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Blumenbach, Johann Friedrich: Handbuch der Naturgeschichte. 3. Aufl. Göttingen, 1788.

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§. 66.

Unter den Sinnen der Vögel ist besonders
ihr Gesicht und bey vielen auch das Gehör von
vorzüglicher Schärfe. Auch haben die Werk-
zeuge dieser beiden Sinne bey diesen Thieren über-
aus viel eignes, merkwürdiges. Die Augen z.
B. einen knöchernen aus einzelnen nachgiebigen
Blättgen zusammen gesetzten Ring in der harten
Haut (sclerotica), und einen sonderbaren schwar-
zen Fächer (pecten plicatum, Fr. bourse) im
Augapfel, der aus dem Ende des Gesichtsnerven
entspringt und in die gläserne Feuchtigkeit (cor-
pus vitreum
) hineindringt. Die innern Gehör-
werkzeuge hingegen sind bey den Vögeln weit ein-
facher als bey den Säugethieren gebildet, und
der ganzen Classe fehlen auch die äußern Ohren;
ein Mangel, der aber durch die äußerst regel-
mäßige cirkelförmige Stellung und bestimmte
Richtung der Federgen in der Gegend des Ohres
sattsam ersetzt wird.

§. 67.

Was die Stimme der Vögel betrifft, so ge-
ben zwar die Raubvögel, die mehresten Wasser-
vögel, und die mehresten Hünerarten, meist nur
einen ziemlich einförmigen, nicht sehr angeneh-
men laut von sich: desto mannichfaltiger und an-
muthiger sind hingegen die Töne der kleinen soge-
nannten Sangvögel, von denen man doch nicht so-
wohl sagen darf daß sie singen, (- denn Gesang ist
wohl ein ausschließliches Vorrecht des Menschen -)

§. 66.

Unter den Sinnen der Vögel ist besonders
ihr Gesicht und bey vielen auch das Gehör von
vorzüglicher Schärfe. Auch haben die Werk-
zeuge dieser beiden Sinne bey diesen Thieren über-
aus viel eignes, merkwürdiges. Die Augen z.
B. einen knöchernen aus einzelnen nachgiebigen
Blättgen zusammen gesetzten Ring in der harten
Haut (sclerotica), und einen sonderbaren schwar-
zen Fächer (pecten plicatum, Fr. bourse) im
Augapfel, der aus dem Ende des Gesichtsnerven
entspringt und in die gläserne Feuchtigkeit (cor-
pus vitreum
) hineindringt. Die innern Gehör-
werkzeuge hingegen sind bey den Vögeln weit ein-
facher als bey den Säugethieren gebildet, und
der ganzen Classe fehlen auch die äußern Ohren;
ein Mangel, der aber durch die äußerst regel-
mäßige cirkelförmige Stellung und bestimmte
Richtung der Federgen in der Gegend des Ohres
sattsam ersetzt wird.

§. 67.

Was die Stimme der Vögel betrifft, so ge-
ben zwar die Raubvögel, die mehresten Wasser-
vögel, und die mehresten Hünerarten, meist nur
einen ziemlich einförmigen, nicht sehr angeneh-
men laut von sich: desto mannichfaltiger und an-
muthiger sind hingegen die Töne der kleinen soge-
nannten Sangvögel, von denen man doch nicht so-
wohl sagen darf daß sie singen, (– denn Gesang ist
wohl ein ausschließliches Vorrecht des Menschen –)

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[155/0175] §. 66. Unter den Sinnen der Vögel ist besonders ihr Gesicht und bey vielen auch das Gehör von vorzüglicher Schärfe. Auch haben die Werk- zeuge dieser beiden Sinne bey diesen Thieren über- aus viel eignes, merkwürdiges. Die Augen z. B. einen knöchernen aus einzelnen nachgiebigen Blättgen zusammen gesetzten Ring in der harten Haut (sclerotica), und einen sonderbaren schwar- zen Fächer (pecten plicatum, Fr. bourse) im Augapfel, der aus dem Ende des Gesichtsnerven entspringt und in die gläserne Feuchtigkeit (cor- pus vitreum) hineindringt. Die innern Gehör- werkzeuge hingegen sind bey den Vögeln weit ein- facher als bey den Säugethieren gebildet, und der ganzen Classe fehlen auch die äußern Ohren; ein Mangel, der aber durch die äußerst regel- mäßige cirkelförmige Stellung und bestimmte Richtung der Federgen in der Gegend des Ohres sattsam ersetzt wird. §. 67. Was die Stimme der Vögel betrifft, so ge- ben zwar die Raubvögel, die mehresten Wasser- vögel, und die mehresten Hünerarten, meist nur einen ziemlich einförmigen, nicht sehr angeneh- men laut von sich: desto mannichfaltiger und an- muthiger sind hingegen die Töne der kleinen soge- nannten Sangvögel, von denen man doch nicht so- wohl sagen darf daß sie singen, (– denn Gesang ist wohl ein ausschließliches Vorrecht des Menschen –)

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Zitationshilfe: Blumenbach, Johann Friedrich: Handbuch der Naturgeschichte. 3. Aufl. Göttingen, 1788, S. 155. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/blumenbach_naturgeschichte_1788/175>, abgerufen am 19.02.2019.