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Börne, Ludwig: Briefe aus Paris. Bd. 5. Paris, 1834.

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...... Es ist recht unartig von Ihnen
daß Sie mir so lange nicht geschrieben. Ich habe
Ihnen schon oft gesagt, daß Sie mir außerordentlich
schreiben mögen, so oft Sie wollen; aber die gewöhn¬
lichen Brieftage müssen Sie darum nicht versäumen.
Ich bin gewöhnt daran und wenn ich an solchen Ta¬
gen nichts erhalte verdaue ich schlecht. Seit vorigen
Freitag habe ich keinen Brief bekommen und es scheint
mir ein Jahr zu seyn. Sie hätten sich doch vor¬
stellen können, daß ich vor Begierde brenne etwas
näheres von meinem Buche zu erfahren. Die Eigen¬
liebe hat ewige Flitterwochen und ich liebe meine
verblühten Schriften wie in den Tagen ihrer Jugend.
Ich gehe voller Angst umher, gleich einem Ehemanne,
dessen Frau zum Erstenmale in Kindesnöthen liegt.
Wird es ein Sohn? Wird es eine Tochter? "Es
"ist weder ein Sohn, noch eine Tochter geworden,
"sondern eine Misgeburt." Diese kleine schöne Sa¬
tyre schenke ich dem ersten Rezensenten meiner Briefe
aus Freundschaft und Hochachtung. Er kann damit
machen was er will. Der Leithammel meiner Re¬
zensenten hat sich auch schon hören lassen. In der
Leipziger Zeitung ist in einem Berichte aus Wien
von den Pariser Briefen die Rede; "deren dritten


...... Es iſt recht unartig von Ihnen
daß Sie mir ſo lange nicht geſchrieben. Ich habe
Ihnen ſchon oft geſagt, daß Sie mir außerordentlich
ſchreiben mögen, ſo oft Sie wollen; aber die gewöhn¬
lichen Brieftage müſſen Sie darum nicht verſäumen.
Ich bin gewöhnt daran und wenn ich an ſolchen Ta¬
gen nichts erhalte verdaue ich ſchlecht. Seit vorigen
Freitag habe ich keinen Brief bekommen und es ſcheint
mir ein Jahr zu ſeyn. Sie hätten ſich doch vor¬
ſtellen können, daß ich vor Begierde brenne etwas
näheres von meinem Buche zu erfahren. Die Eigen¬
liebe hat ewige Flitterwochen und ich liebe meine
verblühten Schriften wie in den Tagen ihrer Jugend.
Ich gehe voller Angſt umher, gleich einem Ehemanne,
deſſen Frau zum Erſtenmale in Kindesnöthen liegt.
Wird es ein Sohn? Wird es eine Tochter? „Es
„iſt weder ein Sohn, noch eine Tochter geworden,
„ſondern eine Misgeburt.“ Dieſe kleine ſchöne Sa¬
tyre ſchenke ich dem erſten Rezenſenten meiner Briefe
aus Freundſchaft und Hochachtung. Er kann damit
machen was er will. Der Leithammel meiner Re¬
zenſenten hat ſich auch ſchon hören laſſen. In der
Leipziger Zeitung iſt in einem Berichte aus Wien
von den Pariſer Briefen die Rede; „deren dritten

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[194/0206] Mittwoch, den 9. Januar. ...... Es iſt recht unartig von Ihnen daß Sie mir ſo lange nicht geſchrieben. Ich habe Ihnen ſchon oft geſagt, daß Sie mir außerordentlich ſchreiben mögen, ſo oft Sie wollen; aber die gewöhn¬ lichen Brieftage müſſen Sie darum nicht verſäumen. Ich bin gewöhnt daran und wenn ich an ſolchen Ta¬ gen nichts erhalte verdaue ich ſchlecht. Seit vorigen Freitag habe ich keinen Brief bekommen und es ſcheint mir ein Jahr zu ſeyn. Sie hätten ſich doch vor¬ ſtellen können, daß ich vor Begierde brenne etwas näheres von meinem Buche zu erfahren. Die Eigen¬ liebe hat ewige Flitterwochen und ich liebe meine verblühten Schriften wie in den Tagen ihrer Jugend. Ich gehe voller Angſt umher, gleich einem Ehemanne, deſſen Frau zum Erſtenmale in Kindesnöthen liegt. Wird es ein Sohn? Wird es eine Tochter? „Es „iſt weder ein Sohn, noch eine Tochter geworden, „ſondern eine Misgeburt.“ Dieſe kleine ſchöne Sa¬ tyre ſchenke ich dem erſten Rezenſenten meiner Briefe aus Freundſchaft und Hochachtung. Er kann damit machen was er will. Der Leithammel meiner Re¬ zenſenten hat ſich auch ſchon hören laſſen. In der Leipziger Zeitung iſt in einem Berichte aus Wien von den Pariſer Briefen die Rede; „deren dritten

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Zitationshilfe: Börne, Ludwig: Briefe aus Paris. Bd. 5. Paris, 1834, S. 194. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/boerne_paris05_1834/206>, abgerufen am 17.02.2019.