Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Brockes, Barthold Heinrich: Jrdisches Vergnügen in Gott, bestehend in Physicalisch- und Moralischen Gedichten. Bd. 8. Hamburg, 1746.

Bild:
<< vorherige Seite
Der durch den Regen verschönerte
Wald.
Mich lockte jüngst ein heitres Wetter,
Zum holden Schirm-Dach grüner Blätter,
Jn einen dicken Wald, zu gehn.
Jch sah daselbst, wie wunderschön,
Jn denen dicht belaubten Büschen,
Sich Licht und dunkle Schatten mischen,
Und tausend Mischungen entstehn.
Darauf bezog sich schnell die Luft
Mit einem schwarzen Wolken-Duft.
Die vielen Lichterchen verschwunden;
Die vielen Schatten, ihre Kinder,
Verlohren sich zugleich nicht minder,
Mit dem verschwundnen Sonnenschein.
Ein dunkel Grün, das allgemein,
Ward in dem ganzen Wald allein,
Und keine Farbe sonst, gefunden.
Jndeß erhub sich überall
Ein lispelnder und sanfter Schall.
Auf hohen Wipfeln und in Büschen
Verspührte man ein lautes Zischen.
Es rauschte, durch des Regens Fall,
Die Luft, das Laub, daß dem, ders hörte,
Es seine Lust annoch vermehrte.
Hiedurch nun wurden Laub und Gras,
Die Wipfel und der Boden, naß.
Gleich
C 3
Der durch den Regen verſchoͤnerte
Wald.
Mich lockte juͤngſt ein heitres Wetter,
Zum holden Schirm-Dach gruͤner Blaͤtter,
Jn einen dicken Wald, zu gehn.
Jch ſah daſelbſt, wie wunderſchoͤn,
Jn denen dicht belaubten Buͤſchen,
Sich Licht und dunkle Schatten miſchen,
Und tauſend Miſchungen entſtehn.
Darauf bezog ſich ſchnell die Luft
Mit einem ſchwarzen Wolken-Duft.
Die vielen Lichterchen verſchwunden;
Die vielen Schatten, ihre Kinder,
Verlohren ſich zugleich nicht minder,
Mit dem verſchwundnen Sonnenſchein.
Ein dunkel Gruͤn, das allgemein,
Ward in dem ganzen Wald allein,
Und keine Farbe ſonſt, gefunden.
Jndeß erhub ſich uͤberall
Ein liſpelnder und ſanfter Schall.
Auf hohen Wipfeln und in Buͤſchen
Verſpuͤhrte man ein lautes Ziſchen.
Es rauſchte, durch des Regens Fall,
Die Luft, das Laub, daß dem, ders hoͤrte,
Es ſeine Luſt annoch vermehrte.
Hiedurch nun wurden Laub und Gras,
Die Wipfel und der Boden, naß.
Gleich
C 3
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <pb facs="#f0051" n="37"/>
          <div n="3">
            <head> <hi rendition="#b">Der durch den Regen ver&#x017F;cho&#x0364;nerte<lb/>
Wald.</hi> </head><lb/>
            <lg type="poem">
              <lg n="1">
                <l><hi rendition="#in">M</hi>ich lockte ju&#x0364;ng&#x017F;t ein heitres Wetter,</l><lb/>
                <l>Zum holden Schirm-Dach gru&#x0364;ner Bla&#x0364;tter,</l><lb/>
                <l>Jn einen dicken Wald, zu gehn.</l><lb/>
                <l>Jch &#x017F;ah da&#x017F;elb&#x017F;t, wie wunder&#x017F;cho&#x0364;n,</l><lb/>
                <l>Jn denen dicht belaubten Bu&#x0364;&#x017F;chen,</l><lb/>
                <l>Sich Licht und dunkle Schatten mi&#x017F;chen,</l><lb/>
                <l>Und tau&#x017F;end Mi&#x017F;chungen ent&#x017F;tehn.</l>
              </lg><lb/>
              <lg n="2">
                <l>Darauf bezog &#x017F;ich &#x017F;chnell die Luft</l><lb/>
                <l>Mit einem &#x017F;chwarzen Wolken-Duft.</l><lb/>
                <l>Die vielen Lichterchen ver&#x017F;chwunden;</l><lb/>
                <l>Die vielen Schatten, ihre Kinder,</l><lb/>
                <l>Verlohren &#x017F;ich zugleich nicht minder,</l><lb/>
                <l>Mit dem ver&#x017F;chwundnen Sonnen&#x017F;chein.</l><lb/>
                <l>Ein dunkel Gru&#x0364;n, das allgemein,</l><lb/>
                <l>Ward in dem ganzen Wald allein,</l><lb/>
                <l>Und keine Farbe &#x017F;on&#x017F;t, gefunden.</l>
              </lg><lb/>
              <lg n="3">
                <l>Jndeß erhub &#x017F;ich u&#x0364;berall</l><lb/>
                <l>Ein li&#x017F;pelnder und &#x017F;anfter Schall.</l><lb/>
                <l>Auf hohen Wipfeln und in Bu&#x0364;&#x017F;chen</l><lb/>
                <l>Ver&#x017F;pu&#x0364;hrte man ein lautes Zi&#x017F;chen.</l><lb/>
                <l>Es rau&#x017F;chte, durch des Regens Fall,</l><lb/>
                <l>Die Luft, das Laub, daß dem, ders ho&#x0364;rte,</l><lb/>
                <l>Es &#x017F;eine Lu&#x017F;t annoch vermehrte.</l><lb/>
                <l>Hiedurch nun wurden Laub und Gras,</l><lb/>
                <l>Die Wipfel und der Boden, naß.</l>
              </lg><lb/>
              <fw place="bottom" type="sig">C 3</fw>
              <fw place="bottom" type="catch">Gleich</fw><lb/>
            </lg>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[37/0051] Der durch den Regen verſchoͤnerte Wald. Mich lockte juͤngſt ein heitres Wetter, Zum holden Schirm-Dach gruͤner Blaͤtter, Jn einen dicken Wald, zu gehn. Jch ſah daſelbſt, wie wunderſchoͤn, Jn denen dicht belaubten Buͤſchen, Sich Licht und dunkle Schatten miſchen, Und tauſend Miſchungen entſtehn. Darauf bezog ſich ſchnell die Luft Mit einem ſchwarzen Wolken-Duft. Die vielen Lichterchen verſchwunden; Die vielen Schatten, ihre Kinder, Verlohren ſich zugleich nicht minder, Mit dem verſchwundnen Sonnenſchein. Ein dunkel Gruͤn, das allgemein, Ward in dem ganzen Wald allein, Und keine Farbe ſonſt, gefunden. Jndeß erhub ſich uͤberall Ein liſpelnder und ſanfter Schall. Auf hohen Wipfeln und in Buͤſchen Verſpuͤhrte man ein lautes Ziſchen. Es rauſchte, durch des Regens Fall, Die Luft, das Laub, daß dem, ders hoͤrte, Es ſeine Luſt annoch vermehrte. Hiedurch nun wurden Laub und Gras, Die Wipfel und der Boden, naß. Gleich C 3

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/brockes_vergnuegen08_1746
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/brockes_vergnuegen08_1746/51
Zitationshilfe: Brockes, Barthold Heinrich: Jrdisches Vergnügen in Gott, bestehend in Physicalisch- und Moralischen Gedichten. Bd. 8. Hamburg, 1746, S. 37. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/brockes_vergnuegen08_1746/51>, abgerufen am 20.09.2019.