Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Brockes, Barthold Heinrich: Jrdisches Vergnügen in Gott. Bd. 2. Hamburg, 1727.

Bild:
<< vorherige Seite
Noch einige Betrachtung der
Blühte.
Seht, wie am Birn-Baum sich die Blätter-Knospen
spitzen,
Allmälich sich entwickeln und verbreiten!
Ey seht, wie dort, voll krauser Zierlichkeiten,
Die schwangern Trage-Knospen sitzen!
Man sieh't ihr sanft-behar't ihr weißlich grün
Sich zärtlich von einander beugen,
Und gleichsam sichtlich sich bemühn,
Den Schatz der Bluhmen uns zu zeigen.
Der Apfel-Baum fängt gleichfalls an,
Auf eine lieblich süsse Weise,
Die man nicht g'nug bewundern kann,
Zu uns'rer Freude, GOtt zum Preise,
Sein Laub noch auf besond're Ahrt
Zugleich nebst seiner Blüht' uns vorzulegen.
Die Knospen, die so sanft und zart
Sich allgemach zu öffnen pflegen,
Bemühen sich, auf allen Seiten
Mit gleicher Zierlichkeit sich auszubreiten;
Da in der Mitte denn die Trage-Knospen stehn,
Woran zuerst ein krauses Wesen nur
Jn einer noch nicht ganz entwickelten Figur
Noch ungeform't noch ungeteilt zu sehn;
Die aber bald
Zu unserm Nutzen und Bergnügen
Ein' angenem gebildete Gestalt,
So bald sie sich zerteilen, kriegen.
Man sieht sodann derselben viele
Aus einer Knosp' entstehn. Man sieht die zarten Stiele
Mit Silber-grauem Har bedecket und geschmückt,

Die
Noch einige Betrachtung der
Bluͤhte.
Seht, wie am Birn-Baum ſich die Blaͤtter-Knoſpen
ſpitzen,
Allmaͤlich ſich entwickeln und verbreiten!
Ey ſeht, wie dort, voll krauſer Zierlichkeiten,
Die ſchwangern Trage-Knoſpen ſitzen!
Man ſieh’t ihr ſanft-behar’t ihr weißlich gruͤn
Sich zaͤrtlich von einander beugen,
Und gleichſam ſichtlich ſich bemuͤhn,
Den Schatz der Bluhmen uns zu zeigen.
Der Apfel-Baum faͤngt gleichfalls an,
Auf eine lieblich ſuͤſſe Weiſe,
Die man nicht g’nug bewundern kann,
Zu unſ’rer Freude, GOtt zum Preiſe,
Sein Laub noch auf beſond’re Ahrt
Zugleich nebſt ſeiner Bluͤht’ uns vorzulegen.
Die Knoſpen, die ſo ſanft und zart
Sich allgemach zu oͤffnen pflegen,
Bemuͤhen ſich, auf allen Seiten
Mit gleicher Zierlichkeit ſich auszubreiten;
Da in der Mitte denn die Trage-Knoſpen ſtehn,
Woran zuerſt ein krauſes Weſen nur
Jn einer noch nicht ganz entwickelten Figur
Noch ungeform’t noch ungeteilt zu ſehn;
Die aber bald
Zu unſerm Nutzen und Bergnuͤgen
Ein’ angenem gebildete Geſtalt,
So bald ſie ſich zerteilen, kriegen.
Man ſieht ſodann derſelben viele
Aus einer Knoſp’ entſtehn. Man ſieht die zarten Stiele
Mit Silber-grauem Har bedecket und geſchmuͤckt,

Die
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0066" n="30"/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Noch einige Betrachtung der<lb/>
Blu&#x0364;hte.</hi> </head><lb/>
          <lg n="3">
            <l><hi rendition="#in">S</hi>eht, wie am Birn-Baum &#x017F;ich die Bla&#x0364;tter-Kno&#x017F;pen</l><lb/>
            <l> <hi rendition="#et">&#x017F;pitzen,</hi> </l><lb/>
            <l>Allma&#x0364;lich &#x017F;ich entwickeln und verbreiten!</l><lb/>
            <l>Ey &#x017F;eht, wie dort, voll krau&#x017F;er Zierlichkeiten,</l><lb/>
            <l>Die &#x017F;chwangern Trage-Kno&#x017F;pen &#x017F;itzen!</l><lb/>
            <l>Man &#x017F;ieh&#x2019;t ihr &#x017F;anft-behar&#x2019;t ihr weißlich gru&#x0364;n</l><lb/>
            <l>Sich za&#x0364;rtlich von einander beugen,</l><lb/>
            <l>Und gleich&#x017F;am &#x017F;ichtlich &#x017F;ich bemu&#x0364;hn,</l><lb/>
            <l>Den Schatz der Bluhmen uns zu zeigen.</l><lb/>
            <l>Der Apfel-Baum fa&#x0364;ngt gleichfalls an,</l><lb/>
            <l>Auf eine lieblich &#x017F;u&#x0364;&#x017F;&#x017F;e Wei&#x017F;e,</l><lb/>
            <l>Die man nicht g&#x2019;nug bewundern kann,</l><lb/>
            <l>Zu un&#x017F;&#x2019;rer Freude, GOtt zum Prei&#x017F;e,</l><lb/>
            <l>Sein Laub noch auf be&#x017F;ond&#x2019;re Ahrt</l><lb/>
            <l>Zugleich neb&#x017F;t &#x017F;einer Blu&#x0364;ht&#x2019; uns vorzulegen.</l><lb/>
            <l>Die Kno&#x017F;pen, die &#x017F;o &#x017F;anft und zart</l><lb/>
            <l>Sich allgemach zu o&#x0364;ffnen pflegen,</l><lb/>
            <l>Bemu&#x0364;hen &#x017F;ich, auf allen Seiten</l><lb/>
            <l>Mit gleicher Zierlichkeit &#x017F;ich auszubreiten;</l><lb/>
            <l>Da in der Mitte denn die Trage-Kno&#x017F;pen &#x017F;tehn,</l><lb/>
            <l>Woran zuer&#x017F;t ein krau&#x017F;es We&#x017F;en nur</l><lb/>
            <l>Jn einer noch nicht ganz entwickelten Figur</l><lb/>
            <l>Noch ungeform&#x2019;t noch ungeteilt zu &#x017F;ehn;</l><lb/>
            <l>Die aber bald</l><lb/>
            <l>Zu un&#x017F;erm Nutzen und Bergnu&#x0364;gen</l><lb/>
            <l>Ein&#x2019; angenem gebildete Ge&#x017F;talt,</l><lb/>
            <l>So bald &#x017F;ie &#x017F;ich zerteilen, kriegen.</l><lb/>
            <l>Man &#x017F;ieht &#x017F;odann der&#x017F;elben viele</l><lb/>
            <l>Aus einer Kno&#x017F;p&#x2019; ent&#x017F;tehn. Man &#x017F;ieht die zarten Stiele</l><lb/>
            <l>Mit Silber-grauem Har bedecket und ge&#x017F;chmu&#x0364;ckt,</l><lb/>
            <l>
              <fw place="bottom" type="catch">Die</fw><lb/>
            </l>
          </lg>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[30/0066] Noch einige Betrachtung der Bluͤhte. Seht, wie am Birn-Baum ſich die Blaͤtter-Knoſpen ſpitzen, Allmaͤlich ſich entwickeln und verbreiten! Ey ſeht, wie dort, voll krauſer Zierlichkeiten, Die ſchwangern Trage-Knoſpen ſitzen! Man ſieh’t ihr ſanft-behar’t ihr weißlich gruͤn Sich zaͤrtlich von einander beugen, Und gleichſam ſichtlich ſich bemuͤhn, Den Schatz der Bluhmen uns zu zeigen. Der Apfel-Baum faͤngt gleichfalls an, Auf eine lieblich ſuͤſſe Weiſe, Die man nicht g’nug bewundern kann, Zu unſ’rer Freude, GOtt zum Preiſe, Sein Laub noch auf beſond’re Ahrt Zugleich nebſt ſeiner Bluͤht’ uns vorzulegen. Die Knoſpen, die ſo ſanft und zart Sich allgemach zu oͤffnen pflegen, Bemuͤhen ſich, auf allen Seiten Mit gleicher Zierlichkeit ſich auszubreiten; Da in der Mitte denn die Trage-Knoſpen ſtehn, Woran zuerſt ein krauſes Weſen nur Jn einer noch nicht ganz entwickelten Figur Noch ungeform’t noch ungeteilt zu ſehn; Die aber bald Zu unſerm Nutzen und Bergnuͤgen Ein’ angenem gebildete Geſtalt, So bald ſie ſich zerteilen, kriegen. Man ſieht ſodann derſelben viele Aus einer Knoſp’ entſtehn. Man ſieht die zarten Stiele Mit Silber-grauem Har bedecket und geſchmuͤckt, Die

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/brockes_vergnuegen02_1727
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/brockes_vergnuegen02_1727/66
Zitationshilfe: Brockes, Barthold Heinrich: Jrdisches Vergnügen in Gott. Bd. 2. Hamburg, 1727, S. 30. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/brockes_vergnuegen02_1727/66>, abgerufen am 23.09.2019.