Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Brockes, Barthold Heinrich: Jrdisches Vergnügen in Gott, bestehend in Physicalisch- und Moralischen Gedichten. Bd. 8. Hamburg, 1746.

Bild:
<< vorherige Seite
Der Schöpfer,
aus den Geschöpfen erkannt.
Uebersetzt.
Die Schöpfung zeigt, an allen Orten, mir, ihres
großen Schöpfers Spur.

Wohin ich meine Blicke lenke, zeigt mir die liebliche
Natur

Den Eindruck einer holden Gottheit, die ich, durch alle
Sinnen, spühre;

Und ich empfinde, daß Sie mir das Jnnerste der Seelen
rühre.
Jn einem Silber-reinen Fluß, von einem rings be-
blühmten Bach,

Folg' ich den Spuhren seines Schöpfers, in einer ernsten
Anmuth, nach.

Von der beredten Nachtigall hör' ich, zur Freude mei-
ner Seelen,

Sein Lob, Sein unausdrücklichs Lob, mit froher Acht-
samkeit, erzählen.

Auf den begrünt- und bunten Wiesen, auf eines Rosen-
stocks Rubin,

Da ich sie, als Sein Werk, erwäge, bewundr', entdeck'
und seh ich Jhn.

Jn dichten, dick belaubten Wäldern, erfahr' ich, in der
holden Stille,

Wie, Jhm zu Ehren, meinen Geist ein schaudrigtes
Vergnügen fülle.
Jch
Der Schoͤpfer,
aus den Geſchoͤpfen erkannt.
Ueberſetzt.
Die Schoͤpfung zeigt, an allen Orten, mir, ihres
großen Schoͤpfers Spur.

Wohin ich meine Blicke lenke, zeigt mir die liebliche
Natur

Den Eindruck einer holden Gottheit, die ich, durch alle
Sinnen, ſpuͤhre;

Und ich empfinde, daß Sie mir das Jnnerſte der Seelen
ruͤhre.
Jn einem Silber-reinen Fluß, von einem rings be-
bluͤhmten Bach,

Folg’ ich den Spuhren ſeines Schoͤpfers, in einer ernſten
Anmuth, nach.

Von der beredten Nachtigall hoͤr’ ich, zur Freude mei-
ner Seelen,

Sein Lob, Sein unausdruͤcklichs Lob, mit froher Acht-
ſamkeit, erzaͤhlen.

Auf den begruͤnt- und bunten Wieſen, auf eines Roſen-
ſtocks Rubin,

Da ich ſie, als Sein Werk, erwaͤge, bewundr’, entdeck’
und ſeh ich Jhn.

Jn dichten, dick belaubten Waͤldern, erfahr’ ich, in der
holden Stille,

Wie, Jhm zu Ehren, meinen Geiſt ein ſchaudrigtes
Vergnuͤgen fuͤlle.
Jch
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <pb facs="#f0153" n="139"/>
          <div n="3">
            <head> <hi rendition="#b">Der Scho&#x0364;pfer,<lb/>
aus den Ge&#x017F;cho&#x0364;pfen erkannt.<lb/>
Ueber&#x017F;etzt.</hi> </head><lb/>
            <lg type="poem">
              <lg n="1">
                <l><hi rendition="#in">D</hi>ie Scho&#x0364;pfung zeigt, an allen Orten, mir, ihres<lb/><hi rendition="#et">großen Scho&#x0364;pfers Spur.</hi></l><lb/>
                <l>Wohin ich meine Blicke lenke, zeigt mir die liebliche<lb/><hi rendition="#et">Natur</hi></l><lb/>
                <l>Den Eindruck einer holden Gottheit, die ich, durch alle<lb/><hi rendition="#et">Sinnen, &#x017F;pu&#x0364;hre;</hi></l><lb/>
                <l>Und ich empfinde, daß Sie mir das Jnner&#x017F;te der Seelen<lb/><hi rendition="#et">ru&#x0364;hre.</hi></l>
              </lg><lb/>
              <lg n="2">
                <l>Jn einem Silber-reinen Fluß, von einem rings be-<lb/><hi rendition="#et">blu&#x0364;hmten Bach,</hi></l><lb/>
                <l>Folg&#x2019; ich den Spuhren &#x017F;eines Scho&#x0364;pfers, in einer ern&#x017F;ten<lb/><hi rendition="#et">Anmuth, nach.</hi></l><lb/>
                <l>Von der beredten Nachtigall ho&#x0364;r&#x2019; ich, zur Freude mei-<lb/><hi rendition="#et">ner Seelen,</hi></l><lb/>
                <l>Sein Lob, Sein unausdru&#x0364;cklichs Lob, mit froher Acht-<lb/><hi rendition="#et">&#x017F;amkeit, erza&#x0364;hlen.</hi></l><lb/>
                <l>Auf den begru&#x0364;nt- und bunten Wie&#x017F;en, auf eines Ro&#x017F;en-<lb/><hi rendition="#et">&#x017F;tocks Rubin,</hi></l><lb/>
                <l>Da ich &#x017F;ie, als Sein Werk, erwa&#x0364;ge, bewundr&#x2019;, entdeck&#x2019;<lb/><hi rendition="#et">und &#x017F;eh ich Jhn.</hi></l><lb/>
                <l>Jn dichten, dick belaubten Wa&#x0364;ldern, erfahr&#x2019; ich, in der<lb/><hi rendition="#et">holden Stille,</hi></l><lb/>
                <l>Wie, Jhm zu Ehren, meinen Gei&#x017F;t ein &#x017F;chaudrigtes<lb/><hi rendition="#et">Vergnu&#x0364;gen fu&#x0364;lle.</hi></l>
              </lg><lb/>
              <fw place="bottom" type="catch">Jch</fw><lb/>
            </lg>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[139/0153] Der Schoͤpfer, aus den Geſchoͤpfen erkannt. Ueberſetzt. Die Schoͤpfung zeigt, an allen Orten, mir, ihres großen Schoͤpfers Spur. Wohin ich meine Blicke lenke, zeigt mir die liebliche Natur Den Eindruck einer holden Gottheit, die ich, durch alle Sinnen, ſpuͤhre; Und ich empfinde, daß Sie mir das Jnnerſte der Seelen ruͤhre. Jn einem Silber-reinen Fluß, von einem rings be- bluͤhmten Bach, Folg’ ich den Spuhren ſeines Schoͤpfers, in einer ernſten Anmuth, nach. Von der beredten Nachtigall hoͤr’ ich, zur Freude mei- ner Seelen, Sein Lob, Sein unausdruͤcklichs Lob, mit froher Acht- ſamkeit, erzaͤhlen. Auf den begruͤnt- und bunten Wieſen, auf eines Roſen- ſtocks Rubin, Da ich ſie, als Sein Werk, erwaͤge, bewundr’, entdeck’ und ſeh ich Jhn. Jn dichten, dick belaubten Waͤldern, erfahr’ ich, in der holden Stille, Wie, Jhm zu Ehren, meinen Geiſt ein ſchaudrigtes Vergnuͤgen fuͤlle. Jch

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/brockes_vergnuegen08_1746
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/brockes_vergnuegen08_1746/153
Zitationshilfe: Brockes, Barthold Heinrich: Jrdisches Vergnügen in Gott, bestehend in Physicalisch- und Moralischen Gedichten. Bd. 8. Hamburg, 1746, S. 139. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/brockes_vergnuegen08_1746/153>, abgerufen am 21.09.2019.