Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Blumenbach, Johann Friedrich: Handbuch der Naturgeschichte. 5. Aufl. Göttingen, 1797.

Bild:
<< vorherige Seite

am allerauffallendsten aber bey den Verschieden-
heiten im Menschen-Geschlechte selbst, die augen-
scheinlichsten Beyspiele.

Diese mancherley Ursachen der Degeneration
können nun aber nach Verschiedenheit der Um-
stände einander entweder unterstützen, und die
Ausartung um so schneller und ausfallender,
machen, oder aber auch wieder gewisser Maßen
einander aufheben u. s. w.; daher man in dieser
Untersuchung bey der Anwendung auf einzelne
Fälle nie zu voreilig urtheilen darf.

Anm. 1. So gibt es z. B. selbst unter der Linie kalte
Erdstriche, wie im Innern von Sumatra etc. Hin-
gegen dringt Sibirien gar viele Gewächse der wär-
mern Gegenden hervor, die in dem weit südlichern
Europa nicht fortkommen.

Anm. 2. Sonderbar ist die individuelle Wirkung, die
einige Climate auf die organisirte Körper, zumahl
der Thierreichs, äußern. So daß z. B. in Syrien
die Katzen, Kaninchen, Ziegen etc. so auffallend
langes und weißes Haar haben; auf Corsica die
Pferde, Hunde etc. so auszeichnend gefleckt sind;
auf Guinea Menschen und Hunde und Hübner zu
Negern in ihrer Art werden u. s. w.

Anm. 3. Es fragt sich ob nicht wohl selbst Künste-
leyen am Körper, wenn sie durch lange Reihen
von Generationen wiederhohlt werden, mit der Zeit
so gut wie auffallende Familien-Physioanomien und
organische Fehler (z. B. in der Aussprache) an-
geboren werden könnten? - Wenigstens ist es bey
Völkern die ihre Knäbchen beschneiden, nichts selt-
nes, daß auch welche mit kurzer Vorhaut gleich-
sam beschnitten geboren werden. - Büffon hat
Hunde gesehen, denen so wie ihren Vorfahren die
Ohren und der Schwanz gestutzt worden, und die
nun eben so verstümmelte Junge warfen. (- Vergl.
Voigts Magazin a. a. O. S. 13 u. f. und im
4. St. des VI. B. S. 40 u. f. -).

am allerauffallendsten aber bey den Verschieden-
heiten im Menschen-Geschlechte selbst, die augen-
scheinlichsten Beyspiele.

Diese mancherley Ursachen der Degeneration
können nun aber nach Verschiedenheit der Um-
stände einander entweder unterstützen, und die
Ausartung um so schneller und ausfallender,
machen, oder aber auch wieder gewisser Maßen
einander aufheben u. s. w.; daher man in dieser
Untersuchung bey der Anwendung auf einzelne
Fälle nie zu voreilig urtheilen darf.

Anm. 1. So gibt es z. B. selbst unter der Linie kalte
Erdstriche, wie im Innern von Sumatra ꝛc. Hin-
gegen dringt Sibirien gar viele Gewächse der wär-
mern Gegenden hervor, die in dem weit südlichern
Europa nicht fortkommen.

Anm. 2. Sonderbar ist die individuelle Wirkung, die
einige Climate auf die organisirte Körper, zumahl
der Thierreichs, äußern. So daß z. B. in Syrien
die Katzen, Kaninchen, Ziegen ꝛc. so auffallend
langes und weißes Haar haben; auf Corsica die
Pferde, Hunde ꝛc. so auszeichnend gefleckt sind;
auf Guinea Menschen und Hunde und Hübner zu
Negern in ihrer Art werden u. s. w.

Anm. 3. Es fragt sich ob nicht wohl selbst Künste-
leyen am Körper, wenn sie durch lange Reihen
von Generationen wiederhohlt werden, mit der Zeit
so gut wie auffallende Familien-Physioanomien und
organische Fehler (z. B. in der Aussprache) an-
geboren werden könnten? – Wenigstens ist es bey
Völkern die ihre Knäbchen beschneiden, nichts selt-
nes, daß auch welche mit kurzer Vorhaut gleich-
sam beschnitten geboren werden. – Büffon hat
Hunde gesehen, denen so wie ihren Vorfahren die
Ohren und der Schwanz gestutzt worden, und die
nun eben so verstümmelte Junge warfen. (– Vergl.
Voigts Magazin a. a. O. S. 13 u. f. und im
4. St. des VI. B. S. 40 u. f. –).

<TEI>
  <text xml:id="blume_hbnatur_000026">
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0047" xml:id="pb025_0001" n="25"/>
am allerauffallendsten aber bey den Verschieden-<lb/>
heiten im Menschen-Geschlechte selbst, die augen-<lb/>
scheinlichsten Beyspiele.</p>
          <p>Diese mancherley Ursachen der Degeneration<lb/>
können nun aber nach Verschiedenheit der Um-<lb/>
stände einander entweder unterstützen, und die<lb/>
Ausartung um so schneller und ausfallender,<lb/>
machen, oder aber auch wieder gewisser Maßen<lb/>
einander aufheben u. s. w.; daher man in dieser<lb/>
Untersuchung bey der Anwendung auf einzelne<lb/>
Fälle nie zu voreilig urtheilen darf.</p>
          <p rendition="#indent-1 #small">Anm. 1. So gibt es z. B. selbst unter der Linie kalte<lb/>
Erdstriche, wie im Innern von Sumatra &#xA75B;c. Hin-<lb/>
gegen dringt Sibirien gar viele Gewächse der wär-<lb/>
mern Gegenden hervor, die in dem weit südlichern<lb/>
Europa nicht fortkommen.</p>
          <p rendition="#indent-1 #small">Anm. 2. Sonderbar ist die individuelle Wirkung, die<lb/>
einige Climate auf die organisirte Körper, zumahl<lb/>
der Thierreichs, äußern. So daß z. B. in Syrien<lb/>
die Katzen, Kaninchen, Ziegen &#xA75B;c. so auffallend<lb/>
langes und weißes Haar haben; auf Corsica die<lb/>
Pferde, Hunde &#xA75B;c. so auszeichnend gefleckt sind;<lb/>
auf Guinea Menschen und Hunde und Hübner zu<lb/>
Negern in ihrer Art werden u. s. w.</p>
          <p rendition="#indent-1 #small">Anm. 3. Es fragt sich ob nicht wohl selbst Künste-<lb/>
leyen am Körper, wenn sie durch lange Reihen<lb/>
von Generationen wiederhohlt werden, mit der Zeit<lb/>
so gut wie auffallende Familien-Physioanomien und<lb/>
organische Fehler (z. B. in der Aussprache) an-<lb/>
geboren werden könnten? &#x2013; Wenigstens ist es bey<lb/>
Völkern die ihre Knäbchen beschneiden, nichts selt-<lb/>
nes, daß auch welche mit kurzer Vorhaut gleich-<lb/>
sam beschnitten geboren werden. &#x2013; Büffon hat<lb/>
Hunde gesehen, denen so wie ihren Vorfahren die<lb/>
Ohren und der Schwanz gestutzt worden, und die<lb/>
nun eben so verstümmelte Junge warfen. (&#x2013; Vergl.<lb/>
Voigts Magazin a. a. O. S. 13 u. f. und im<lb/>
4. St. des VI. B. S. 40 u. f. &#x2013;).</p>
        </div>
        <div n="2">
</div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[25/0047] am allerauffallendsten aber bey den Verschieden- heiten im Menschen-Geschlechte selbst, die augen- scheinlichsten Beyspiele. Diese mancherley Ursachen der Degeneration können nun aber nach Verschiedenheit der Um- stände einander entweder unterstützen, und die Ausartung um so schneller und ausfallender, machen, oder aber auch wieder gewisser Maßen einander aufheben u. s. w.; daher man in dieser Untersuchung bey der Anwendung auf einzelne Fälle nie zu voreilig urtheilen darf. Anm. 1. So gibt es z. B. selbst unter der Linie kalte Erdstriche, wie im Innern von Sumatra ꝛc. Hin- gegen dringt Sibirien gar viele Gewächse der wär- mern Gegenden hervor, die in dem weit südlichern Europa nicht fortkommen. Anm. 2. Sonderbar ist die individuelle Wirkung, die einige Climate auf die organisirte Körper, zumahl der Thierreichs, äußern. So daß z. B. in Syrien die Katzen, Kaninchen, Ziegen ꝛc. so auffallend langes und weißes Haar haben; auf Corsica die Pferde, Hunde ꝛc. so auszeichnend gefleckt sind; auf Guinea Menschen und Hunde und Hübner zu Negern in ihrer Art werden u. s. w. Anm. 3. Es fragt sich ob nicht wohl selbst Künste- leyen am Körper, wenn sie durch lange Reihen von Generationen wiederhohlt werden, mit der Zeit so gut wie auffallende Familien-Physioanomien und organische Fehler (z. B. in der Aussprache) an- geboren werden könnten? – Wenigstens ist es bey Völkern die ihre Knäbchen beschneiden, nichts selt- nes, daß auch welche mit kurzer Vorhaut gleich- sam beschnitten geboren werden. – Büffon hat Hunde gesehen, denen so wie ihren Vorfahren die Ohren und der Schwanz gestutzt worden, und die nun eben so verstümmelte Junge warfen. (– Vergl. Voigts Magazin a. a. O. S. 13 u. f. und im 4. St. des VI. B. S. 40 u. f. –).

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Editura GmbH & Co.KG, Berlin: Volltexterstellung und Basis-TEI-Auszeichung
Johann Friedrich Blumenbach – online: Bereitstellung der Bilddigitalisate (2013-08-26T09:00:15Z)
Frank Wiegand: Konvertierung nach DTA-Basisformat (2013-08-26T09:00:15Z)

Weitere Informationen:

Anmerkungen zur Transkription:

  • Nicht erfasst: Bogensignaturen und Kustoden, Kolumnentitel.
  • Auf Titelblättern wurde auf die Auszeichnung der Schriftgrößenunterschiede zugunsten der Identifizierung von <titlePart>s verzichtet.
  • Keine Auszeichnung der Initialbuchstaben am Kapitelanfang.
  • Langes ſ: als s transkribiert.
  • Hochgestellte e über Vokalen: in moderner Schreibweise erfasst.



Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/blumenbach_naturgeschichte_1797
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/blumenbach_naturgeschichte_1797/47
Zitationshilfe: Blumenbach, Johann Friedrich: Handbuch der Naturgeschichte. 5. Aufl. Göttingen, 1797, S. 25. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/blumenbach_naturgeschichte_1797/47>, abgerufen am 19.09.2020.