Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Blumenbach, Johann Friedrich: Handbuch der Naturgeschichte. 10. Aufl. Göttingen, 1821.

Bild:
<< vorherige Seite

Besonders um Kamtschatka und an der jensei-
tigen Küste vom nordwestlichen America bis hin-
unter nach Nutka-Sund, doch auch um Corea,
und zumahl im gelben See. Ihr schwarzes und
silbergraues Fell ist für die Schinesen das kost-
barste aller Rauchwerke.

C) Bruta.

Ohne Gebiß, oder wenigstens ohne Vorder-
zähne.

46. Ornithorhynchus. Mandibu-
lae rostratae
(anatinae). Dentes nulli*).

1. Paradoxus. das Schnabelthier. (Engl.
the duck-bill.)

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 41.

Dieses so ganz abenteuerliche Geschöpf zeich-
net sich von allen bisher bekannten Säugethieren
durch die beyspiellose Bildung seiner Kinnladen
aus, die im äußern aufs vollkommenste einem
breiten platten Entenschnabel ähneln, auch eben
so mit einer weichen nervenreichen zum Tasten
bestimmten Haut überzogen, auch an den Seiten-
rändern gezähnelt sind. Beiderley Füße sind
mit einer Schwimmhaut versehen, die an den
Vordern noch vor den Krallen hervorragt, und

*) Denn die Organe, die Hr. Bar. Home für Bak-
kenzähne des Schnabelthiers ausgegeben, können
doch, da sie weder substantia vitrea noch ossea,
weder Wurzeln noch Zahnzellen haben, und er sie
ihrer Structur nach vielmehr mit der von der
innern Haut des Hühnermagens vergleicht, wohl
weder nach dem gemeinen Sprachgebrauch, noch
nach der wissenschaftlichen anatomischen und natur-
historischen Terminologie für wirkliche Zähne eines
warmblütigen Quadruped'S gehalten werden.

Besonders um Kamtschatka und an der jensei-
tigen Küste vom nordwestlichen America bis hin-
unter nach Nutka-Sund, doch auch um Corea,
und zumahl im gelben See. Ihr schwarzes und
silbergraues Fell ist für die Schinesen das kost-
barste aller Rauchwerke.

C) Bruta.

Ohne Gebiß, oder wenigstens ohne Vorder-
zähne.

46. Ornithorhynchus. Mandibu-
lae rostratae
(anatinae). Dentes nulli*).

1. Paradoxus. das Schnabelthier. (Engl.
the duck-bill.)

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 41.

Dieses so ganz abenteuerliche Geschöpf zeich-
net sich von allen bisher bekannten Säugethieren
durch die beyspiellose Bildung seiner Kinnladen
aus, die im äußern aufs vollkommenste einem
breiten platten Entenschnabel ähneln, auch eben
so mit einer weichen nervenreichen zum Tasten
bestimmten Haut überzogen, auch an den Seiten-
rändern gezähnelt sind. Beiderley Füße sind
mit einer Schwimmhaut versehen, die an den
Vordern noch vor den Krallen hervorragt, und

*) Denn die Organe, die Hr. Bar. Home für Bak-
kenzähne des Schnabelthiers ausgegeben, können
doch, da sie weder substantia vitrea noch ossea,
weder Wurzeln noch Zahnzellen haben, und er sie
ihrer Structur nach vielmehr mit der von der
innern Haut des Hühnermagens vergleicht, wohl
weder nach dem gemeinen Sprachgebrauch, noch
nach der wissenschaftlichen anatomischen und natur-
historischen Terminologie für wirkliche Zähne eines
warmblütigen Quadruped'S gehalten werden.
<TEI xml:lang="de-DE">
  <text xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xml:id="blume_hbnatur_000032">
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <pb facs="#f0157" xml:id="pb135_0001" n="135"/>
              <p rendition="#l1em">Besonders um Kamtschatka und an der jensei-<lb/>
tigen Küste vom nordwestlichen America bis hin-<lb/>
unter nach Nutka-Sund, doch auch um Corea,<lb/>
und zumahl im gelben See. Ihr schwarzes und<lb/>
silbergraues Fell ist für die Schinesen das kost-<lb/>
barste aller Rauchwerke.</p>
            </div>
            <div n="4">
              <head rendition="#c"><hi rendition="#aq">C</hi>) <hi rendition="#aq"><hi rendition="#k"><hi rendition="#g">Bruta</hi></hi></hi>.</head><lb/>
              <p>Ohne Gebiß, oder wenigstens ohne Vorder-<lb/>
zähne.</p>
              <p rendition="#indent-1">46. <hi rendition="#aq"><hi rendition="#k"><hi rendition="#g">Ornithorhynchus</hi></hi>. Mandibu-<lb/>
lae rostratae</hi> (<hi rendition="#aq">anatinae</hi>). <hi rendition="#aq">Dentes nulli</hi><note anchored="true" place="foot" n="*)"><p>Denn die Organe, die Hr. Bar. Home für Bak-<lb/>
kenzähne des Schnabelthiers ausgegeben, können<lb/>
doch, da sie weder <hi rendition="#aq">substantia vitrea</hi> noch <hi rendition="#aq">ossea</hi>,<lb/>
weder Wurzeln noch Zahnzellen haben, und er sie<lb/>
ihrer Structur nach vielmehr mit der von der<lb/>
innern Haut des Hühnermagens vergleicht, wohl<lb/>
weder nach dem gemeinen Sprachgebrauch, noch<lb/>
nach der wissenschaftlichen anatomischen und natur-<lb/>
historischen Terminologie für wirkliche Zähne eines<lb/>
warmblütigen Quadruped'S gehalten werden.</p></note>.</p>
              <p rendition="#indent-2">1. <hi rendition="#aq"><hi rendition="#i">Paradoxus</hi></hi>. das Schnabelthier. (Engl.<lb/><hi rendition="#aq"><hi rendition="#i">the duck-bill</hi></hi>.)</p>
              <p rendition="#l2em"><hi rendition="#aq"><hi rendition="#i">Abbild. n. h. Gegenst.</hi> tab.</hi> 41.</p>
              <p rendition="#l1em">Dieses so ganz abenteuerliche Geschöpf zeich-<lb/>
net sich von allen bisher bekannten Säugethieren<lb/>
durch die beyspiellose Bildung seiner Kinnladen<lb/>
aus, die im äußern aufs vollkommenste einem<lb/>
breiten platten Entenschnabel ähneln, auch eben<lb/>
so mit einer weichen nervenreichen zum Tasten<lb/>
bestimmten Haut überzogen, auch an den Seiten-<lb/>
rändern gezähnelt sind. Beiderley Füße sind<lb/>
mit einer Schwimmhaut versehen, die an den<lb/>
Vordern noch vor den Krallen hervorragt, und<lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[135/0157] Besonders um Kamtschatka und an der jensei- tigen Küste vom nordwestlichen America bis hin- unter nach Nutka-Sund, doch auch um Corea, und zumahl im gelben See. Ihr schwarzes und silbergraues Fell ist für die Schinesen das kost- barste aller Rauchwerke. C) Bruta. Ohne Gebiß, oder wenigstens ohne Vorder- zähne. 46. Ornithorhynchus. Mandibu- lae rostratae (anatinae). Dentes nulli *). 1. Paradoxus. das Schnabelthier. (Engl. the duck-bill.) Abbild. n. h. Gegenst. tab. 41. Dieses so ganz abenteuerliche Geschöpf zeich- net sich von allen bisher bekannten Säugethieren durch die beyspiellose Bildung seiner Kinnladen aus, die im äußern aufs vollkommenste einem breiten platten Entenschnabel ähneln, auch eben so mit einer weichen nervenreichen zum Tasten bestimmten Haut überzogen, auch an den Seiten- rändern gezähnelt sind. Beiderley Füße sind mit einer Schwimmhaut versehen, die an den Vordern noch vor den Krallen hervorragt, und *) Denn die Organe, die Hr. Bar. Home für Bak- kenzähne des Schnabelthiers ausgegeben, können doch, da sie weder substantia vitrea noch ossea, weder Wurzeln noch Zahnzellen haben, und er sie ihrer Structur nach vielmehr mit der von der innern Haut des Hühnermagens vergleicht, wohl weder nach dem gemeinen Sprachgebrauch, noch nach der wissenschaftlichen anatomischen und natur- historischen Terminologie für wirkliche Zähne eines warmblütigen Quadruped'S gehalten werden.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Editura GmbH & Co.KG, Berlin: Volltexterstellung und Basis-TEI-Auszeichung
Johann Friedrich Blumenbach – online: Bereitstellung der Bilddigitalisate (2013-08-26T09:00:15Z)
Frank Wiegand: Konvertierung nach DTA-Basisformat (2013-08-26T09:00:15Z)

Weitere Informationen:

Anmerkungen zur Transkription:

  • Nicht erfasst: Bogensignaturen und Kustoden, Kolumnentitel.
  • Auf Titelblättern wurde auf die Auszeichnung der Schriftgrößenunterschiede zugunsten der Identifizierung von <titlePart>s verzichtet.
  • Keine Auszeichnung der Initialbuchstaben am Kapitelanfang.
  • Langes ſ: als s transkribiert.
  • Hochgestellte e über Vokalen: in moderner Schreibweise erfasst.



Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/blumenbach_naturgeschichte_1821
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/blumenbach_naturgeschichte_1821/157
Zitationshilfe: Blumenbach, Johann Friedrich: Handbuch der Naturgeschichte. 10. Aufl. Göttingen, 1821, S. 135. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/blumenbach_naturgeschichte_1821/157>, abgerufen am 22.07.2019.