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Bölsche, Wilhelm: Das Liebesleben in der Natur. Bd. 1. Florenz u. a., 1898.

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alten. Aber man wird von den Einzelheiten einen guten Teil
ruhig abziehen dürfen, so bleibt doch der logische Gedanke des
Ganzen bestehen und wahrt sich seine Wirkung weit über dieses
oder jenes Spinnenfädchen hinaus. Und ein derbes Stück
einmal gewonnener Grundthatsachen ist, denke ich, heute wirklich
nicht gut mehr umzustoßen, wenn auch dem Zweifel sein Recht
so unbenommen wie möglich bleiben soll, -- ein Recht, für
das ich selber allerwege eintreten werde. Die äußere Form,
in der ich die Dinge vorgetragen habe, halte ich nun einmal
für die brauchbarste, um zum ersprießlichen Ziel zu kommen.
Ich meine, daß die Brücke vom strengen Fachgebiet, wo man
gewisse Thatsachen halb- oder ganzwahr anhäuft, bis zur Ver¬
ständigung in Kreise hinein, wo man mehr große Linien des
allgemeinen Denkens und Weltdurchgrübelns braucht, wesentlich
über die Kunst geht. Und zwar über alle Mittel der Kunst:
vom farbigen Pathos bis zum bunten Humor. Versteht sich:
die Kunst hat noch ganz andere Aufgaben. Aber hier hat sie
auch eine, -- eine kleine freundliche, die doch unendlich wichtig
ist, wenn wir uns überlegen, wie viele denken wollen und nur
durch denken froh werden, die aber sonst niemals gewisse
besonders sauerteiglichen Thatsachen der Wissenschaft in ihre
Gewalt bekommen würden. Dieser Band ist innerlich rund in
sich abgeschlossen, er hilft dem Leser einfach ein Stück weit,
das als solches keines Kommentars mehr bedarf. Aber es liegt
doch im Stoffe, daß ein zweiter Teil folgen kann, und das soll
er auch. Er wird wesentlich vom Menschen erzählen.

Friedrichshagen bei Berlin, im August 1898.

Wilhelm Bölsche.

[Abbildung]

alten. Aber man wird von den Einzelheiten einen guten Teil
ruhig abziehen dürfen, ſo bleibt doch der logiſche Gedanke des
Ganzen beſtehen und wahrt ſich ſeine Wirkung weit über dieſes
oder jenes Spinnenfädchen hinaus. Und ein derbes Stück
einmal gewonnener Grundthatſachen iſt, denke ich, heute wirklich
nicht gut mehr umzuſtoßen, wenn auch dem Zweifel ſein Recht
ſo unbenommen wie möglich bleiben ſoll, — ein Recht, für
das ich ſelber allerwege eintreten werde. Die äußere Form,
in der ich die Dinge vorgetragen habe, halte ich nun einmal
für die brauchbarſte, um zum erſprießlichen Ziel zu kommen.
Ich meine, daß die Brücke vom ſtrengen Fachgebiet, wo man
gewiſſe Thatſachen halb- oder ganzwahr anhäuft, bis zur Ver¬
ſtändigung in Kreiſe hinein, wo man mehr große Linien des
allgemeinen Denkens und Weltdurchgrübelns braucht, weſentlich
über die Kunſt geht. Und zwar über alle Mittel der Kunſt:
vom farbigen Pathos bis zum bunten Humor. Verſteht ſich:
die Kunſt hat noch ganz andere Aufgaben. Aber hier hat ſie
auch eine, — eine kleine freundliche, die doch unendlich wichtig
iſt, wenn wir uns überlegen, wie viele denken wollen und nur
durch denken froh werden, die aber ſonſt niemals gewiſſe
beſonders ſauerteiglichen Thatſachen der Wiſſenſchaft in ihre
Gewalt bekommen würden. Dieſer Band iſt innerlich rund in
ſich abgeſchloſſen, er hilft dem Leſer einfach ein Stück weit,
das als ſolches keines Kommentars mehr bedarf. Aber es liegt
doch im Stoffe, daß ein zweiter Teil folgen kann, und das ſoll
er auch. Er wird weſentlich vom Menſchen erzählen.

Friedrichshagen bei Berlin, im Auguſt 1898.

Wilhelm Bölſche.

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[VI/0012] alten. Aber man wird von den Einzelheiten einen guten Teil ruhig abziehen dürfen, ſo bleibt doch der logiſche Gedanke des Ganzen beſtehen und wahrt ſich ſeine Wirkung weit über dieſes oder jenes Spinnenfädchen hinaus. Und ein derbes Stück einmal gewonnener Grundthatſachen iſt, denke ich, heute wirklich nicht gut mehr umzuſtoßen, wenn auch dem Zweifel ſein Recht ſo unbenommen wie möglich bleiben ſoll, — ein Recht, für das ich ſelber allerwege eintreten werde. Die äußere Form, in der ich die Dinge vorgetragen habe, halte ich nun einmal für die brauchbarſte, um zum erſprießlichen Ziel zu kommen. Ich meine, daß die Brücke vom ſtrengen Fachgebiet, wo man gewiſſe Thatſachen halb- oder ganzwahr anhäuft, bis zur Ver¬ ſtändigung in Kreiſe hinein, wo man mehr große Linien des allgemeinen Denkens und Weltdurchgrübelns braucht, weſentlich über die Kunſt geht. Und zwar über alle Mittel der Kunſt: vom farbigen Pathos bis zum bunten Humor. Verſteht ſich: die Kunſt hat noch ganz andere Aufgaben. Aber hier hat ſie auch eine, — eine kleine freundliche, die doch unendlich wichtig iſt, wenn wir uns überlegen, wie viele denken wollen und nur durch denken froh werden, die aber ſonſt niemals gewiſſe beſonders ſauerteiglichen Thatſachen der Wiſſenſchaft in ihre Gewalt bekommen würden. Dieſer Band iſt innerlich rund in ſich abgeſchloſſen, er hilft dem Leſer einfach ein Stück weit, das als ſolches keines Kommentars mehr bedarf. Aber es liegt doch im Stoffe, daß ein zweiter Teil folgen kann, und das ſoll er auch. Er wird weſentlich vom Menſchen erzählen. Friedrichshagen bei Berlin, im Auguſt 1898. Wilhelm Bölſche. [Abbildung]

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Zitationshilfe: Bölsche, Wilhelm: Das Liebesleben in der Natur. Bd. 1. Florenz u. a., 1898, S. VI. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/boelsche_liebesleben01_1898/12>, abgerufen am 23.09.2020.