. Dominicanus Licht., Dominicanus Azarae bei Bonaparte; die kleinere mit hell- grauem Mantel, rothem Schnabel und rothen Füssen, vielleicht L. maculipennis Licht. ²⁾ Ferner finden sich Hyla marmorata Laur. sp., infulata Spix und Phyllomedusa bicolor Bodd. sp. nach Burmeister, Limnocharis fusca nach Darwin, zoology of the Beagle, um Rio Janeiro. ³⁾ Quoy und Gaimard in Freycinet’s voyage de l’Uranie, Zoologie pag. 189, bemerken, dass die auf dem Markt von Rio Janeiro gesehenen Fische im Allge- meinen mattere Farben zeigten als die der meisten anderen Tropengegenden und hauptsächlich aus Rochen, Characinen, Saurus, Makrelen, Vomer und Trichiurus bestehen. Mir erschien dieses anders. Vielleicht dass nach den Jahreszeiten die vorherrschenden Fische verschieden sind, vielleicht ist die Differenz auch mehr sub- jectiv; es war für mich der erste tropische Fischmarkt, den ich sah, und ich konnte ihn deshalb noch nicht mit andern vergleichen; soweit übrigens jetzt meine Erinne- rung mir noch ein Urtheil zulässt, sieht es auf den Fischmärkten von Singapore und Batavia nicht bunter, eher eintöniger aus, als auf dem von Rio. ⁴⁾ Corbula ochreata wird als Süsswasserbewohnerin, Potamomya, betrachtet, es ist daher bemerkenswerth, dass ich sie hier nur mit Meermuscheln zusammen, wenn auch todt fand. Was den Namen betrifft, so soll er doch wahrscheinlich »ockergelb« bedeuten und würde alsdann passender ochracea lauten. ⁵⁾ Die kleinen Litorinen der Nordsee, namentlich rudis Mont. und tenebrosa Mont., sowie diejenige des Mittelmeers, L. neritoides L. sp. (coerulescens Lam.), leben grossentheils entschieden über der gewöhnlichen Fluthhöhe, wie Andere und ich selbst vielfach gesehen haben. ⁶⁾ Es ist bemerkenswerth, dass die meisten Arten von Conchylien, welche ich zu Rio Janeiro fand (auch Trochus cruciatus L. gehört noch hierher), auch in West- indien häufig sind; während an der Küste der Laplata-Staaten sie nicht mehr vorzu- kommen scheinen. Die Uebereinstimmung im Klima ist also hier für die Verbrei- tungsbezirke der Arten wichtiger als die continuirliche Küstenrichtung. ⁷⁾ In dreizehn Faden Tiefe wurde von Macgillioray in der Bai von Rio Janeiro eine kleine rosenrothe Terebratel, Bouchardia tulipa, aufgefischt. ⁸⁾ Diese Qualle glich in ihrer ganzen äussern Erscheinung, der Länge und Form der Arme, den vier Magenhöhlen und ihren vier untern Oeffnungen, dem Verlauf der Gefässe u. s. w. unserer europäischen Medusa (oder Aurelia) aurita L., zeigte aber 16 statt 8 Einkerbungen im Scheibenrande. Ihre Farbe war ganz wasserhell, die Randfäden, der beiderseitige Hautrand der Arme und die Ovarien blass rosenroth Vielleicht Aurelia colpota Brandt, Mem. ac. Petersb. 1838.

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Zitationshilfe: Martens, Eduard von: Die preussische Expedition nach Ost-Asien. Nach amtlichen Quellen. Zoologischer Teil. Erster Band. Berlin, 1876. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/berg_ostasienzoologie01_1876/62>, S. [44], abgerufen am 21.02.2018.